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FRANKFURT, 09.07. 2004 17:10

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direct/FAZ: Bundesbank vollzieht Wandel der Geldpolitik

Bundesbank vollzieht Wandel der Geldpolitik

Der neue Bundesbankpräsident stuft die Bedeutung der monetären Analyse herab


F.A.Z. FRANKFURT, 9. Juli. Die Deutsche Bundesbank vollzieht einen grundlegenden Wandel in der geldpolitischen Strategie. Sie verabschiedet sich von der starken Betonung der Geldmenge als wichtigstem Indikator für die künftige Preisentwicklung und legt mehr Wert auf die wirtschaftliche Entwicklung. Der neue Bundesbankpräsident Axel Weber sagte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstagsausgabe): "Ich halte die monetäre Analyse für wichtig, aber für nicht zentral. Man sollte sie nicht vernachlässigen, aber man sollte sie auch nicht überbetonen."
Weber entscheidet als Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Geldpolitik für den gesamten Euro-Raum mit. Er betonte, daß die wirtschaftliche Analyse in der Zwei-Säulen-Strategie der EZB ihm wichtig sei, "weil der Inflationseffekt einer geldpolitischen Maßnahme von der wirtschaftlichen Situation abhängt, und zwar ganz zentral."

Im EZB-Rat gilt Otmar Issing, der Chefvolkswirt der EZB und zuvor der Bundesbank, als Garant für die herausgehobene Stellung der monetären Analyse in der EZB-Strategie. Weber wird als möglicher Nachfolger von Issing gehandelt, der im Mai 2006 aus dem Amt scheiden wird. Er sieht seine Perspektive nach eigenen Worten aber als Präsident der Bundesbank. Weber sagte: "Ich habe hier eine hervorragende Position. Die Amtszeit von acht Jahren sehe ich für mich als relevanten Zeithorizont an."
Als Vorbild für seine Tätigkeit als Bundesbankpräsident nannte Weber Alan Greenspan, den Chairman des geldpolitischen Rats der amerikanischen Notenbank Fed. "Ich eifere Alan Greenspan nach, aber ich sehe mich hier noch lange nicht am Ziel angelangt." Die amerikanische Geldpolitik wollte Weber dennoch nicht als Erfolg bezeichnen. "Die Einschätzung, daß die Geldpolitik der Fed erfolgreich ist, besteht vor dem Hintergrund, daß hier doch erhebliche expansive Impulse in die Wirtschaft eingeleitet wurden, neben einer expansiven Fiskalpolitik. Ich glaube, es ist noch zu früh, dies abschließend zu beurteilen."

Zur aktuellen geldpolitischen Lage im Euro-Raum sagte Weber: "Wir sehen in jüngster Zeit Hinweise dafür, daß die Inflationserwartungen gestiegen sind und es gewisse Aufwärtsrisiken für die Preise gibt, weil die Konjunkturerholung sich zu verfestigen scheint. Die verfügbaren Informationen legen aber noch nicht nahe, daß wir auf absehbare Zeit unsere geldpolitische Orientierung ändern müßten." Die EZB hält den Leitzins im Euro-Raum derzeit bei 2 Prozent.

Dagegen hatte die Fed Ende Juni ihren Leitzins leicht angehoben und damit die Zinswende eingeleitet. Zuvor hatte die amerikanische Notenbank die wirtschaftliche Erholung mit einer stark expansiven Geldpolitik angeschoben. Weber schließt nicht aus, daß die Fed angesichts des amerikanischen Konjunkturaufschwungs die Zinsen stark anheben muß. "Wenn diese Stimuli rausgenommen werden, wird sich die Frage stellen, ob die Geschwindigkeit, mit der das jetzt an den Finanzmärkten eingepreist wird, angemessen ist", sagte Weber.


Kontaktinformationen:
Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an:

Christiane Harriehausen
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Tel.: 0049 (0)69-75 91-14 30
E-Mail: cvd@faz.de

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