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Frankfurt, 17.09. 2007 09:20

Pkw-Produktion steigt weltweit in den kommenden fünf Jahren um 19 Prozent, in Deutschland um neun Prozent / Übrige westeuropäische Standorte verlieren an Bedeutung / Deutschland hat nur als High-Tech-

Automobilstandort Deutschland behauptet sich

Deutschland ist für den sich weiter intensivierenden Wettbewerb in der globalen Automobilbranche gut gerüstet – vor allem dank der Stärke der deutschen Hersteller im Premiumsegment. Während die übrigen europäischen Automobilstandorte in den letzten Jahren an Bedeutung verloren haben und weiter verlieren werden, kann Deutschland auch in Zukunft seine Bedeutung als Top-Standort behaupten. Das sind Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young1.

Während die Pkw-Produktion in Westeuropa insgesamt stetig sinkt - in den vergangenen fünf Jahren um fünf Prozent -, ist die Zahl der in Deutschland produzierten Pkw um sechs Prozent auf aktuell 5,6 Millionen gestiegen. Besonders negativ betroffen sind die Automobilstandorte Frankreich und Italien mit minus 20 Prozent bzw. minus 30 Prozent. Einen erheblichen Rückgang um 23 Prozent hat auch der Standort USA verzeichnen müssen. „Hauptgründe für die Einbußen der westeuropäischen Länder ist der Aufbau erheblicher Kapazitäten in Osteuropa – vor allem im Volumensegment –, die zu Lasten der Produktion in Westeuropa erfolgten. Die relativ schwache Nachfrage auf den westeuropäischen Märkten spielt ebenfalls eine wichtige Rolle“, erläutert Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereichs Automotive. „Deutschland konnte sich dem Negativtrend in Westeuropa entziehen und als einziger westeuropäischer Standort die Produktion steigern. Das ist angesichts des enormen Kostendrucks in der Branche und der erheblichen Konkurrenz durch Niedriglohnstandorte ein bemerkenswerter Erfolg“, so Fuß weiter.


Wachstum in Osteuropa schwächt sich ab

In Osteuropa (einschließlich Russland und Türkei) hat sich die Zahl der produzierten Pkw seit 2002 auf aktuell 5,1 Millionen verdoppelt. In den kommenden fünf Jahren wird sich das Wachstum in Osteuropa allerdings abschwächen und die Zahl der produzierten Pkw um „nur noch“ 26 Prozent steigen. In Westeuropa ist ein Wachstum um sechs Prozent zu erwarten, wobei Deutschland mit einem prognostizierten Zuwachs von neun Prozent die Rolle des Wachstumsmotors hat. „Die Zeit zweistelliger Wachstumsraten bei der Pkw-Produktion in Osteuropa sind bald vorbei, langfristig ist eher von einem geringen Wachstum von durchschnittlich etwa ein bis zwei Prozent auszugehen“, erwartet Fuß. Aufgrund stark steigender Lohnkosten, einem zunehmenden Fachkräftemangel und eines nur leicht wachsenden Absatzmarktes lasse die Attraktivität Osteuropas als Automobilstandort zukünftig deutlich nach.


Deutschland bleibt Wachstumslokomotive Westeuropas

Angesichts der dauerhaften Schwäche der meisten anderen westeuropäischen Standorte steigt die Bedeutung des Automobilstandorts Deutschland innerhalb Westeuropas stetig. Bereits in den vergangenen fünf Jahren ist der Anteil Deutschlands an den insgesamt in Westeuropa produzierten Pkw von 35 Prozent im Jahr 2002 auf aktuell 40 Prozent gestiegen, in den kommenden fünf Jahren wird er voraussichtlich weiter auf 41 Prozent steigen. „Ohne den starken Standort Deutschland und einiger hervorragend aufgestellter Hersteller und Zulieferer würde dem Automobilstandort Westeuropa mittelfristig die Marginalisierung drohen“, folgert Fuß.


Starkes Wachstum der weltweiten Pkw-Produktion

Die weltweite Pkw-Produktion wird in den kommenden fünf Jahren um voraussichtlich 19 Prozent wachsen. Dabei wird Indien das dynamischste Wachstum aufweisen: um voraussichtlich 139 Prozent auf 3,5 Millionen produzierte Pkw. Einen sehr starken Zuwachs werden auch China und Russland mit 72 bzw. 56 Prozent verzeichnen. „Die weltweite Automobilindustrie wird mittelfristig ein erhebliches Wachstum aufweisen, das vor allem aus der zusätzlichen Nachfrage in den Schwellenländern gespeist wird“, so Fuß. Diese zusätzliche Nachfrage wird vor allem durch eine Ausweitung der Produktion vor Ort gedeckt werden. Dadurch verschieben sich die Marktanteile zwischen etablierten und jungen Automobilstandorten zum Teil erheblich. Der Anteil Westeuropas an der weltweiten Automobilproduktion wird von derzeit 27 Prozent auf 24 Prozent sinken. Deutschlands Anteil sinkt von derzeit 11 Prozent auf 10 Prozent. Aktuell kommt also etwa jedes neunte weltweit produzierte Auto aus Deutschland, im Jahr 2012 wird es nur noch jedes zehnte sein.


