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München/Gauting, 01.02. 2010 07:28

Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand

Rüber und Gendarm, Gier und Neid, Steuersünder und Finanzamt

„Plötzlich diese Übersicht“, um die beiden Künstler David Fischli und Peter Weiss zu zitieren. Auf einen Schlag gibt es keinen Krieg mehr in Afghanistan, keinen Ärger wegen der soundsovielten Gesundheitsreform, Parteienfinanzierung zur Förderung sogenannter Partikularinteressen, kein Garnix mehr, alles starrt gebannt auf die Regierung in Erwartung der alles entscheidenden Aussage: Sind wir ein Land von Kofmichs oder nicht?

Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Komik. Da entwickelt ein, wahrscheinlich bis jetzt, biederer Bankbeamter die notwendige kriminelle Energie und Chuzpe und klaut einen ganzen Datensatz deutscher Steuersünder um diesen dem deutschen Finanzamt zur Weiterverwendung anzubieten. Also, richtig betrachtet, zweifacher Diebstahl: Der Bankangestellte bestiehlt seine Bank und deren Kunden, die wiederum den deutschen Staat durch Nichtzahlung von Steuern beschissen haben. Ein klassisches Dilemma, ja großes antikes Theater, wo ja auch die besten und die schlechtesten menschlichen Eigenschaften weitläufig verhandelt wurden. Nur dass dieses Stück auf der Bühne der großen Politik gespielt wird.

Denn, wie immer der Weisen-Rat unserer gewählten Abgeordneten entscheidet und diesen Beschluss wortreich argumentiert, der schale Nachgeschmack, mit einem kleinen Gauner gemeinsame Sache gemacht zu haben, bleibt. Natürlich wird die Regierung einen Weg finden, ihre klebrigen kleinen Finger auf die Sore zu legen; nicht umsonst wird ja schon jetzt in den Nachrichten davon gefaselt es handle sich um über 100 Millionen Euro, die dem Fiskus damit als warmer Regen durchs löchrige Dach tröpfeln könnte. Das kleine Detail des Judaslohnes (so hieß das doch früher...) wird man bestimmt im Interesse der Allgemeinheit mit einem Dünnen und fadenscheinigen Mäntelchen des Allgemeininteresses bedecken können.

Im Prinzip ist es doch bloß eine miese kleine Geschichte von Gier und Neid. Der kleine Bankmensch glaubt mit diesem „Coup“ endlich, endlich ans große Geld zu kommen. Wahrscheinlich hat er sich schon ausgerechnet, wie er bei kundiger Anlagepolitik mit dem Kies bis ans Ende seiner Tage fristen kann (irgendwo, wo‘s billig und warm ist?), oder vielleicht will er nur sein Reiheneckhäuschen abbezahlen. Unsere restlichen Mitbürger sind sich ihrer Meinung noch nicht ganz einig. Einerseits werden natürlich die „Reichen da oben“ getroffen, andererseits gönnt man ja dem kleinen Pfiffikus die zweieinhalb Mio. auch wieder nicht. Da werden wieder ganz alte Vorurteile vorgekramt, von wegen Diebesgut tut selten gut, und ähnlich schöne Sprüche, aber die Volksmeinung ist ein bisserl wie beim Lotto-Jackpot: Warum ausgerechnet der und nicht ich? Bei der Bank hätte man arbeiten sollen, möglichst einem honorigen Schweizer Institut, dann hätte man auch können. Natürlich würden wir ganz selbstlos und loyal dem Staat gegenüber mit derartigen Informationen umgegangen, man will ja nicht selbst zu Gauner werden. Träum weiter Freundchen!

Man darf also beruhigt davon ausgehen, dass weder unser Freund Informant noch die betroffenen Politiker (und da haben sich ja wirklich alle Fraktionen zu Wort gemeldet) mit dem Ausgang der verfahrenen Situation glücklich werden können. Der kleine Datendieb nicht, weil er mit dem Geld nur ganz im Geheimen umgehen kann - siehe Lottogewinn - und unsere staatstragenden Organe auch nicht, weil an ihnen am Ende immer ein ziemlich mieser Haut Gôut hängen bleiben wird, ganz egal wie sie sich nun aus der Sache raus winden.

Die Einzigen, die die Sache noch kippen könnten, wären die betroffenen Inhaber besagter Konten, indem sie sich klamm, still und heimlich selbst denunzieren. Damit müssten sie zwar nachzahlen, Strafe entrichten usw. - jeder einschlägige gute Steuerberater cum Steueranwalt kann da bestimmt aushelfen - aber sie würden den Nachstellungen von Volk und Vaterland entgehen. Aber da Neid und Gier auf dem gleichen Baum sitzen, werden sie sich kaum den dürren Ast absägen, auf dem sie vermeintlich bequem und sicher sitzen.


tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirebänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.




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