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Frankfurt, 20.07. 2004 17:29

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direct/FAZ: Ministerin WEISS zu Rechtschreibreform

Ministerin Weiss: Zweifelsfälle bei der Rechtschreibreform bis August 2005 klären und Übergangsphase verlängern


Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Christina Weiss, hat ihre Kritik an der Rechtschreibreform erneuert, die sie als "Hinweis" verstanden wissen wolle: "Wir haben bis zum Ablauf der Übergangsphase am 31. Juli 2005 noch die Gelegenheit zum Überdenken der neuen Regeln. Ich sehe die Chance, Zweifelsfälle zu klären", sagte sie im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochausgabe) Neben der neuen Getrenntschreibung nannte die Ministerin die neue Schreibweise von Wörtern wie "gräulich" statt "greulich" in der alten Form für "problematisch". Frau Weiss sieht die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) weiter in der Verantwortung, die Rechtschreibreform zu korrigieren. "Die KMK ist dafür verantwortlich. Dort sollte die Debatte geführt werden." Sie halte nichts davon, die Ministerpräsidenten mit der Überarbeitung der Reform zu befassen, so wie es die Ministerpräsidenten Bayerns, Niedersachens und des Saarlands, Stoiber (CSU), Wulff und Müller (beide CDU) vorgeschlagen hatten. Sie sollten aber das Signal an die Kultusminister geben. Eine Volksabstimmung über die Rechtschreibreform, wie sie die FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper verlangt hatte, lehnte die Ministerin als "populistische Forderung" ab. "Es gibt Fragestellungen und dazu gehört die Rechtschreibreform, die nicht für Volksentscheide taugen."
Die Ministerin, die als erstes Mitglied der Bundesregierung eine Rücknahme "verwirrender und unsinniger" Neuerungen der Reform verlangt, begründete ihre Einmischung in die Debatte: "Als Beauftragte des Bundes für Kultur kann ich in dieser Frage nicht schweigen. Die Summe der Kritik ist zu groß, als daß man darüber hinweggehen kann." Von Schriftstellern und den Akademien der Künste in den Bundesländern sei sie oft in dieser Frage angesprochen worden. Die Beauftragte für Kultur hält zudem den Vorschlag für überdenkenswert, die Übergangsphase zu verlängern. Dann sei es weiter möglich, sowohl nach den neuen als auch den alten Regeln zu schreiben. "Danach sollte man prüfen, was sich bei der Rechtschreibung durchgesetzt hat und wie der Gebrauch ist. Sprache ist ja ein lebendiges Instrument, das sich weiterentwickelt." Frau Weiss kündigte im übrigen an, daß sie sich im Interesse eines einheitlichen Sprachgebrauchs dafür einsetzen wird, die von den Ländern getroffene Regelung auch vom Bund mitzutragen.


Kontaktinformationen:

Jasper von Altenbockum
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Tel.: 0049 (0)69-75 91-1457
E-Mail: cvd@faz.de

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