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Wien, 17.05. 2004 10:08


Tibetische Tempel und Klosteranlagen - architektonischer Spiegel der buddhistischen Weltanschauung

Bei der Verbreitung des Buddhismus von Indien nach Tibet hat die Architektur
eine wesentliche Rolle gespielt. Buddhistische Tempel und Klosteranlagen im
westlichen Himalaya spiegeln die buddhistische Weltanschauung wider. Das
ergab die von WissenschafterInnen des Instituts für Architekturtheorie und
Baukunst an der Technischen Universität Graz durchgeführte Analyse der zum
Teil unvollständig erhaltenen Bauten. Das vom Wissenschaftsfonds FWF
geförderte Projekt dient deshalb auch der Rekonstruktion und Erhaltung
dieser religiösen Gebäude.


Der westliche Himalaya ist eine Hochgebirgsregion im Westen des
zentraltibetischen Hochlandes. Heute umfasst die Region Teile von Pakistan,
Indien, Nepal und Tibet. Die Landschaft ist von rauen Gebirgsketten im
Norden und Süden geprägt. Trotz dieser unwirtlichen Lage war diese Gegend
seit jeher eine bedeutende Handelsroute zwischen Indien und dem
zentralasiatischen Raum. Das führte im westlichen Himalaya zu regem
kulturellen Austausch zwischen den Handelsvölkern.

Import indischer Ideen
Im zehnten Jahrhundert endete hier eine Phase politischer Unruhen. Die
darauf folgende Entstehung des westtibetischen Königreiches bildete den
Ausgangspunkt für ein nachhaltiges Erstarken des Buddhismus in Tibet.
Besonders im elften Jahrhundert, unter dem tibetischen König Ye-shes-'od,
wurden Gelehrte in indische Zentren des Buddhismus entsendet. Bei ihrer
Rückkehr nach Tibet brachten sie wichtige Schriften des so genannten
Mahayana-Buddhismus mit. Die Schriftstücke wurden in tibetische Sprache
übersetzt und damit die Grundlage für die stärkere Verbreitung des
Buddhismus in Tibet geschaffen. Um die buddhistische Lehre auch auf
architektonischem Weg zu repräsentieren und zu kommunizieren, kamen auch
Maler und Bildhauer aus Indien mit nach Tibet, die mit der Realisierung
buddhistischer Bauten beauftragt wurden.

Beachtlich sind die noch vorhandenen Zeugnisse aus dieser Zeit, vor allem,
wenn man sich die örtlichen Gegebenheiten vor Augen hält. "Im Wesentlichen
konnten nur die lokalen Ressourcen, Lehm und Stein, genutzt werden. Holz
wurde wegen seiner geringen Verfügbarkeit nur für Balkenlagen und zur
Unterstützung von Säulen verwendet", erklärt Prof. Holger Neuwirth vom
Institut für Architekturtheorie und Baukunst.

Evolution & Involution
Trotz dieser Ressourcenknappheit sollte die Architektur der Kloster- und
Tempelanlagen den Prinzipien des buddhistischen Weltbildes folgen. Die
Wandbilder sind häufig in der farbenfrohen Symbolik buddhistischer Mandalas
gestaltet. "Die unter dem Namen Mandala bekannten komplizierten symbolischen
Darstellungen repräsentieren die kosmische Evolution, die auch Involution
genannte Selbstfindung des Individuums und zugleich die psychischen Kräfte.
Sie stellen die Grundlage der indo-tibetanischen, buddhistischen und von
Indien beeinflussten Erkenntnislehren dar", beschreibt Prof. Neuwirth. Die
geometrische Form des Kreises und des Quadrates bilden den Rahmen für diese
komplexen symbolischen Malereien, die Erzählungen aus der buddhistischen
Lehre darstellen.

Das Prinzip des Mandala wurde auch zum Ideal für die Geometrie des Tempels
und der umgebenden Anlage - der Tempel als Zentrum, Achse und Nabel der
Welt. Manche Gebäude wurden mehrgeschossig gebaut. So symbolisieren sie die
Vorstellung einer von unten nach oben bis zur Einheit mit dem Absoluten
wandernden Seele. Auf diese Weise folgte eine Anlage auf jeder Ebene den
buddhistischen Grundgedanken und vermittelte diese nach außen. So
unterstützte die Architektur durch Manifestation im Alltag die Verbreitung
der buddhistischen Lehre.

Von diesen frühen buddhistischen Bauten im westlichen Himalaya sind heute
nur mehr wenige in einem baulich intakten Zustand, der eine liturgische
Nutzung erlaubt. Die meisten religiösen Gebäude wurden zudem im Laufe der
Jahrhunderte soweit zerstört oder durch Um- und Anbauten verändert, dass ihr
ursprüngliches Erscheinungsbild nur mehr schwer nachzuvollziehen ist. Mit
Fördergeldern des FWF kann an der Analyse, Rekonstruktion und
Erhaltungsmaßnahmen dieser Kulturschätze gearbeitet werden. Die Ergebnisse
der Analysen werden mittels computergestützter Simulation und
Visualisierungsmodellen sichtbar gemacht (siehe Video).


Text, Bild und Video ab Montag, 17. Mai 2004, 09.00 Uhr MEZ unter:
http://www.fwf.ac.at/de/press/tibet.html


Kontaktinformationen:
Prof. Holger Neuwirth
Institut für Architekturtheorie und Baukunst
Technische Universität Graz
Rechbauerstraße 12
A-8010 Graz
T: +43/ 316/ 873 69 40
M: +43/ 650 910 59 80
E: neuwirth@bks.tugraz.at


Aussender:
PR&D - Public Relations for Research & Development
Campus Vienna Biocenter 2
A-1030 Wien
T +43/ 1/ 505 70 44
E contact@prd.at

Wien, 17. Mai 2004
-----------------------------
Ulrike Unterberger
Assistentin

PR&D - Public Relations for Research & Development

T +43 1 505 70 44
F +43 1 505 50 83
E unterberger@prd.at

Campus Vienna Biocenter 2
A 1030 Vienna, Austria

http://www.prd.at

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