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München/Gauting, 15.12. 2008 07:53

Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand

Trautes Heim, Alptraum fein

Bestimmt behauptet irgendeine hochoffizielle Statistik, dass mindestens 95% der Deutschen am liebsten im Eigenheim leben würden. Die üblichen, etwa 150 bis 200 Quadratmeter, hingeklotzt in die Landschaft, dem ach so erträumten „im Grünen“, Wohnzimmer, zwei Kinderzimmer, ein Schlafzimmer, Küche, Bad, im Keller ein dunkles Gemach namens Hobbyraum, umgeben von durchschnittlich 600 qm Rollrasen, Zwergbäumen und verwandtes Gestrüpp. Das Ganze garniert von 30 Jahren finanzieller Leibeigenschaft. In einem klaren Moment der stillen Überlegung wird man eine gewisse Ähnlichkeit mit den Höllenbeschreibungen in Dantes „Göttlicher Komödie“ feststellen...

Schon die allgegenwärtige Raumaufteilung, ein Schlafzimmer und zwei Kinderzimmer, verweisen auf den grundsätzlichen Fehler, den uns eine fehlgeleitete Sentimentalität eingebrockt hat. Nämlich die Vorstellung 1, dass wahre Liebe nur im wohnlichen Ehebett, und nur in diesem, erblühen und gedeihen kann. Vorstellung 2 versucht uns einzureden, dass man als glückliches Paar, alles, wirklich alles, zusammen auf engstem Raum erleben muss. „Wir wollen keine Geheimnisse voreinander haben“, „Wir wollen alle Fährnisse des Lebens gemeinsam meistern“, „Wir wollen jeden freien Moment zusammen verbringen“ und was es da sonst noch an fundamentalen Fehlern bei der Gestaltung eines möglicherweise ansonsten recht viel versprechenden ehelichen oder anderer Gemeinschaft gemacht werden.

Das mag ja am Anfang, im Überschwang hormoneller Störungen, ganz lieb, nett und angenehm sein. Für langjährige menschliche Beziehungen taugt dieses Modell weniger. Das beginnt schon beim gemeinsamen Schlafzimmer. Wie gesagt, für Hochzeitsnacht, Flitterwochen, erotische Zusammenkünfte jeder Couleur, ja. Für eine zuträgliche und langfristige Gestaltung des Zusammenlebens, nein. Das fällt zum ersten Mal unangenehm auf, wenn man feststellt, dass der geliebte Partner ganz profan und mit Hingabe schnarcht. Es spricht für die Disziplin der Deutschen, dass diese Art der psychischen und leiblichen Folter nicht zu mehreren Totschlagsdelikten pro Nacht führt. Unterschiedlicher Schlafrhythmus, andere Schlafbedürfnisse, schlechte Träume führen sehr bald zum – genau – Alptraum.

Aber das ist ja erst der Anfang der vielbeschorenen Zweisamkeit. In diesen Bausparkassenparadiesen hat man noch dazu überhaupt keine Möglichkeit wenigstens für eine halbe Stunde allein zu sein, sich selbst zu sein mit allen widerlichen oder abstrusen Gewohnheiten. Die Leute reden immer von Guantanamo, unsere Vorstädte „im Grünen“ bieten bisweilen viel mehr Anschauungsmaterial für menschliches Fehlverhalten. Und warum macht man das Ganze? Richtig, um Kinder zu bekommen, die in wohlanständigen Verhältnissen zu mündigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft heranwachsen sollen. Und dann muss man sich bereits früh am Morgen mit der offenen Zahnpastatube im viel zu kleinen Bad 'rumärgern.

Also fängt man an sich für Aktivitäten außerhalb des Hauses zu interessieren. Man treibt Sport, entwickelt ein Hobby, geht in die Volkshochschule. Lernt jemanden kennen. Und dann wird’s erst richtig bunt und rund. Angeblich werden 50% aller Ehen innerhalb der ersten sieben Jahre geschieden. Viele tun es allerdings immer öfter, um den gleichen Fehler noch einmal zu begehen. Rar sind die Fälle, dass der eine, oder die andere, aus dem ersten Desaster gelernt hat. Entweder sie heiraten nie wieder, oder sie stellen von Anfang Regeln des Zusammenlebens auf, die den Interessen beider Parteien gerecht werden und nicht auf purer, stupider Sentimentalität beruhen. Das erfordert Mut, Intelligenz und Durchhaltevermögen. Manchmal ist die Lebenserfahrung gnädig und hilft dabei. Wir kennen allerdings alle genügen Fällen aus Presse,
Funk und Fernsehen, wo es ganz einfach genauso weiter ging.

Vielleicht ist es auch damit getan, sich gegenseitig einen gewissen Freiraum zu gestatten, der dann aber auch strikt eingehalten werden muss. Vertrauen heißt wahrscheinlich das Zauberwort, aber wenn Frau Gattin schon mal mitbekommt, dass Herr Gemahl bei der der Steuererklärung schummelt, oder sie dabei ertappt wird, wie sie ihre besten Freundinnen hintergeht, dann fragt man sich, ob das mit dem Vertrauen in die absolute eheliche Gemeinschaft so ganz richtig ist und funktionieren kann. Also doch lieber Stammtisch mit den üblichen Sprüchen für ihn und
Tupperwareparty für sie? Oder vielleicht doch lieber allein...

Jean Paul Sarte hat in einem seiner Theaterstücke mal den Satz geprägt: „Die Hölle, das sind immer die anderen“. Klingt nicht schön, aber machen sie es doch einfach mal besser.

PS: Auch Damen haben ab und zu das Bedürfnis http://www.cad-plots.de/perfectwoman.wmv , die Sau rauszulassen.



tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirenbänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.


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tomas nittner

Kontaktinformationen:
tomas nittner
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