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München/Gauting, 18.05. 2009 04:10

Speakers Corner - Meinungen ohne Sinn und Verstand

Wer eine Reise tut, brauch für den Spott nicht sorgen

Die Zeiten sind noch gar nicht so lange her, da war reisen noch Luxus und Abenteuer, Aufbruch ins Ungewisse oder das große Versprechen des Neuartigen. Aus, vorbei, perdu. Ich glaube kaum, dass es heute noch irgendjemand gibt, der nicht sofort von allen möglichen unliebsamen Vorstellungen geplagt wird, wenn er nur das Wort „Reise“ hört. Da die diesjährige Reisezeit ja bald wieder eingeläutet wird, wäre es vielleicht an der Zeit, sich ein paar unliebsame Gedanken über das Thema zu machen; vielleicht schreckt dann der eine oder andere im letzten Moment noch davor zurück... Obwohl, das ist wie mit dem Sport und dem allgemeinen Gesundheitswahn, da traut sich ja auch fast keiner auszuscheren.

Erinnert sich noch jemand? Früher gab es mal die „Bildungsreise“. Goethe fuhr nach Italien, mit Postkutsche und Ochsenkarren, Johann Gottfried Seume schaffte es sogar zu Fuß von Rostock nach Syrakus. Heute ist eine Bildungsreise zumeist ein sechsmonatlicher Aufenthalt bei einer spießigen Gastfamilie in einem gottverlassenem Nest in den USA, allerdings mit Familienanschluss! Die vorzüglich Kulturbeflissenen buchen eine Reise zu dem Museum von Florenz oder was auch immer, bei einschlägigen Reisebüros. Daraufhin verbringen sie zwei zauberhafte Wochen in Begleitung sauertöpfischer Studienräte in Altersteilzeit, die alles besser wissen und möglicherweise den Einheimischen noch versuchen beizubringen, was echte Lebensart sein kann. Die Bildung findet auf der Speicherkarte der allzeit präsenten Digitalkameras statt. Braucht man auch, um allen Freunden und glückselig Daheimgebliebenen beim, ach so, beliebten Bildervortrag nebst Schnittchen und Sangria, die Vorteile des eigenen kulturellen Vorrangs zu demonstrieren. In den achziger Jahren war das schon unter dem Begriff „Diaabend“ einer der bestgehassten Veranstaltungen, die so manche lange Freundschaft zum Versiegen bringen konnte.

Soweit zu Bildung und Kultur. Nicht viel besser sieht‘s für den Flugreisenden aus, geschäftlich oder zum Vergnügen, ist völlig egal. Als erstes sollte man sich an den Gedanken gewöhnen, dass man erst mal als potenzieller Selbstmordattentäter und angehender Terrorist angesehen wird. Wobei die Beweispflicht des Gegenteils immer noch bei ihnen liegt. Ich finde es schlicht einen Eingriff in meine persönliche Integrität und verweigere schon seit Jahren jegliche Flugreise. Wobei das ja nur der Anfang des Vergnügens ist. Es gibt meines Ermessens nach kein Verkehrsmittel, das in so vergleichbar kurzer Zeit zur menschenschindenden Galeere mutiert ist. Aber natürlich, wenn man für knapp 850 Euro zwei Wochen nach Thailand möchte, bleibt einem wahrscheinlich nichts anderes übrig. Also nimmt man in Kauf mit Hunderten Ignoranten in einem hässlichen Teil zu nehmen, verzehrt Nahrungsmittel, die nun wahrlich nichts mit Gesundheitswahn zu tun haben, geht das Risiko gröberer Thrombosen ein und muss sich am Ende dieser Strapazen auch noch anhören, wie die komplette Touristenschar nach der Landung anfängt zu klatschen. Und dann tritt man ins Freie und erwartet Sommer, Sonne, weiße Strände. Kaum aus dem eisgekühlten Flieger raus, wird man von 35 Grad im Schatten (und das ist ein kühler Tag) und 99% Luftfeuchtigkeit empfangen. Der Strand war nur auf dem Foto im Reisebüro weiß, das einzige was zutrifft ist, dass Alkohol überall gleich widerlich schmeckt. Natürlich geht‘s auch anders, aber nicht zu dem Preis, den die meisten Zeitgenossen bereit sind, zu zahlen.

Jetzt kommt die Stunde unserer so beliebten Umweltschützer, die immer ein gutes Wort für die Eisenbahn auf den Lippen haben. Das Erstaunlichste bei diesem Verkehrsmittel ist, dass es bis heute keine Nation (mit Ausnahme der Schweizer) geschafft hat, Züge auf die Reise zu schicken, die sauber, pünktlich und komfortabel sind. Ich hoffe, ich mache nicht der Fremdenfeindlichkeit schuldig, wenn ich sage, dass meine Erfahrungen mit Eisenbahnen auf den verschiedensten Kontinenten teilweise noch ein bisserl katastrophaler als in Deutschland waren. Ende dieser Alternative, da es wahrscheinlich müßig ist, auf weitere grausame Details einzugehen.

Ja, bleibt nur das Auto und die allseits beliebten Wohnwagen und Wohnmobile. Es gehört natürlich ein gerüttelt Maß Masochismus und Selbstverachtung dazu, sich stundenlangen Staus auf den verschiedensten Autobahnen unseres schönen Europas hinzugeben. Aber dafür wird man bei der Ankunft durch das Grauen der diversen Campingplätze, auf denen man notgedrungenermaßen nächtigen muss, vollends entschädigt.

Womit eigentlich alle Möglichkeiten der Alltagsflucht kurz angerissen sind, aber das macht ihre Urlaubsplanung bestimmt auch nicht besser.

PS: Wenn sie sich diesen Film http://cad-plots.de/HavingaBadDay.wmv anschauen, sagen sie nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!


tomas nittner ist bildender Künstler, Grafiker und Autor. Seine Ausbildung genoss er an der Accadèmia di Brera in Mailand und an der Hochschule für Gestaltung, Abteilung Visuelle Kommunikation, in Ulm. Er war Mitarbeiter bei Otl Aicher für die Gestaltung der Olympischen Spiele in München 1972. Er hat ein Drittel seines arbeitenden Lebens im Ausland verbracht: Italien, Schweiz, Frankreich, Mexiko, USA. Als Grafiker hat er für namhafte Firmen im Bereich Corporate Design gearbeitet. In der bildenden Kunst stellte er in Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland und den USA aus. Als Autor war er an verschiedenen Satirenbänden beteiligt und verfasst laufend satirische Texte, aber auch Werbetexte sind ihm nicht ganz fremd.
tomas nittner ist böhmisch-österreichischer Herkunft, in der Zwischenzeit eingemeindet.


Bildunterschrift:
tomas nittner

Kontaktinformationen:
tomas nittner
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