


Boulevard
München/Gauting, 17.11. 2008 08:35
Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Der P-Faktor, oder lasst sie doch zuschauen
Schon vor Jahren stand er in der Beliebtheit an der Spitze aller Statistiken von Suchmaschinen, die damals noch gar nicht Google hießen. Es ist nicht anzunehmen, dass sich diese Bevorzugung seit dem geändert hätte. Nichts kann ihn aus der ewig gültigen Bestseller-Liste des Internets verdrängen: Weder Börsennachrichten (nicht mal in Zeiten des allgemeinen, weltweiten Wehklagens), noch das Wetter, keine Gesundheitstipps oder Gebrauchtwagen-Märkte, ja noch nicht einmal der Fußball können seine marktführende Stellung gefährden. Der P-Faktor ist der All-Time-Winner-Takes-It-All weltweit.Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Der P-Faktor, oder lasst sie doch zuschauen
Was der P-Faktor denn ist? Fängt mit S an und hört mit X auf. Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt noch an die Zeiten, als man jede Menge Strategien entwickeln musste, um in den zweifelhaften Genuss des einschlägigen Materials zu kommen. Zweifelhaft steht hier allerdings nur für die Qualität in Bild, Wort und (für die ganz Mutigen und Geldverschwender) Film, die in den meisten Fällen von Amateuren für Amateure mit mangelndem Selbstbewusstsein hergestellt wurden. Mit etwas mehr Zivilcourage hätten sie den Produzenten ihre atemberaubend miesen Produkte um die Ohren gehauen! Mit Freuden erinnert man sich an die flüchtigen Seitenblicke – könnte ja sein, dass ein Verwandter/Bekannter gerade um's Eck' kommt – oder die allgegenwärtige Sonnenbrille, bevor sich die Masters of Universal Sexdrive in die einschlägigen Läden drückten um mit gesenkten Blicken (ja kein Augenkontakt mit einem der Opfergefährten!) und so schnell wie schlecht das Ansichtsmaterial ihrer jeweiligen Präferenzen zusammen zu raffen, um sich dann ganz, ganz schnell wieder in der Menge draussen zu verstecken. Die Plastiksackerln, in denen das heißbegehrte Druckgut verpackt wurde, war selbst verständlich undurchsichtig blickdicht, in dunklem Kackbraun oder schwarz, meist noch mit abstrakten, goldenen Mustern verziert. Aah, tempi passati!
Damals besorgte man sich das Nötige noch unter Einsatz von Todesmut und Missachtung jeder eingebildeter bürgerlicher Wohlanständigkeit. Eigentlich schade, dass man heute nur noch den Rechner an werfen muss, um das innere Schweindl zu befriedigen, ohne den Inneren Schweinehund zu überwinden. Andererseits hat dieser Wandel wahrscheinlich dazu beigetragen jede Menge von Beendigung von Ehen oder eheähnlichen Verbandelungen wenigstens hinaus zu zögern. Heutezutage weiß doch schon fast jeder elektronische Vollidiot (also Leute wie ich) wie man blitzschnell einen Bildschirmschoner oder ein unverfängliches Arbeitsdokument über die laufenden Vergnügungen zu legen.
Tut mir Leid für all die netten kleinen Läden mit der stillen, sich möglichst unauffällig gebenden Kundschaft, deren Einkäufe gerne von Schlagern der siebziger Jahre unterlegt wurden. Aber ich finde es für die Bedürftigen doch wesentlich angenehmer, sich Einschlägiges über ihre Breitbandverbindungen holen zu können. Alles drin in der Flatrate und manchmal kann man ja vielleicht sogar die Lebensgefährtin für das meist harmlose Vergnügen interessieren. Und die Kinder, die armen verführbaren Jugendlichen höre aus dem Unterholz... Nu ma ganz ehrlich: Wie ich im betroffenen Alter war, lag (wenn’s hoch kam) gerade mal „Die Schönheit im olympischen Kampf“ von der notorisch „unpolitischen“ Leni Riefenstahl rum, wo man ein paar Nackerte mit züchtig verhüllten primären Geschlechtsorganen sehen konnte. Ganz nebenbei, eine Sprache der Dichter und Denker, die Wortungetüme, wie primäre Geschlechtsorgane hervorbringt, kann doch eigentlich nicht so richtig ernst nehmen... Mit sehr viel Glück hatte man einen älteren Spezl, der einen Stoß unscharfer Schwarz/Weißfotos, angeblich aus dem sündigen Paris, hatte. Diese gingen dann durch viele Bubenhände, am Ende war fast nichts mehr zu erkennen. Mit anderen Worten: Wir hatten es schwerer, als unsere Nachkommen, aber kamen auch an die heiß begehrte Information. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass unsere behütete Jugend durch den Genuss silikonveredelter Damenkörper und dazu passenden Herren emotional und psychisch auf die schiefe Bahn kommen wird. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Erklärungsbedarf für die Erwachsenen größer geworden ist. Und auf Erklärungen in diesem Fachgebiet wurde zum Beispiel bei meiner Erziehung völlig verzichtet.
Fazit: Die Welt kommt nicht zu einem zähneknirschenden Halt, bloß weil sich die Leute vor’m Rechner einen von der Palme wedeln. Auch bei dieser Freizeitbeschäftigung gilt die Maßhalteregelung des guten Epikur. Von zuviel Schokoriegeln wird man dick, aber von zu viel Onanieren wachsen einem keine Haare in den Handflächen, geschweige denn, dass die galoppierende Gehirnerweichung darauf zurück zu führen ist. Tun sie es nicht zu oft, aber dafür besser.
PS: Als kleine Einweihung in die Produktion eines entsprechend-ansprechenden Films schauen sie doch mal http://www.cad-plots.de/porndub.mpg hier rein.
tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirenbänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.
Bildunterschrift:
tomas nittner
Kontaktinformationen:
tomas nittner
Wessobrunner Straße 4
82131 Gauting
+49-(0)89-791 68 86
+49(0)171-796 74 27
http://www.nittner-arts-painting.de
Drucken der Pressemitteilung

