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München/Gauting, 28.07. 2008 07:33

Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand

Ehrlich währt am längsten

Alles Viagra, oder was? Es ist doch immer wieder bezaubernd zu beobachten, wie Männer meines Alters sich wissentlich zum Deppen machen. Wie ein Journalist kürzlich so treffend charakterisierte, laufen sie entweder komplett in schwarz oder in angesagten Jeans und T-Shirts rum, haben die unvermeidliche Umhängetasche lässig über die Schulter, Bart und Haare auf strenge drei Millimeter zurück gestutzt und vergessen vor lauter Terminen im Fitness-Studio, Schwimmbad oder ihrem „Personal Trainer“ (scheinbar der Beichtvater unserer Tage) völlig ihr Leben zu leben.

Da bauscht sich die Volksseele auf wegen Kokain, Shit oder Designerdrogen; die wahren Suchtis scheinen unsere Erfolgsmodelle in Wirtschaft, Werbung, Marketing und Mode zu sein. Zwischen Viagra, Prozac, Haarwuchsmitteln, Uppers und Downers, Yoga, Rolfing, Zen und Kompanie gibt es scheinbar keinen Quadratzentimeter Mensch mehr, das nicht durch irgendein Wundermittelchen noch verbessert werden kann. Bei den relativ Jungen nennt sich das wahrscheinlich Optimierung des Potentials. Bei den Leuten meines Jahrgangs heißt das dann „Golden Agers“ oder ein ähnlicher Schwachsinn. Die Jungen neiden den Alten die Kohle und die Alten den Jungen den Sex und Rock n’Roll. Und so dreht jeder sein Schräuberl des Neides.

Tom Wolfe schrieb einmal vom Jahrmarkt der Eitelkeiten. Heute haben wir die Generation Eitelkeit und die geht von 18 bis 99. Wahrscheinlich wird es bald wieder Mode werden, offene Särge zu inszenieren (was übrigens die wirkliche echte Bedeutung des ach so beliebten „Public Viewing“ ist), um jedem zu zeigen wie jugendfrisch der oder die teuere Verblichene noch da liegt. Da bemühen sich Millionen von Zellen im menschlichen Körper ihrer evolutionsgewollten Geschichte gerecht zu werden, nämlich nach circa 30 Tagen abzusterben und Platz zu machen, nur dieser unersättliche Mensch versucht sie mit aller Gewalt daran zu hindern. Wer das ergreifende Schauspiel sich schminkender Männer schon einmal miterlebt hat, weiß wovon ich rede... Und das sind beileibe nicht nur unsere Geschlechtsgenossen aus der rosa Liga, oder wie die verschiedenen politischen Gruppierungen heutzutage heißen. Besser, heißer, schneller, schöner ist die Devise und fast alle hecheln dem Karussell im Dauerlauf hinterher.

Da lob ich mir doch den guten alten Epikur, der leider immer noch als Apologet jeder sexuellen Sauerei des Planeten herhalten muss. Da haben die meisten wieder nicht aufgepasst, denn der weise alte Mann sprach vor allem von der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes der menschlichen Möglichkeiten und der Mäßigung in allen Dingen, gerade um in den Genuss von Sinnlichkeit und Wohlempfinden zu kommen. Natürlich kannte er noch nicht die Segnungen der Pharmaindustrie und das Diktat heutiger „Life-Style-Magazine“; er hätte sich wahrlich mit ironischem Lächeln und einigen sparsamen passenden Bemerkungen abgewandt und sich in den Frieden seines Gartens zurück gezogen.

Aber Epikur war gestern, heute leben wir bis zum Anschlag und wenn’s der Körper nicht mehr hergibt, gehört man halt zu den „Living Dead“! Da wird natürlich gerne Darwin zitiert – und seit Urgedenken falsch interpretiert. Der Gute sprach nämlich vom „Survival of the Fittest“, was in der korrekten Übersetzung das Überleben des Bestangepassten und nicht des Stärksten heißt.

Das Einzige, was wir da kapiert haben ist die Sache mit der Anpassung. Jeder, der versucht von diesem Ringelspiel abzusteigen, wird gnadenlos in die Tonne gehau’n. Aber ich denke mal, das hat auch damit zu tun, dass sich keiner traut eine wie immer geartete andere Meinung kundzutun. Könnte ja sein, dass man dadurch, wie beim „Mensch-Ärger-Dich-Nicht“ einfach übersprungen wird, oder wie bei Monopoly eine Runde aussetzen muss und nie wieder den Anschluss kriegt. Das mag zwar auf den ersten Blick betrüblich sein, aber wahrscheinlich ist es in der Quintessenz besser.

PS: Das beiliegende Filmchen http://www.cad-plots.de/honestlove.mp4 ist mal ein wirklich es Fanal in Richtung „Ehrlich währt am längsten“.



tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirenbänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.


Bildunterschrift:
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Kontaktinformationen:
tomas nittner
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