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Gutachten zu Bildung und Erziehung in Tageseinrichtungen Bundesministerin Renate Schmidt: Auf den Anfang kommt es an - die besten Startchancen für Kinder! Der Ausbau der Kinderbetreuung ist eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Vorhaben der Bundesregierung in der 15. Legislaturperiode. In diesem Bereich liegt Deutschland im internationalen Vergleich erheblich zurück. Bis 2010 sollen schrittweise die Standards vergleichbarer Länder Europas erreicht werden, was Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern angeht. Trotz der schwierigen Haushaltslage stellt die Bundesregierung für den Ausbau von Angeboten für die Kleinsten künftig jährlich bis zu 1,5 Mrd. Euro bereit. Der Ausbau der Ganztagsschulen wird mit einem Investitionsprogramm von insgesamt 4 Mrd. Euro gefördert. Heute stellten in Berlin die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, und Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP), München, das Gutachten \"Perspektiven zur Weiterentwicklung des Systems der Tageseinrichtungen für Kinder in Deutschland\" vor. Dieses neue Gutachten von Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt, bekräftigt die Dringlichkeit von Ausbau und Verbesserung der Kindertageseinrichtungen. Prof. Dr. Fthenakis präsentiert in dieser umfassenden Form erstmalig quantitative und qualitative Vorstellungen zur Weiterentwicklung des Systems der Tageseinrichtungen für Kinder. Das Gutachten stammt aus dem Kontext der \"Nationalen Qualitätsinitiative\", in der seit Ende 1999 die Mehrzahl der Bundesländer sowie Experten und Expertinnen mit dem Bundesministerium zusammenarbeiten, um pädagogische Qualität und Qualitätskriterien im Elementarbereich für die bis sechsjährigen Kinder zu definieren. Ob Menschen sich für Kinder entscheiden oder nicht, ist nach Erkenntnissen der OECD in besonderer Weise eine Frage der Betreuung, d.h. eine Frage der Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt. Der Ausbau der Kinderbetreuung ist deshalb nicht nur mit erheblichen sofortigen Aufwendungen für Länder und insbesondere Kommunen verbunden, sondern mittelfristig eine Investition von hohem volkswirtschaftlichem Ertrag. Die Ausweitung der Kinderbetreuung trägt auch entscheidend zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien bei: der Zugang zu Kindertageseinrichtungen erhöht die Chancen von Kindern auf eine umfassende Bildung und Erziehung. Er unterstützt individuelle Lebensplanungen, verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt und wirkt damit langfristig negativen Partnerschaftsentwicklungen im Familienalltag entgegen. Nicht zuletzt verhindert die mögliche Erwerbstätigkeit beider Elternteile Familien- und Kinderarmut. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, erklärt dazu: \"Kinder brauchen familiäre Zuwendung, Verlässlichkeit und Ordnung, Regeln und Disziplin. Kinder brauchen die Einbettung in Beziehungen, sie brauchen andere Kinder zum Spielen und Lernen. Kinder brauchen Chancengerechtigkeit und damit ein vielfältiges und förderndes Angebot. Es sind die Startchancen in den ersten sechs Lebensjahren, die in großem Maße über den späteren Lebensweg und die Lebenskarrieren entscheiden. Deshalb gehört die frühkindliche Förderung und Erziehung ins Zentrum der Gesellschaftspolitik. Viele Kinder erhalten zu spät eine systematische Förderung, sie weisen Entwicklungsrückstände auf Grund ihrer sozialen Herkunft auf. Nirgendwo sonst entscheidet die Herkunft so sehr wie bei uns über den künftigen Bildungsabschluss. Deshalb ist der Zugang möglichst aller Kinder zu Betreuung mit Qualität so entscheidend. Tageseinrichtungen sind keine \'Verwahranstalten\', sondern wichtige Orte der frühkindlichen Förderung. Der Elementarbereich ist die erste Stufe im Bildungsverlauf. Die Eigenständigkeit des Elementarbereichs im Verhältnis zu den anderen Bildungsstufen muss gewahrt werden. Dabei geht es nicht um eine zeitliche Vorverlegung der Schulbildung. Die frühkindliche Förderung muss sich in erster Linie daran orientieren, was Kindern gut tut, was ihrem Alter und ihren Bedürfnissen entspricht. Vorhandene Talente können sich nur