


Boulevard
München/Gauting, 31.08. 2009 07:27
Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Muckibudenzauber
Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Muckibudenzauber
Eines der großen Geheimnisse menschlichen Zusammenlebens ist leider nicht mehr zu halten: Männer sind eitler als Frauen. Peng. Einfach so. Die Meldungen häufen sich, dass heutzutage die Herren des Hauses und der Schöpfung wesentlich mehr Zeit in Bad und vor dem Spiegel verbringen als ihre Frauen, dass die Umsätze der einschlägigen Kosmetikindustrien einen passablen Teil ihrer Umsätze mit männlichen Artgenossen machen und jeden Tag mit immer neuen Produkten auf den Markt kommen, die ihnen gerne und zuhauf abgekauft werden.
So weit, so gut. Es ist ja nicht das Schlimmste, wenn der eine oder andere Mann anfängt, einen etwas höheren Anspruch an seine persönliche Hygiene und seinen Dresscode artikuliert, statt wie eine umgefallene Mülltonne auszusehen und zu riechen. Das heißt beileibe nicht, dass der Untergang des Abendlandes eingeläutet werden muss, vielmehr kann man dieses Phänomen nur begrüßen und hoffen, dass es weit um sich greift. Ein bisserl Eau de Toilette da, öfter mal duschen mit wohlriechender Seife dort, macht das Leben für alle Beteiligten um einbedeutendes Leichter.
Dazu kommt noch, dass wir im Urlaub an fremden Gestaden vielerlei wohlgestaltete Körper gesehen haben und nun leider, leider konstatieren müssen, dass alle die wohlriechenden Wässerchen bei Weitem nicht ausreichen aus uns Ebenbilder von Adonis zu machen. Mit anderen Worten: Die Wampe muss weg. Wir wollen uns hier nicht mit den mannigfaltigen Methoden der Gewichtsreduktion im Dienste der Schönheit beschäftigen, die Gazetten sind voll der Ratschläge. Wir wollen vielmehr eine Methode herausgreifen, die selbst wieder Ursache für stattliche Umsätze ist und noch dazu dem innewohnenden Spieltrieb des Mannes voll und ganz entgegen kommt. Das Fitnessstudio und seine Ableger, die Heimgeräte für den etwas verschämteren Zeitgenossen.
Der Chronist war vor einigen Jahren wegen gesundheitlicher Rehabilitation selber für ein paar Wochen in ein solches Etablissement geschickt worden. Er ist heute noch erstaunt über den fast religiösen Eifer, mit dem die dort vorhandenen Maschinen bedient, benutzt und angebetet wurden. Da sieht man eine Reihe schwitzender Menschen mit hochrotem Kopf, die Gewichte stemmen, auf laufenden Bändern ihre Seele raushecheln, kompliziert wirkende Maschinen vor der Brust oder mit den Beinen hoch und zusammendrücken. Keuchend, durchnässt, am Ende ihrer Kräfte, aber mit einem unsäglich verklärten Gesichtsausdruck, was erklärtermaßen an der Ausschüttung körpereigener Opiate (oder so ähnlich) liegen soll. Die Begeisterungskurve soll allerdings ebenfalls eigenartige Höhen und Tiefen aufweisen. Die ersten zwei bis drei Wochen ist man mit Feuereifer dabei und versichert jedem, der es hören will (oder auch nicht), wie gut, ja wie einmalig toll es einem danach geht. Nach diesem Zeitraum haben geschätzte 75 Prozent der Neusportler wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden, das heißt, auf dem Weg vom Büro nach Hause machen sie nicht mehr den Weg über den mechanisierten Jungbrunnen, sondern so wie vorher, über die Kneipe.
Eine gewisse Ernüchterung macht sich breit, wobei die männliche Eitelkeit noch immer drückt. Also wälzt man Kataloge, geht in einschlägige Geschäfte und eines Tages steht so ein Alleskönner-Gerät zu Hause im Flur, oder wo auch immer. Man kann das ja auch ganz einfach erklären, dass man von nun an unabhängig von Öffnungszeiten und Umständen, ganz für sich allein, ein sportliches Programm der Sonderklasse durchziehen kann. Außerdem spart man ja so einen Haufen Geld, denn die ganze Familie könnte ja... Die Wahrheit ist ernüchtern. Wird die Wunderwaffe gegen alle körperlichen Gebrechen die ersten Wochen jeden Tag genutzt, beginnt schon bald eine gewisse Nachlässigkeit gegenüber dem selbst gestecktem sportlichen Programm und sehr bald steht wieder ein Teil mehr nutzlos in der Wohnung rum. Das heißt, ganz nutzlos ist es nicht, hat es doch dem Hersteller wieder ein hübsches Stück Geld gebracht.
Machen wir uns nichts vor, seit Menschengedenken versuchen wir uns das Leben so bequem wie möglich einzurichten und plötzlich sollten wir uns von MASCHINEN unseren Lebensrhythmus vorschreiben lassen? Aber schon wirklich nicht, und die paar Pfund so viel werden wir auch anders los. Bis zum nächsten Urlaub, und der ist noch lange hin. Dann beginnt aber das ganze Spiel wieder von vorne. Aber die neu erlernte Gewohnheit mit den Duftwässerchen und dem einigermaßen gepflegten Äußeren, die sollte man beibehalten.
tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirebänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.
Bildunterschrift:tomas nittner
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