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Gauting/München, 06.10. 2008 09:01

Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand

Der Rausch als menschliches Grundbedürfnis

Der Alkohol und andere psychotropen Substanzen: Viel wurde schon darüber geschrieben, aus berufenem Munde und als unbedarftes Gewäsch, von betroffenen Literaten (also fast allen) und von vehementen Gegnern (also meistens von Leuten, die Anti-, Nicht-, oder Früher-Alkoholiker waren...). Somit gibt es fast niemanden, der keine Meinung zum Thema hat.

Die Geschichte der Menschheit ist auch eine des Rausches. Die Gebildeteren werden sich sofort und gerne an Dionysios erinnern, die noch ein bisserl Gscheiteren auch gleich an Ganymed, den göttlichen Mundschenk. Es gibt keine so genannte Kultur oder Zivilisation, die nicht die eine oder andere Gottheit oder Kultfigur in den Dienst des Rausches gestellt hätte. Es gibt allerdings auch keine, die nicht sogleich drakonische Strafen und findige Verteufelungen dagegen eingeführt hätte. Um natürlich auch sehr schnell zu entdecken, dass man den Rausch als solchen vortrefflich besteuern und anderweitig gewinnbringend verwenden kann.

Aber, treten wir mal einen Schritt zurück von der Krone der Schöpfung und betrachten, was rauschmäßig sonst noch alles im Tierreich passiert. Na? Elefanten und Affen, Ameisenbären und Nashörner, Pferde und Hunde, so ziemlich alles was an höher entwickeltem Viehzeugs auf dieser Erde kreucht und fleucht, ist einem Schluck schmackhaft Vergorenem nicht abgeneigt. Wenn das mal kein Beweis für die Evolution des guten alten Charles Darwin ist... Von wegen „Intelligent Design“! Selbst das Bedürfnis uns ab und zu anzuglühen haben wir von unseren Vorgängern beibehalten. Mit allen bekannten Auswüchsen – torkeln, Unsinn reden, lallen, Prügeleien, das komplette Programm.

Das einzige, was der Mensch da an Fortschritt beigesteuert hat, ist die schier unendliche Vielfalt der verschiedenen Rauschmittel. Und jeden Tag kommen natürlich neue Portionen dazu, denn der Erfindungsreichtum des homo sapiens ist unerschöpflich. Alles was in irgendeiner Art dem menschlichen Körper zugeführt werden kann wird auf seine Rauschfähigkeit untersucht und erprobt. Das ist dann wie bei Waffen – alles was an Vernichtungsgeräten erfunden wird, kommt auch zum Einsatz! Aber nicht nur das Inventar der rauschigen Hausapotheke wird laufen erweitert, wir werden auch nicht müde jederzeit neue Gelegenheiten zur Plünderung derselben entwickelt. Ich überlasse es dem geneigten Leser, seine eigene Liste gesellschaftlich sanktionierter Rauschmöglichkeiten aufzuzählen, bin mir aber sicher, dass es innerhalb kürzester Zeit ein gutes Dutzend sind und das sogar bei relativ denkfaulen und fantasiearmen Zeitgenossen. Im Vergleich dazu, klingt der Versuch wohlmeinender Gutmenschen, den Besuchern von Volksfesten und Karnevalsveranstaltungen Mineralwasser als Spaßdroge zu empfehlen geradezu rührend.

Im Großen und Ganzen kann man die Menschheit wahrscheinlich in drei Kategorien einteilen. Den Trinkern, den Nichttrinkern und den früheren Trinkern. Bei den Nichtrinkern sind die meisten Jugendlichen bis zum eintritt der Pubertät mit zu zählen... Am meisten fallen die früheren Trinker auf. Sie verhalten sich meistens, wie Leute, die gerade mal fünf Kilo abgenommen haben und nun allen Umstehenden ganze Abende durch die Aufzählung ihrer diversen Diäten kaputt machen. Ein früherer Trinker wird, vergleichbar mit den früheren Rauchern, zum flammenden Missionar seiner Sache, überzeugt, dass diese seine neue Lebensweise die ganze Menschheit retten wird. Mindestens. Wie die meisten Renegaten bemerken sie allerdings nicht, dass eigentlich niemand gerettet werden will und alle Umstehenden sich eher peinlich berührt abwenden. Klar, teilweise aus schlechtem Gewissen, aber auch weil es einfach nervt andauernd an seine eigene liederliche Lebensweise erinnert zu werden. Manchmal frage ich mich, ob Mama Elefant oder Papa Affe den anderen Artgenossen in ihrer jeweiligen Sprache auch derart erbauliche Vorträge halten. Oder haben uns die Tiere in dieser Hinsicht doch etwas voraus und lassen sich gegenseitig mit ihren Räuschen in Ruhe? Konrad Lorenz, wo bist du, wenn wir dich brauchen?

Eine ganze Riege von Psychologen und Soziologen haben schon lange und langatmige Abhandlungen über das Recht des Menschen am Rausch verfasst. Was wiederum nichts anderes als eine patente Umgehung der Anrufung diverser Götter und ihrer Riten ist, denn seit den Zeiten der Aufklärung scheint das nicht mehr so ganz à la mode zu sein. Fest steht auf jeden Fall, dass es unsere Mitbewohner dieser schönen Erde immer wieder geschafft haben dieses vermeintliche Geburtsrecht durch zu setzen. Was immer diejenigen, die es angeblich besser wissen, unternehmen werden: Die Gelegenheiten sich die Kante zu geben, werden bestimmt nicht weniger, aber vielleicht werden irgendwann die Erklärungen dafür besser.

PS:Schon peinlich, wenn einem so was passiert... http://www.cad-plots.de/FunnyBeerCommercial.wmv läuft unter dem Begriff „Schönsaufen“.


tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirenbänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.



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Kontaktinformationen:
tomas nittner
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