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Lausanne, 31.05. 2006 09:59
ENS 2006: Europäische Neurologentagung versammelt 2.200 Experten in Lausanne
Forscher präsentieren neue Daten über die enorme Verbreitung von Kopfschmerz Experten kritisieren: Migräne wird zu häufig nicht erkannt
Lausanne, 31. Mai 2006 - Die weite Verbreitung von Spannungskopfschmerz und Migräne erfordere es, dass diesen Leiden mehr Aufmerksamkeit in der Forschung und Behandlung gewidmet werde. Besonders Migräne-Patienten müssten oft unnötig leiden, weil ihre Erkrankung nicht korrekt diagnostiziert würde, kritisierten Wissenschafter auf der Jahrestagung der Europäischen Neurologengesellschaft.
In Lausanne (Schweiz) findet derzeit der 16. Kongress der European Neurological Society (ENS) statt. Bei dieser wichtigsten europäischen Tagung aus dem Bereich der Neurologie werden die wichtigsten Trends und Highlights der neurologischen Forschung und Therapie präsentiert.
Spannungskopfschmerz: 92 Prozent der Frauen leiden zumindest gelegentlich
Aktuelle Daten zur Verbreitung von Spannungskopfschmerzen präsentierte in Lausanne eine norwegische Forschergruppe um Prof. Dr. Michael Bjorn Russell von der Akershus Universitätsklinik in Oslo. Für die Analyse benutzten sie das dänische Zwillingsregister, insgesamt 33.764 Zwillinge erhielten einen Kopfschmerz-Fragebogen, der von knapp 85 Prozent beantwortet wurde.
Spannungskopfschmerzen sind weit verbreitet, wie die breit angelegte Untersuchung zeigt: Insgesamt berichteten 86 Prozent der Befragten, im vergangenen Jahr zumindest einmal an Spannungskopfschmerz gelitten zu haben, Frauen mit 92,5 Prozent deutlich öfter als Männer mit 78,9 Prozent. Zwei Drittel der Befragten (63,5 Prozent) haben das Problem gelegentlich, immerhin fast ein Viertel (21,6 Prozent) häufig. Ein interessanter Aspekt, so die Wissenschafter: "Die Häufigkeit von Spannungskopfschmerzen steigt bei beiden Geschlechtern vom Jugendalter bis zum 39. Lebensjahr massiv an und geht dann wieder langsam zurück."
Die massive Verbreitung der Beschwerden müsse Konsequenzen haben, fordert Prof. Russell: "Die Forschung und das Management von Spannungskopfschmerzen brauchen viel mehr Aufmerksamkeit als dies bisher der Fall ist."
Migräne: Dreimal mehr Frauen betroffen, mehr als ein Drittel der Patienten nicht diagnostiziert
Die Ergebnisse ihrer Migräne-Bevoelkerungsstudie präsentierten beim ENS Dr. Hannelore Neuhauser und ihre Kollegen vom Robert-Koch-Institut und von der Abteilung fuer Neurologie an dre Universitaetsklinik Charite in Berlin (D). Wie beim Spannungskopfschmerz gibt es offenbar auch bei der Migräne einen "Risikofaktor Frau": 15,6 Prozent der befragten Frauen und 5,3 Prozent der Männer leiden an Migräne, 56 Prozent der Betroffenen hat die Schmerzen an mehr als 20 Tagen im Jahr.
Der weiten Verbreitung des Leidens stehe allerdings eine unzureichende Versorgung der Patienten gegenüber, kritisierte Dr. Neuhauser: "Nur 42 Prozent der Migraene-Patienten haben im letzten Jahr überhaupt aerztliche Hilfe gesucht, und davon wiederum nur 11 Prozent bei einem Neurologen." Auch mit der Diagnosestellung sieht es nicht gut aus: Bei 37 Prozent der Betroffenen wurde die Krankheit nicht erkannt. "Diese Diagnoserate ist unbefriedigend", kritisierte Dr. Neuhauser. "Hier muss das Bewusstsein bei den Patienten und auch bei ihren Behandlern verbessert werden, denn nur dann können auch alle Betroffenen von den heute verfügbaren wirksamen Therapien profitieren."
Kontaktinformationen:
B&K - Bettschart&Kofler Medien und Kommunikationsberatung
Mag. Roland Bettschart
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