


Boulevard
München/Gauting, 14.12. 2009 02:48
Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Obama in Stockholm und Kopenhagen im Vorgarten
Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Obama in Stockholm und Kopenhagen im Vorgarten
Pars pro Toto, wie die Lateiner sagen, aber was hat der pater patriae americanus mit unseren Vorgärten zu tun, und was um aller Himmel Willen soll das Ganze in Kopenhagen? Reines Ablenkungsmanöver, es hätte auch heißen können „Deutsche (japanische, amerikanische, französische usw.) Autos fahren seit Neuestem mit menschlich produziertem Methangas“. Der Ersterer spricht dem guten alten Demokrit aus der Seele, nämlich „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ und das Zweite wird durch unsere Vorgärten um die Weihnachtszeit ad absurdum geführt.
Man will ja den vielen, vielen, hochlöblichen und kompetenten Herrschaften nicht ins Wort fallen, oder sie gar der Nutzlosigkeit zeihen. Aber man darf getrost annehmen, dass es alles nichts nützt. Da werden enorme Gelder ausgegeben, Tausende von Kilometern in Flugzeugen zurück gelegt, nur um am Ende wortreich zu erklären, dass man „sehr offene und konstruktive Gespräche“ geführt hat und dass nun wirklich überall Arbeitsgruppen gebildet werden, die den Problemen von Grund auf neu auf denselben gehen werden. Viel Lärm um nichts meinte schon Shakespeare, aber was weiß schon so ein kleiner Lohnschreiber der Königin. Nur passieren wird wieder herzlich wenig. Bei den einen, weil sie zu viel Geld haben, bei den anderen, weil sie zu wenig davon haben und bei den ganz den anderen, weil sie in ihren Vorgärten zur Weihnachtszeit jedes Jahr Hollywood spielen wollen, denn die Lichterorgien, die dort veranstaltet werden sind an Perversion nur sehr schwer zu überbieten. Oder weil das neue Auto ja nur noch gaaaaaaanz wenig Sprit braucht, aber das will man bitte schön bis zum letzten Tropfen ausreizen. Und überhaupt wird ja jede Negativ-Statistik spätestens am gleichen Tag durch eine Positiv-Statistik ersetzt und widerlegt.
Wahrscheinlich ist das Ganze ein Denk- oder vielmehr Umdenkproblem. Da wir damit aber immer schon Schwierigkeiten hatten und sowieso schon an so viel denken müssen (nicht vergessen den Müll runterbringen, der Lottoschein muss noch ausgefüllt werden, der Tiefkühlpizzavorrat ist fast am Ende), wo kämen wir da hin, wenn wir uns auch noch um die Kleinigkeiten da draußen kümmern müssten. Wir haben schon in der Schule so wenig und ungern wie möglich gelernt; das letzte Mal war für den Führerschein und das hat unsere letzten intellektuellen Fähigkeiten weitgehend erschöpft. Ist doch alles ganz einfach: So wie früher die Russen für alles schuld waren, sind‘s jetzt die Chinesen oder die Inder oder die Eisbären. Und überhaupt, wenn die Araber weniger Minarette bauen und mehr Öl liefern würden, hätten wir das Problem nicht. Wir könnten in Ruhe in die Arbeit fahren, um uns dort ausgeruht und stressfrei mit den Herausforderungen der modernen Welt auseinandersetzen.
Natürlich gibt es jede Menge „Guter Menschen“, die Tag und Nacht ans Klima und verwandte Katastrophen denken. Da kaufen berühmte Schauspieler Elektroautos, Filmsternchen ziehen sich nackig aus um irgendwelche pelzige Tiere vor dem Untergang zu retten, Legionen von Vegetariern fühlen sich jeden Abend besser, weil sie keiner sprichwörtlichen Fliege etwas zuleide getan haben, aber uns, dem, geschätzt, 99,9% Rest der Menschheit geht die ganze Chose, mit Verlaub, sauber am Arsch vorbei. Schließlich haben wir uns in unserem Teil der Welt ganz komfortabel eingerichtet und sehen gar nicht ein, davon das geringste Quäntchen abzugehen. Das Prinzip des heiligen Florian (Lieber, heil‘ger Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘s Nächste an) ist schließlich vom Christentum erfunden worden, da soll der Islam oder der Buddhismus erst mal drauf kommen! Nicht vergessen sollten wir auch all die wunderhübschen Katastrophen- und Weltuntergangsfilme, die immer, aber auch immer gut ausgehen, weil am Ende der Junge das Mädchen doch rumkriegen muss. Und dann sind da ja noch die großen Versprechungen mit Kolonien am Mond und am Mars und überhaupt die Weltraumfahrt; sollte es die Marsmännchen geben, können sie sich schon auf was gefasst machen!
Und so kommt doch wieder alles zusammen. „Die da oben“ halten uns Sonntagsreden zu unserem Besten und „Wir da unten“ geben es ihnen nicht.
tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirebänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.
Bildunterschrift:tomas nittner
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tomas nittner
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