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Wien, 23.08. 2004 10:16


Fehlende Stern-Vibrationen rütteln Astronomie auf

Messungen eines kanadisch-österreichischen Teams stellen AstronomInnen vor
ein Rätsel. Erwartete Oberflächen-Phänomene, die Informationen über den
Aufbau von Sternen liefern sollten, konnten mittels Satelliten-gestützter
Messungen nicht nachgewiesen werden. An der Qualität der in NATURE
veröffentlichten Daten besteht kein Zweifel - der Satellit misst mit
unerreichter Präzision. Damit stellt das vom Wissenschaftsfonds FWF
unterstützte Kooperationsprojekt des Instituts für Astronomie der
Universität Wien und der University of British Columbia in Kanada aber das
Verständnis über den Aufbau von Sternen in Frage.


Seit über 25 Jahren ist das Phänomen bekannt: Auf der Sonnenoberfläche
vibriert das Gas. AstronomInnen nutzen diese Vibrationen, um Erkenntnisse
über den Aufbau der Sonne zu gewinnen. Erstmals konnte jetzt Prof. Werner W.
Weiss und sein Team vom Institut für Astronomie, Universität Wien, gemeinsam
mit KollegInnen aus Kanada derartige Messungen unter Nutzung eines
kanadischen Mikrosatelliten an einem anderen Stern durchführen. Diese
lieferten aber keinen Hinweis auf Oberflächen-Vibrationen - entgegen aller
Ergebnisse erdgestützter Untersuchungen und vorheriger Berechnungen.

"Good Vibrations" der Sterne
Das Interesse von AstronomInnen an Oberflächen-Vibrationen erläutert Prof.
Weiss folgendermaßen: "Es klingt paradox, aber die Oberflächen-Vibrationen
verschaffen uns Erkenntnisse über das Sterneninnere. Ähnlich wie die
Seismologie durch das Messen von Erdbeben-Wellen den Aufbau der Erde
erforscht, analysiert die junge Disziplin der Astroseismologie
Oberflächen-Vibrationen der Sterne, um Informationen über ihren Aufbau zu
ermitteln." Dabei nutzt man die von den Vibrationen verursachten
Schwingungen, die in das Sterneninnere wandern, wo sie reflektiert und an
die Oberfläche zurückgeworfen werden. Auf ihrem Weg werden die Schwingungen
aber in Abhängigkeit von der Beschaffenheit der Umgebung verändert. Dies ist
messbar und liefert indirekt Informationen über das Sterneninnere.

Oberflächen-Vibrationen können aber nicht direkt gemessen werden. Daher
messen AstroseismologInnen die minimalen Änderungen der Leuchtintensität,
die durch diese Vibrationen verursacht werden. Neuestes Werkzeug ist dabei
der von Prof. Jaymie Matthews (University of British Columbia) koordinierte
kanadische Mikrosatellit MOST (Microvariability and Oscillations of Stars).
Dieser misst in 820 km Höhe über der Erde die Leuchtintensität entfernter
Sterne. Dazu Prof. Weiss: "Für die Messungen von Licht ist unsere
Erdatmosphäre wirklich hinderlich. Sie wirkt wie ein Filter. MOST umgeht
dieses Problem mit einem Teleskop, das Messungen aus dem Weltraum erlaubt.
Dadurch erreichen wir mit einem Fernrohrdurchmesser von 15 cm bei einem
hellen Stern eine höhere Messpräzision als mit einem 8 m-Teleskop von der
Erde aus." Tatsächlich bestätigten Kontrollmessungen die Präzision des
Satelliten-Teleskops, dessen Daten auch in einer Wiener Bodenstation
empfangen werden, die von der Austrian Space Agency finanziert und von der
Technischen Universität Wien entwickelt wurde.

Widersprüchliche Ergebnisse = Neue Fragen
Ein erstes Ziel für Messungen von MOST war Procyon, ein Stern, der von der
Erde aus gesehen nahe des Sternenbilds Orion liegt. Für diesen lassen sieben
unabhängige Messungen von der Erde aus sowie theoretische Berechnungen
vibrationsbedingte Schwankungen der Lichtintensität von mindestens 0,002 %
erwarten ­ kein Problem also für MOST, der Schwankungen bis zu 0,0003 %
messen kann. Doch trotz aller Präzision konnten für Procyon keine
Oberflächen-Vibrationen in dem erwarteten Ausmaß festgestellt werden. Prof.
Weiss: "Dieses Ergebnis hat interessante Konsequenzen für die Astronomie.
Wahrscheinlich ist, dass andere Gasbewegungen, die durch
Temperaturunterschiede an der Sternenoberfläche verursacht werden, ein
Störsignal bewirken, das unsere Messungen überlagert. Dann wären unsere
Daten ungemein wertvoll für zukünftige Messungen. Es kann aber auch sein,
dass wir unsere Modellrechnungen überdenken müssen." AstronomInnen wären
dann gefordert, das derzeitige Wissen über den inneren Aufbau von Sternen
kritisch zu hinterfragen. Gerade dass junge Spezialbereiche wie die
Astroseismologie die Grundlagen eines Wissenschaftsgebietes in Frage stellen
und damit vorantreiben, bestärkt den FWF in seiner Entscheidung,
Kreativität, Qualität und Innovation als wichtigste Förderkriterien
anzusehen.

Bild und Text ab Montag, 23. August, 09.00 Uhr MEZ unter:
http://www.fwf.ac.at/de/press/sterne.html


Originalpublikation: "No stellar p-mode oscillations in space-based
photometry of Procyon."

NATURE, Vol 430, 1 July 2004, S 51 - 53


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Kontaktinformationen:
Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Werner W. Weiss
Institut für Astronomie
Türkenschanzstr. 17
A-1180 Wien
T +43 / 1 / 4277 518-70
E weiss@astro.univie.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt W
eyringergasse 35
A-1040 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40-36
E bernhardt@fwf.ac.at

Aussender:
PR&D - Public Relations for Research & Development
Campus Vienna Biocenter 2
A-1030 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at


Wien, 23. August 2004

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Ulrike Unterberger
Assistentin

PR&D - Public Relations for Research & Development

T +43 1 505 70 44
F +43 1 505 50 83
E unterberger@prd.at

Campus Vienna Biocenter 2
A 1030 Vienna, Austria

http://www.prd.at
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