Im Premiumsegment bleibt Deutschland der Top-Standort weltweit

Deutschland konnte und kann sich dem Negativtrend Westeuropas entziehen, weil der Anteil der Premiumprodukte relativ hoch ist. „Deutschland ist ein Premiumstandort – mehr als alles andere hat in Deutschland der Erfolg im Premiumsegment Arbeitsplätze gesichert“, kommentiert Fuß. Nach Angaben des Branchenverbands VDA ist heute jedes zweite in Deutschland gefertigte Auto ein Premium-Automobil, vor zehn Jahren waren es erst 37 Prozent. Während die Produktionsmenge im Volumenmarkt gleichgeblieben ist, ist sie bei Premium-Automobilen um 72 Prozent gestiegen – der Umsatz mit dieser Fahrzeugklasse hat sich sogar verdoppelt. Diese Entwicklung wird sich – so ist zu erwarten – in den kommenden Jahren fortsetzen. „Es wird von entscheidender Bedeutung sein, dass Deutschland durch weitere Anstrengungen im Bildungs- und Ausbildungsbereich seine Innovationsführerschaft festigen und sogar ausbauen kann“, so Fuß.

„Die Stärken Deutschlands liegen im Bereich innovativer, zukunftsweisender Produkte. Die besonders lohnintensiven Bereiche – Teilefertigung und Endmontage – hingegen, bei denen eher die Arbeitskosten als die Qualifikation der Beschäftigten ins Gewicht fallen, werden zukünftig in Deutschland eine geringere Rolle spielen“, fasst Fuß zusammen.

„Deutschland wird zumindest mittelfristig einer der Top-Automobilstandorte weltweit bleiben“, erwartet Fuß. „Voraussetzung ist allerdings, dass es den deutschen Herstellern gelingt, im Premium-Segment weiterhin den Ton anzugeben“. Die Chancen dafür stünden aber gut, so Fuß: „Deutschland kann nicht billiger sein als China, aber Deutschland kann besser sein“. Zwar gebe es auch in den osteuropäischen Ländern und zunehmend auch in China hervorragend ausgebildete Arbeitskräfte. In Deutschland bestehe aber ein historisch gewachsener Verbund von Forschung und Fertigung – ein Netz aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Herstellern und Zulieferern, dessen Breite und Tiefe weltweit einmalig sei. „Erst der intensive Austausch und die Kooperation innerhalb dieses Technologie- und Fertigungsverbunds stellen sicher, dass zum einen (noch) kein wesentlicher Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften besteht und die Ausbildung auch den Erfordernissen der Praxis entspricht und zum anderen der Vorsprung Deutschlands bei Forschungs-, Technologie- und Fertigungs-Know-how bestehen bleibt“, so Fuß. Diesen Vorsprung könnten konkurrierende, „junge“ Automobilstandorte nicht binnen weniger Jahre wettmachen.


Der Aufbau von Produktionsstätten im Ausland geht nicht zwangsläufig auf Kosten Deutschlands

Die deutsche Automobilindustrie – ob Zulieferer oder Hersteller – investiert bereits seit Jahren erheblich in den Aufbau von Produktionsstätten im Ausland und wird dies weiter tun. Dennoch ist die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie in den vergangenen Jahren nicht gesunken. Im Gegenteil: Im Jahr 1996 beschäftigte die deutsche Automobilindustrie insgesamt 361.000 Personen. Bis zum vergangenen Jahr ist diese Zahl auf 392.000 Beschäftigte angewachsen. Die Zahl der in Deutschland produzierten Fahrzeuge ist in den vergangenen zehn Jahren um 19 Prozent gestiegen. Allerdings stieg die Produktion deutscher Hersteller im Ausland erheblich stärker als im Inland – um 95 Prozent seit 1996. „Auch in den kommenden Jahren werden wir in Deutschland nur ein geringfügiges Wachstum der Automobilbranche sehen, während die starken Wachstumsimpulse aus dem Ausland kommen werden“, erwartet Fuß.

Mit dem wachsenden Wohlstand in China, Indien und Russland gibt es in diesen Ländern immer mehr Menschen, die sich Premiumprodukte leisten können und wollen. Gerade für die auch international hervorrangend aufgestellten deutschen Automarken bieten diese Märkte ein erhebliches Potenzial. „Zwar wird die Produktion der in den Schwellenländern verkauften Fahrzeuge verstärkt vor Ort geschehen – dennoch profitiert der Standort Deutschland, denn Forschung und Entwicklung werden weiterhin in erster Linie in Deutschland stattfinden“, so Fuß.

[1] Die Basis der im Text genannten Zahlen und Berechnungen stammen vom Marktforschungsinstitut Global Insight.




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