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Pressemitteilung übermittelt von directnews. Für den Inhalt dieser Pressemitteilung ist allein das berichtende Unternehmen oder die berichtende Institution verantwortlich. direct/FAZ: Interview Oliver Bierhoff, Manager der Fußball-Nationalmannschaft "Lehmann darf sich nichts mehr erlauben" Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff über den Torwart-Krach, Vetternwirtschaft und "Killer" Klinsmann Als neuer Manager der Fußball-Nationalelf steht der 36 Jahre alte Oliver Bierhoff neben Bundestrainer Jürgen Klinsmann für den Neuanfang beim Deutschen Fußball-Bund. Der Streit um die Torhüterposition zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann sowie der Rücktritt von Sepp Meier als Bundestorwarttrainer sind erste große Herausforderungen für den ehemaligen Nationalspieler, der seine Karriere im Jahr 2003 in Verona beendet hatte. Bierhoff absolvierte 43 Länderspiele und wurde 1996 Europameister. Frage: Wie lebt es sich als Helfer des "Killers"? Antwort: Über diesen von Lothar Matthäus eingeführten Begriff über Jürgen Klinsmann kann ich nur noch schmunzeln. Wenn man Erfolg haben will, ist es wichtig, daß man seine festen Vorstellungen durchzieht. Seit Jahren reden wir doch alle davon, daß sich im deutschen Fußball etwas ändern muß. Wir sind die Anfangsveränderungen zügig angegangen, und das ist auch richtig so, weil man dadurch die Voraussetzungen schafft, um sich vom neuen Jahr gedanklich vollkommen auf den Sport konzentrieren zu können. Frage: Klinsmann hat Osieck als Assistenten abgelehnt, dann folgte die Degradierung Skibbes, der Rauswurf von Nationalmannschaftsmanager Pfaff und nun mußte Torwarttrainer Maier gehen - was danach mit Löw, Eilts und Köpke kam, klingt nicht nur für den FC Bayern nach einem "friends und family"-Programm. Antwort: Wer Erfolg haben will, denkt nicht an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für seine Freude. Der Erfolg der Sache ist für uns das wichtigste. Aber es ist natürlich von Vorteil, wenn ich die neuen Leute kenne, sie schätze und weiß, wie sie ticken und welche Einstellung sie haben. Jürgen war ja lange in Amerika. Wir haben einander gemailt und auch telefonisch Kontakt gehabt. Seit er 1998 weggegangen ist, sind wir uns allerdings höchstens zehnmal begegnet - bewußt haben wir uns nur zweimal getroffen. Das ist keine enge Freundschaft - und so ist es auch mit Joachim Löw, Dieter Eilts und Andreas Köpke. Wichtig ist allerdings, daß untereinander ein Vertrauensverhältnis besteht, und das gibt es bei uns. Jeder Bundesligatrainer nimmt doch auch seinen Kotrainer mit, mittlerweile oft auch schon den Konditions- und Torwarttrainer. In Italien verpflichtet man auch das gesamte Trainergespann. Ich denke, man sollte das wie ein kleines Unternehmen sehen, das man wie eine Agentur verpflichtet. Frage: Im Torwartstreit fordern Sie nun eine Haltung der Konkurrenten auf der Basis von "Respekt und Achtung" - was kann sich Lehmann noch an Sticheleien und Oliver Kahn an Forderungen erlauben? Antwort: Jens Lehmann darf sich nichts mehr erlauben. Oliver Kahn hat sich eigentlich immer zurückgehalten. Die Spitzen kamen immer von Jens - teilweise mit der Begründung, daß er sich wegen Sepp Maier verteidigen mußte. Jens hat jetzt keine Entschuldigung mehr, wenn er noch einmal irgendetwas sagen sollte. Darüber habe ich mit ihm auch gesprochen. Ich denke, er hat es verstanden. Jens darf nur noch über seine eigene Leistung reden - und nicht über die seines Konkurrenten. Aber auch Kahn und Timo Hildebrand müssen ganz genau aufpassen, was sie in den Medien sagen. Denn es gilt für die Torhüter dasselbe wie für alle anderen Spieler. Die Torleute haben sich so zu verhalten wie etwa Torsten Frings, Frank Baumann und Fabian Ernst. In dieser Frage gibt es keine Sonderstellung. Frage: Halten Sie es für möglich, daß am Ende Timo Hildebrand bei der WM im Tor steht, weil Lehmann und Kahn die Nerven verlieren? Antwort: Alle drei werden das professionell angehen. Frage: Gefühllosigkeiten im Stil von Unternehmenssanierern sind dem DFB nicht nur fremd, sondern suspekt - vor allem wenn der Bundestrainer im August 