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Frankfurt, 20.07. 2004 19:04

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direct/FAZ: Ministerin WEISS zu Netzwerk/Vertreibungen

Ministerin Weiss: Warschau als Sitz des "Netzwerks" zur Aufarbeitung von Vertreibungen vorgeschlagen


In der Debatte über das in Berlin geplante "Zentrum gegen Vertreibungen" hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Christina Weiss (parteilos) im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochausgabe) ihre Vorstellungen für ein länderübergreifendes "Netzwerk" von Geschichtswerkstätten und Ausstellungen, konkretisiert, mit dem die Vertreibungsprozesse während und nach dem Zweiten Weltkrieg aufgearbeitet und dargestellt werden sollen. Im Oktober diesen Jahres werde in Budapest voraussichtlich ein Beschluß der Kulturminister aus Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, Österreich und der Slowakei fallen, um das Sekretariat für das "Netzwerk" zu gründen. Sitz dieses Gremiums, das die Arbeit der verschiedenen Institutionen koordinieren soll, könnte nach Ansicht von Frau Weiss in Warschau sein.

Das Netzwerk solle keine staatliche Einrichtung oder die Vertretung von Interessensverbänden sein, sondern eine von unabhängigen Historikern und Wissenschaftlern konzipierte Einrichtung. Die von der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, mitgegründete Stiftung für ein "Zentrum gegen Vertreibungen" könne allerdings als Interessensverband nicht Teil des Netzwerks, sondern nur Kooperationspartner sein. Bis zur Konferenz im Oktober werde als erster Schritt eine "Landkarte" der Vertreibungsprozesse erstellt, mit symbolischen Orten des Gedenkens und Erinnerns. Als vorstellbare Orte nannte Frau Weiss Städte wie Frankfurt/Oder und Slubice, Görlitz und Zgorzelec, Guben und Gubin, Bad Muskau und Leknica, aber auch Stettin oder Breslau, in denen sich die "Zerrissenheit einer Landschaft" spiegele. Eingebunden werden sollten auch Institute an der Grenze zu Lettland und der Ukraine, die sich mit der Vertreibung von Polen durch die Sowjetunion beschäftigen. Für die Aufarbeitung der Vertreibungsprozesse im ehemaligen Jugoslawien sei es hingegen zu früh: "Dort sind die Wunden noch zu frisch."

In den nächsten Monaten seien Vorschläge für Ausstellungen in den verschiedenen Ländern angedacht, die mit Befragungen der Besucher gekoppelt werden könnten. Die Kulturbeauftragte sprach sich dafür aus, daß dieses Netzwerk keine "elitäre Veranstaltung" sein, sondern sich an " an die jeweilige Bevölkerung und die Jugend" richten sollte. Neben Ausstellungen seien auch "Workcamps, Literaturveranstaltungen und Vortragsreihen" möglich. Offen sei noch die rechtliche Form des "Netzwerks", für das man Gelder der EU bei der Kommission in Brüssel beantragen werde. Möglich sei eine europäische Stiftung, in deren Kuratorium renommierte ehemalige Politiker aus den jeweiligen Ländern berufen werden könnten. Sie hoffe, daß das Netzwerk schon zum 1. Januar 2005 seine Arbeit aufnehmen könne. Die Aufarbeitung der Vertreibung in den osteuropäischen Ländern sei "kompliziert ". So werde das Thema der Vertreibung der Sudetendeutschen im Zuge der Benes-Dekrete in der Tschechischen Republik immer noch "tabuisiert". Das Ziel des Netzwerks sei es daher auch, über solche Themen in der Öffentlichkeit zu diskutieren, um so ein Fundament für politisches Umdenken zu schaffen.


Kontaktinformationen:

Majid Sattar
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Tel.: 0049 (0)69-75 91-14 57
E-Mail: cvd@faz.de

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