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München/Gauting, 01.12. 2008 07:44

Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand

Santa Claus ante portas

Die Vorweihnachtszeit ist die einzige Naturkatastrophe, die mit garantierter und sogar im Kalender vorgemerkter Regelmäßigkeit kommt, aber rätselhafterweise anscheinend doch alle völlig unvorbereitet trifft. Wie jedes Jahr ist der Einsatz schlecht bezahlter Hilfskräfte enorm, die Gazetten und andere Medien sind voll guter oder (je nachdem) schlechter Nachrichten, Panikkäufe zeichnen sich bereits am wirtschaftlichen Horizont ab. Begleitet wird der ökonomische Wirbelsturm von furchterregenden Phänomenen, wie Weihnachtssingen, Weihnachtsmärkten, Nikoloaufzügen, Glühwein- und Maroniständen an jeder Straßenecke und – die gefürchtetste Auswirkung des Desasters – Weihnachtsmusik allüberall.

Die ganz bezaubernd aparte Begleiterscheinung ist das empörte Stöhnen, der verzweifelte Aufschrei, der ob der Pervertierung der „Stillen Zeit“ allenthalben angestimmt wird. Dabei klingen diese Kritikerstimmen mindestens so verlogen, wie die Zustände, die sie angeblich anprangern möchten. Manchmal bekommt man, still und leise, den Eindruck, dass die gesamte Kulturkritik nur dazu dient, den Konsum erst recht anzuheizen, weil die Leut' glauben, sie müssten doch mal nachschauen, ob's wirklich sooooooo schlimm ist und schon sitzen sie in der Falle. Denn wenn man schon mal da ist, könnte man doch gleich, und Onkel Ferdinand hat sich doch, ja und Tante Agathe hat mal gesagt – circa fünf Stunden und mehreren Hundert Euro später wankt man völlig erschlagen nach Hause und schwört sich, dass nächstes Jahr... Bingo, schon wieder ein normalerweise brauchbar intelligenter Zeitgenosse, der voll in die Falle getappt ist.

Ich gebe es ja zu, es ist äußerst schwer, dem ganzen Wahnsinn zu entkommen. Möglichkeit eins: Man vermeidet tunlichst die Innenstadt, dem Ballungszentrum der Konsumorgie. Möglichkeit zwei: Man macht sich einen Einkaufszettel, verschafft sich eingebildete Scheuklappen und arbeitet diese Liste sklavisch und so schnell wie möglich ab. Möglichkeit drei: Man bleibt zu Hause und erledigt alles per Internet. Aber auch hier wahrscheinlich Fehlanzeige, weil garantiert jeder Großkonzern seinen Internetauftritt mit passenden Jingles, Pop-Ups und ähnlichem garniert und einem auch hier die Befriedigung des Kauftriebs gründlich vergällt.

Also Askese? Das kann auch nur die Lösung für durchgeknallte Eso-Jünger sein, die gerade den Absprung von etablierten und gesellschaftlich sanktionierten Religionsgemeinschaften geschafft haben. Für alle uns anderen Ungewaschenen und Schlechtgesalbten bleibt nur eine Alternative: Ein miesepetriges Gesicht aufsetzen, den Leiter des Supermarktes wegen der Enge in den Gängen anraunzen, wer hat, einen iPod aufsetzen und volle Kanne laufenlassen, sozusagen den passiven Protest, die nichtaktive Konsumverweigerung, die schon damals Mahatma Gandhi predigte. Kann schon sein, dass der Eine oder Andere ausrastet und anfängt bei den beliebten Dosenpyramiden die unterste Dose rauszuziehen, oder mit dem Einkaufswagen „aus Versehen“ Regale mit neckischen Schokoladennikoläusen abräumt. Meiden sie große Kaufhäuser, Supermarktketten und Drogeriemärkte, schalten sie den Fernseher komplett aus (das gilt allerdings für das ganze Jahr...), oder schreiben sie Petitionen an die Stadtverwaltung wegen der unsinnigen Verschwendung von Geldern – und werfen sie dieselben dann bloß weg, sie wollen sich ja nicht die Blöße des Gutmenschen geben, oder?

Ansonsten gilt, wie immer, Seneca, der alte Stoiker: „Die Aufregung über ein bestimmten Tatbestand muss immer der Wichtigkeit, die dieser Tatbestand für sie hat, angemessen sein“. Also Gelassenheit, ruhiges, entspanntes über den Dingen stehen ist angesagt und ab und zu ein kräftiger Fluch oder eine passende, möglichst originelle Beleidigung an die richtige Adresse wirken Wunder! Und, um ja nicht in Versuchung zu kommen, vermeiden sie die Ausschmückung ihres sicherlich trauten Heims mit all dem Weihnachtstand, der allerorten angeboten wird. Kein Zweiglein, kein Kerzlein, kein Lichtlein, kein Rehlein unter Tannenzweigen, kein Adventskalenderchen oder -kränzchen. Nichts, Niet, Nada! Am besten, sie fangen das bei ihren Kinder schon im zartesten Alter an, dann kommen die später gar nicht auf die Idee, sich an dem ganzen Wahnsinn zu infizieren. Machen sie es einfach ganz anders als die anderen und dadurch vielleicht besser.

PS: Hier können sie mal sehen http://www.cad-plots.de/SantaClaus.wmv , wie sie schon in ihrer Kindheit mit dem ganzen Quatsch belogen wurden!


tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirenbänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.



Bildunterschrift:
tomas nittner

Kontaktinformationen:
tomas nittner
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82131 Gauting

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