Boulevard
München/Gauting, 14.04. 2010 04:38
Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand
Hund und Katz, Maus und Kuh, raus bist du
Die Tierliebe in diesem unseren Lande soll ja legendär sein. Es ist anzunehmen, dass in so ziemlich jedem deutschen Haushalt das eine oder andere Tier seines kleinen Lebens fristet und wenn‘s auch nur eine putzige kleine Kakerlake ist. Die Tierfuttermittelindustrie scheint sich jedenfalls bester Gesundheit zu erfreuen, was man von vielen ihrer Verbraucher nicht so ganz ohne Weiteres sagen kann. Allerdings müssen wir hier gleich einen deutlichen Trennstrich einführen, zwischen Haustier und Nutztier. Erstere sind die erklärten Lieblinge der Nation, während Letztere reine Industrieprodukte sind, die meist nur mit den Attributen „saftig“ oder „frisch“ auf den Markt kommen.
Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Mir sind die meisten Tiere am liebsten in einer guten Rotweinsoße, wenn ich sie schon mal ab und zu Teil meines Speiseplans mache. Es ist mir aber immer wieder ein großes Vergnügen, Hundehalter mit ihren Lieblingen in Speiselokalen zu beobachten. Da wird die kleine Töle abgeknutscht bis das Essen kommt, worauf man sich mit größtem Vergnügen dem Verzehr einer mittleren Schweinsstelze oder eines klodeckelgroßen Schnitzels widmet. Klein-Fifi (Lulu, Pluto, Putzi et al) sitzen währenddessen ziemlich neurotisiert unter dem Tisch und warten auf übrig gebliebene Spezereien vom Tisch des Herrn. Oder sie verrichten - aus reinem Protest - ihre Notdurft unter‘m Bankerl. Da lobe man sich unsere Nachbarn auf der Südseite des Brenners. Politisch ist ja in letzter Zeit nicht sehr viel Positives rüber gekommen, aber im Gegensatz zu unseren Gefilden, sind bei ihnen Kinder im Lokal höchst willkommen, während Haus- und Schoßtiere draußen bleiben müssen.
Spaß macht auch die galoppierende Vermenschlichung der kleinen Lieblinge. Da werden Hunden und Katzen humane Fähigkeiten angedichtet, über die jeder Tiermediziner nur den Kopf schütteln kann. All das Gewese um die Anhänglichkeit dieser Tiere ist im besten Fall leicht amüsant, im schlimmsten einfach nervtötend. Merke: Ein Hund oder eine Katze oder ein Meerschweinchen hat nur zwei Imperative in seinem kleinen Leben - zu überleben, sprich zu fressen und sich fortzupflanzen , Punkt. Da die Natur und ihre Geschöpfe gelehrig sind (siehe Charles Darwin für weitere Informationen), kapieren die Viecherln sehr schnell, wem und wie sie den dazu gehörenden Menschen um den Bart oder andere Körperteile streichen müssen, um eine erfolgreiche Überlebensstrategie zu entwickeln. Alles andere ist Beiwerk. Selbst mehr oder weniger gut gemeinte Erziehungsversuche führen bei Vierbeinern am Schnellsten zum Erfolg, wenn am Ende der Übungsrunde das so genannte „Leckerli“ steht. Am Schönsten sind allerdings die zahlreichen Hundebesitzerinnen, die mit ihren haarigen Herzibopperln wie mit Kindern reden: „Daphné, ich hab‘ dir jetzt schon viermal gesagt, du sollst aufhören an den Schuhen von dem netten Herrn rum zu knabbern“. Kleiner Tipp: Daphné würde sofort und nachhaltig auf einen geworfenen Schlüsselbund reagieren, der hinter ihr auf den Boden knallt.
Es wird allerdings berichtet, dass niedliche oder hübsch anzusehende Hunde den Flirtfaktor in Parks eindeutig erhöhen können. Es soll sogar Männer (nicht unbedingt und immer Junggesellen), die sich sogar bereitwillig zum Gassigehen zur Verfügung stellen, um auf diese Art ihre Jagdgründe erfolgreich zu erweitern. Dass die kleine Kreatur (ansonsten auch gerne als Hundsvieh bezeichnet) nichts zu Hause petzen kann, dürfte ein nicht zu vernachlässigender Vorteil sein. Man sollte nur aufpassen, dass die neue Eroberung nicht zu nahe an das Tier rankommt. Längeres Schmusen mit dem kleinen Racker könnte diesem eine völlig andere und der Besitzerin fremde Duftmarke verpassen, was zu Unannehmlichkeiten führen dürfte.
Um noch einmal auf die oben genannten Nutztiere zurückzukommen: Selbstverständlich haben Schnitzel, Schweinsbraten und Konsorten nicht das Geringste mit streichelfähigen Tieren zu tun und können deshalb mit ruhigem Gewissen verspeist werden.
(Kleiner Hinweis für den Tierschutzverein: Keinem Tier wurde in der Herstellung dieses Artikels Schmerzen zugefügt.)
Bildunterschrift:
tomas nittner
tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirebänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.
Kontaktinformationen:
Wessobrunner Straße 4
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