entfalten, wenn sie auch frühzeitig erkannt und weiterentwickelt werden. Gute Betreuung bietet Kindern pädagogische Förderung, die die Erziehung der Eltern ergänzt und Bildungsangebote über das Elternhaus hinaus eröffnet. Wir sehen im internationalen Vergleich: Überall dort, wo die Angebote in guter Qualität und in ausreichendem Umfang für Kinder aller Altersgruppen vorhanden sind, schneiden die Kinder sowohl bei der schulischen Leistungsfähigkeit wie auch beim sozialen Verhalten besser ab als in Deutschland. Eine Reform, die wesentliche Verbesserungen bringen soll, muss von allen Beteiligten der Politik auf den unterschiedlichen Ebenen und von den gesellschaftlichen Gruppen getragen und gefördert werden, auch von der Wirtschaft. Es gibt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, es gibt eine gemeinsame Verantwortung. Die einzelnen Bundesländer sind dabei, Bildungs- und Erziehungspläne für den Elementarbereich zu entwickeln. Sie kommen in ihren Ergebnissen zu vielen Übereinstimmungen. Eine gemeinsame Verständigung erscheint vor diesem Hintergrund möglich. Als zuständige Bundesministerin will ich diesen wichtigen Prozess unterstützen: * Durch inhaltliche Impulse, Gutachten, den (neuen) Kinder- und Jugendbericht * Gezielte Modellversuche zeitgemäßer Organisationsformen, in denen familienorientierte Angebote gebündelt werden, zum Beispiel analog zu den britischen Early Excellence Centres. * Durch Evaluationsmaßnahmen zur Qualität - gemeinsam mit den Bundesländern im Rahmen der \'Nationalen Qualitätsinitiative\' * Durch Konsultationen mit wichtigen Partnern: Bundesländern und Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen, Wirtschaft und Gewerkschaften ab November. Hier ist Dringlichkeit geboten, denn einen zeitlichen Verzug können wir uns nicht länger leisten: Es ist die Förderung unserer Kinder, die unsere gemeinsame Zukunft sichert.\" Das von Prof. Dr. Fthenakis erstellte Gutachten kommt zu zehn zentralen Schlussfolgerungen, die als Leitlinien Orientierung geben können für eine mittel- und längerfristige Weiterentwicklung der Tageseinrichtungen für Kinder: 1. Frühkindliche Förderung umfassend verbessern Vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse der Bildungsforschung und der Entwicklungspsychologie, die die zentrale Bedeutung der ersten sechs Lebensjahre herausstellen, wird deutlich, in welchem Maße derzeit Entwicklungschancen von Kindern in Deutschland ungenutzt bleiben. Die bei der PISA-Studie erfolgreich abgeschnittenen Länder haben sich diese Erkenntnis zueigen gemacht. Auch in Deutschland muss frühkindliche Förderung den anderen Bildungsbereichen im Stellenwert gleichgestellt werden, ohne eine Verschulung von Kindheit einzuleiten. 2. Kindertageseinrichtungen auf westeuropäisches Niveau ausbauen Es wird ein zeitlich flexibles Angebot benötigt, das sowohl den Bedürfnissen der Kinder entspricht als auch den Alltagsrealitäten von Eltern, die erwerbstätig sein wollen. Mit Blick auf die bislang unbefriedigende Situation der Tagesbetreuung in Deutschland wird der weitere quantitative Ausbau des Systems der Tageseinrichtungen dringend empfohlen. Als mittelfristige Ausbauziele werden ein Platzangebot für 20 bis 30 Prozent der Kinder unter 3 Jahren und für mindestens 40 Prozent der Schulkinder im Alter bis zu 14 Jahren genannt. 3. Gemeinsame Bildungs- und Erziehungsstandards entwickeln Spielerische Lernformen kennzeichnen das Verständnis früher Bildung. Kinder brauchen auch vor der Einschulung eine bestmögliche Förderung. Das Spektrum der kognitiven und sozialen Förderbereiche in Kindertageseinrichtungen muss umfassend sein. Bildungsstandards, die gemeinsam entwickelt werden müssen, sind wichtige Grundlagen für die Bildungs- und Erziehungspläne der Länder, die ausbaufähig und evaluierbar angelegt sein sollten. 4. Pädagogische Qualität steigern Strukturelle Qualitätsaspekte wie Gruppengröße, Betreuungsschlüssel und Qualifikation der Fachkräfte sind bedeutsam. Lern- und Entwicklungschancen hängen jedoch auch maßgeblich von der Qualität der sozialen Beziehungen und Prozesse ab, die zwischen Fachkräften und Kindern und jeweils untereinander bestehen. Im Rahmen der \'Nationalen Qualitätsinitiative\' werden Verfahren zur Selbst- und Fremdevaluation erprobt, die breite Anwendung finden sollten. 5. Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf früh integrieren Für Kinder mit besonderen Bedürfnissen müssen spezifische Förderangebote bereit gehalten werden. Gute Ergebnisse zeigen sich in integrativen Einrichtungen, die Kinder mit Behinderung und Entwicklungsrisiken aufnehmen und die durch regelmäßige Diagnostik und Präventionsarbeit sowie Einzelförderung und Kleingruppenarbeit fachlich unterstützt werden. Bei Migrantenkindern muss die Sprachförderung die Entwicklung systematisch und unter Einbezug der Eltern von Anfang an begleiten. 6. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft realisieren Eltern tragen für die Erziehung ihrer Kinder die vorrangige Verantwortung. Tageseinrichtungen erfüllen einen von den Eltern übertragenen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Eltern und Fachkräften sollen zu neuen weitergehenden Formen der Mitbestimmung der Eltern und zu mehr aktiver Mitarbeit beitragen. Die Tageseinrichtungen sollten auch wesentlich stärker als Orte für Angebote der Elternbildung genutzt werden. 7. Einrichtungen eltern- und kinderfreundlich organisieren Krippe, Kindergarten und Hort in ihrer bisherigen Form sind noch Einrichtungen des 20. Jahrhunderts. Für das 21. Jahrhundert werden neue Formen benötigt, in denen vielfältige Angebote für Kinder, Angebote für Eltern sowie Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Fachkräfte unter einem Dach miteinander verbunden sind. Es geht darum, den Bildungsverlauf insgesamt in den Blick zu nehmen. Ein Vorbild können die Early Excellence Centres aus England mit ihrer übergreifenden Förderungskonzeption und ihren festen Kooperationsbeziehungen sein. Die Entwicklung von Bewältigungsstrategien für Übergänge im kindlichen Bildungsverlauf (z.B. vom Kindergarten in die Schule) kann positive Effekte haben 8. In die Professionalisierung der Fachkräfte investieren In Anlehnung an die meisten EU-Länder bedarf es in der mittelfristigen Perspektive der Anhebung des Niveaus der Erzieherausbildung auf Fachhochschul- bzw. Universitätsniveau mit einem modernen, auf eine Erzieherbiographie ausgerichtetes Gesamtkonzept der Professionalisierung. Um Fachkräften in der Praxis eine akademische Nachqualifizierung zu eröffnen, sind berufsbegleitende Weiterbildungsprogramme aufzulegen, vorerst primär für Leitungen. 9. Staatliche Steuerung verändern Nicht dass, wohl aber wo die Zuständigkeiten für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Regierungen gebündelt sein sollen, wird zu klären sein. Von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Standards zum Bildungs- und Erziehungsauftrag, zur Professionalisierung der Fachkräfte oder zu Bau und Ausstattung lassen sich heute zumindest nicht mehr wissenschaftlich begründen. Eine länderübergreifende Verständigung ist nötig. Auf lokaler Trägerebene ist ein Abbau von zu starren Regelungen möglich, der auch das Verhältnis zu den Eltern durch Abschluss von Bildungs- und Erziehungsverträgen rechtlich neu konzipiert. 10. Knappe Mittel optimal einsetzen Generell ist nach Lösungen zu suchen, die zu effizienterem Mitteleinsatz und zur Budgetanhebung führen. Im internationalen Vergleich und im nationalen Bildungsstufenvergleich sind in Deutschland der Elementar- und Primarbereich deutlich unterfinanziert. Der hohe Stellenwert der frühkindlichen Förderung und der hohe volkswirtschaftliche Nutzen erfordern es, innerhalb der öffentlichen Haushalte umzuverteilen. Kontaktinformationen: Beate Moser Pressesprecherin und Leiterin Pressereferat Dienstgebäude: Taubenstraße 42/43 10117 Berlin Telefon: (0 30) 206 55 - 10 61 Telefax: (0 30) 206 55 - 11 11 E-Mail: presse@bmfsfj.bund.de Leonie Gebers Stellvertretende Pressesprecherin Dienstgebäude: Taubenstraße 42/43 10117 Berlin Telefon: (0 30) 206 55 - 10 62 Telefax: (0 30) 206 55 - 11 11 E-Mail: leonie.gebers@bmfsfj.bund.de Christine Mühlbach Pressereferentin Dienstgebäude: Taubenstraße 42/43 10117 Berlin Telefon: (0 30) 206 55 - 10 62 Telefax: (0 30) 206 55 - 11 11 E-Mail: christine.muehlbach@bmfsfj.bund.de
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