2006 nicht mehr Klinsmann heißen wird. Antwort: Ich sehe das anders. Zunächst: Wem haben wir denn wirklich weh getan? Ganz sicher Sepp Maier und Bernd Pfaff, die jetzt nicht mehr direkt bei der Nationalmannschaft sind. Das ist uns menschlich sehr schwer gefallen. Nach der WM 2006 aber wollten beide aufhören, da hätte sich ohnehin viel verändert - und wir mußten nach vorne schauen. Wenn Jürgen und ich jetzt sagen, wir denken nur bis 2006, bedeutet das doch nicht, daß damit auch die Strukturen, die wir schaffen, 2006 wieder verschwinden. Der Posten des Nationalmannschafts-Manager etwa war doch überfällig - und auch das Büro für die Nationalmannschaft. Frage: Der FC Bayern hat sich zunächst demonstrativ auf die Seite der neue Führung der Nationalelf gestellt. Jetzt kündigt Manager Hoeneß nach dem Rauswurf an, "den eigenen Mann" Oliver Kahn zu schützen. Kommt ihnen da im Torwartstreit etwa ein mächtiger Helfer abhanden? Antwort: Ich glaube nicht. Es ist doch richtig, wenn Vereine versuchen, die Interessen ihrerer Spieler zu wahren. Uli Hoeneß hat die Entscheidung mit Maier in der Sache verstanden, auch wenn er mit der Wahl Köpkes nicht zufrieden ist. Er hat aber auch diese Entscheidung im Gespräch mit mir akzeptiert. Im übrigen ist es nicht unser Ziel, jeden Bundesligavereinen zufriedenzustellen, wenn wir etwas verändern. Frage: Hoeneß spricht von "Vetternwirtschaft" - wohl auch deshalb, weil in der neuen Führung nun gar niemand mehr ist, der eng mit dem FC Bayern in Verbindung steht. Ziemlich empfindlich, oder? Antwort: Ich habe von ihnen keinen Beschwerdeanruf erhalten. Die Bayern müssen auch nicht alles unterstützen. Wenn es nicht unter die Gürtellinie geht, kann jeder seine Interessen vertreten. Aber Vetternwirtschaft gibt es bei uns nicht. Bei der Besetzung der Stelle im Nationalmannschaftsbüro bin ich etwa auch gefragt worden, ob ich nicht jemanden dafür kenne. Ich sagte nur: "Um Gottes Willen. Ich will niemanden nennen. Das ist doch nur von Nachteil." Frage: Erst rumorte es im DFB und einigen Bundesligaklubs, jetzt beim FC Bayern - sehen Sie sich bei so viel Widerstand aus den unterschiedlichsten Motiven auf dem richtigen Weg? Antwort: Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und ich besitzen gegenüber den Bundesligaklubs eine große Neutralität. Die Vereine wissen auch, daß wir nur die Nationalelf im Auge haben. Frage: Sind jetzt alle Steine rumgedreht und ist der DFB auseinandergenommen, wie es Klinsmann vor seinem Amtsantritt verkündete - oder sind noch nicht alle Bedingungen so, wie Sie es sich wünschen? Antwort: Vielleicht kommt noch was an Veränderungen. Wir diskutieren darüber, beispielsweise über einen Mental- und Schnelligkeitstrainer. Aber da lassen wir uns Zeit. Was Jürgen zu Beginn sagte, war natürlich ein bißchen provokant, klar. Aber es geht doch bei den Reformen nur um die Nationalelf, nicht um die interne Arbeit des DFB mit seinen Ausschüssen. Frage: Südtirol, Sylt und Berlin statt immer nur Leverkusen - sind das für Sie die optimalen Standorte vor und während der WM 2006? Antwort: Über den Ort selbst haben wir noch nicht gesprochen - aber es ist angedacht, daß wir in der Vorbereitung auf das Turnier ins deutschsprachige Ausland gehen. Dann werden wir nach Deutschland wechseln und dort vielleicht nur ein einziges Quartier nehmen. Denn der Aufwand als WM-Gastgeber mit dem Medientroß ist enorm - auch wenn ein Quartierwechsel als neuer Zielpunkt sinnvoll sein kann. Frage: Sind Sie überhaupt noch zu Kompromissen bereit, nachdem DFB-Präsident Mayer-Vorfelder schon zart von Leverkusen abrückt und die sportliche Führung stärkt? Antwort: Wir müssen schon Kompromisse machen - die Asienreise etwa paßt sportlich nicht so rein, aber der DFB hat eben gewisse Verpflichtungen im Zuge der WM-Vergabe. Aber wenn die WM 2006 näher kommt, muß die sportliche Leitung ein ganz gewichtiges Wort mitsprechen. Das ist auch in Gesprächen mit Theo Zwanziger ganz klar geworden. Das Gespräch führte Michael Horeni. Kontaktinformationen: Christiane Moravetz Frankfurter Allgemeine Zeitung Tel.: 0049 (0)69-75 91-14 29 E-Mail: cvd@faz.de
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