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München, 10.08. 2004 08:13

Verfahren mit digitaler Bildverarbeitung helfen bei der Früherkennung von Melanomen und harmlose Erkältungsviren sollen die bösartigen Krebszellen zerstören
Melanom: Früherkennung und neue Therapie-Strategie

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 120.000 Menschen neu an einem malignen Melanom - dem bösartigen schwarzen Hautkrebs, etwa 3.000 sterben daran. Seit den 70-er Jahren haben sich die Erkrankungsraten annährend versechsfacht. Dieser Tumor ist besonders gefährlich und beim Vorliegen von Metastasen nur selten heilbar. Melanome zählen zu den häufigsten Krebserkrankungen. Derzeit liegt das lebenslange Risiko, an einem Melanom zu erkranken, bei 1:100. Besonders gefährdet sind hellhäutige oder rothaarige Personen mit vielen Muttermalen sowie Menschen, die wiederholt Sonnenbrände, insbesondere in der Kindheit, erlitten haben.

Therapie der Wahl ist die möglichst frühzeitige operative Entfernung des Karzinoms und eventuell auch der zugehörigen Lymphknoten. Haben sich Metastasen in anderen Organen gebildet, muss eine Chemo- und/oder Immuntherapie durchgeführt werden. Früh erkannt, hat Hautkrebs eine hohe Heilungschance.

Ein Experten-Team der Medizinischen Universität Graz hat ein Verfahren mit digitaler Bildverarbeitung für eine vereinfachte Früherkennung von Melanomen entwickelt. In einer automatischen Analyse können bösartige Fälle mittels Computer von gutartigen unterschieden werden. Damit steht Patienten erstmals ein Verfahren zur Verfügung, das auf einer objektiven Wertung der Beurteilungen "gutartig" und "bösartig" basiert. Vorsorgeuntersuchungen werden schneller durchgeführt und die Früherkennung wird optimiert, berichtet die Universität Graz.

Wissenschaftler der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten jetzt an einer neuartigen Therapie-Strategie, bei der harmlose Erkältungsviren die bösartigen Krebszellen zerstören sollen.

"Eine Erfolg versprechende Therapieform gegen Krebs ist die gezielte Zerstörung der Tumorzellen durch eine Virus-Infektion", erklärt Dr. Dirk Nettelbeck, Projektleiter an der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Diese Strategie basiert darauf, dass Viren in Zellen eindringen, sich darin stark vermehren und die Zellen dadurch zum Platzen bringen. Tausende neuer Erreger schwärmen aus und befallen weitere Zellen. So lösen Viren verschiedene Krankheiten aus. Die Winzlinge erkennen ihr Zielobjekt mit Hilfe von Antennen, mit denen sie an passende Oberflächenmoleküle der jeweiligen Zelle andocken, um dann einzudringen.

In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt sollen genetisch veränderte Viren - so genannte onkolytische Viren - ganz gezielt Hautkrebszellen befallen, diese zerstören und sich ausschließlich im Tumor ausbreiten. "Im Tiermodell konnte das Prinzip der viralen Onkolyse bereits erfolgreich angewandt werden, erste klinischen Studien in den USA verliefen vielversprechend", so Dr. Nettelbeck. Die Erlanger Wissenschaftler setzen Adenoviren ein, die sehr gut untersucht sind und beim Menschen eher harmlose Erkältungskrankheiten erzeugen.


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