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Kinowelt Filmverleih präsentiert einen Film von Francesc Bellmunt RALF KÖNIGS LYSISTRATA Kinostart: 16. Dezember 2004 nach dem gleichnamigen Comic von Ralf König, erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag Regie: Francesc Bellmunt Drehbuch: Francesc Bellmunt Kamera: Julián Elizalde Schnitt: Jaume Martí Musik: An der Beat Produzenten: Francesc Bellmunt, Llorens Olivé Darsteller: Maribel Verdú, Juan Luis Galiardo, Javier Gurruchaga www.kinowelt.de Kinospielfilm, 35 mm, 89 Minuten, Scope, Dolby Digital, Spanien 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 2 Originaltitel: LISISTRATA, Spanien 2002, Eine Produktion von Fair Play Films und A. Llorens Olivé P.C. Stab Regie Francesc Bellmunt Drehbuch Francesc Bellmunt, nach dem Comic „Lysistrata“ von Ralf König, 1987 erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag Produzenten Francesc Bellmunt, Llorens Olivé Ausführender Produzent Ramon Tello, Marc Martí, Antoni Badimon Kamera Julián Elizalde Schnitt Jaume Martí Szenenbild Josep Rosell Kostümbild Antonio Belart Musik An der Beat Besetzung Gisel-la Kreen Besetzung Lysistrata Maribel Verdú Hepatitos Juan Luis Galiardo Lampito Cristina Solana Harpix (Hefklos) Eduardo Antuña Potax (Sülzos) Antonio Belart Ajax (Ohropax) Javier Gurruchaga Mirrine (Myrrhine) Tete Delgado General Incognitos Carles Flavià RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 3 Synopsis 411 vor Christus. Sparta und Athen bekriegen sich seit 30 Jahren. Um dem sinnlosen Kampf ein Ende zu setzen, besetzen die Athenerinnen unter Führung von Feministin Lysistrata die Akropolis. Sie verweigern sich ihren Männern sexuell, und zwar so lang, bis endlich Frieden geschlossen wird. Hepatitos, Anführer der schwulen Gemeinschaft Athens, nutzt die Gunst der Stunde und überzeugt die Armee von der „Zwangshomosexualität“, um angestaute Hormone abzubauen und wieder kampffähig zu werden. Nach anfänglicher Skepsis finden mehr und mehr Athener Gefallen am schwulen Liebesspiel, doch den Frauen entgeht natürlich nicht, daß ihr Plan zu mißlingen droht. Der spanische Regisseur Francesc Bellmunt verfilmte mit großem Aufwand, amüsanter Besetzung und viel Humor Ralf Königs Comic „Lysistrata“ – eine Neuinterpretation frei nach der Komödie von Aristophanes. Dabei sparte er nicht an historischen Schlachten und frivolen Szenen. Für die deutsche Synchronisation wurden namhafte Akteure wie Lilo Wanders, Monty Arnold und Peer Augustinski gewonnen. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 4 Inhalt Wir schreiben das Jahr 411 vor Christus. Der Krieg zwischen Sparta und Athen vernichtet seit 30 Jahren die Vorräte, Finanzen und Menschenleben beider Städte. Die lesbische Frauenaktivistin Lysistrata hat genug davon. Sie schart um sich die Frauen Athens und holt zum Gegenschlag aus. Über Nacht besetzen die Athenerinnen mit dem Kampfschrei „Frauenpower“ die Akropolis und verkünden den verdutzten Männern ihre Entscheidung: Von nun an würden sie sich ihren Liebhabern, Gatten und sonstigen Männern sexuell verweigern und sich zurückziehen, bis die verfeindeten Städte Frieden schließen. Auch in Sparta waren die Frauen nicht untätig. Dort sorgt Lampito, Lysistratas Freundin, für ebenfalls leere Ehebetten und volle Verweigerung. Die Männer sind machtlos und die Wirkung läßt nicht lang auf sich warten. Nicht nur, daß sie bald verwahrlosen – schließlich macht niemand ihre Wäsche und keiner kocht für sie – ihre Triebe machen den Athenern zu schaffen. Orientierungslos und mit monströsen Erektionen irren die Männer durch beide Städte. Schließlich kommt es auch zu ersten Übergriffen: Wie wild fällt ein Gemüsehändler über seine Kundin her. Die Frauen sind erschüttert und setzen Lysistrata ein Ultimatum: Wenn nach zwei weiteren Wochen Sexstreik kein Friede herrscht, geben sie auf. Auch die Männer sind in Zugzwang, schließlich kann man mit erigierten und völlig verwirrten Soldaten keinen Krieg führen. Eine Lösung muß her. Der Transvestit Hepatitos hat auf so eine Chance lange gewartet. Verkleidet als Sexualexperte und mit einer geschickten Argumentation bewaffnet, überzeugt er das Militär von einer „Zwangshomosexualität“. Miteinander sollen sich die heterosexuellen Männer abreagieren und so auch ihren schwulen Mitbürgern gegenüber um einiges offener sein. Und siehe da: schon bald finden die Heteros Gefallen an dieser Idee. Gemeinsam mit Domestos, dem anbetungswürdigen Vertreter der Spartaner Schwulen wird eine große Party gefeiert auf den „Siegeszug des Schwulseins“. Auch auf dem Schlachtfeld zeigt die „Zwangshomosexualität“ Wirkung. Statt sich zu bekriegen, finden die Männer zueinander. Doch den Frauen entgeht diese Sabotage nicht. Getarnt gehen Lysistrata und Lampito auf Erkundung und stellen Hepatitos zur Rede. Der ist überzeugt, das Richtige getan zu haben. Ein Friede scheint greifbar und wird von beiden Heerführern schon im Schlafgemach diskutiert und auch Hepatitos hat sein Familienglück gefunden, indem er die Mutterposition einer streikenden Frau eingenommen hat. Lysistrata ist ratlos. Wird es Frieden geben? Werden sich wieder heterosexuelle Verhältnisse einstellen? Oder ist Lysistratas Plan einfach mal kolossal in die Toga gegangen? Im überraschenden Finale hat auch Göttervater Zeus noch ein Wörtchen mitzusprechen ... RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 5 Knubbelnasen und Lederbären! – Verfilmungen von Ralf Königs Comics LYSISTRATA ist bereits die vierte Kino-Adaption eines Stoffes von Ralf König. 1994 verfilmte Sönke Wortmann Königs erfolgreiches Comicbuch DER BEWEGTE MANN für Olga Film und die Constantin Filmproduktion. Die prominent besetzte Komödie wurde mit über 6,2 Millionen Zuschauern einer der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten, manifestierte Wortmanns Ruf als Hitregisseur und verhalf dem Darstellertrio Katja Riemann, Til Schweiger und Joachim Król zum ungeahnten Karriereschub. Zudem konnte DER BEWEGTE MANN an den US-amerikanischen Kassen einen Achtungserfolg verbuchen und räumte beim 45. Deutschen Filmpreis ab (Filmband in Gold für Film, Regisseur Sönke Wortmann und Darsteller Joachim Król). 1996 folgte mit KONDOM DES GRAUENS von Martin Walz (Ascot Film+Fernsehproduktion, ECCO Film) eine umstrittene Kinoversion eines König- Comics. Zwar konnten prominente Darsteller wie Udo Samel, Peter Lohmeyer, Iris Berben, Hella von Sinnen und Meret Becker gewonnen werden, ein Millionenhit wollte sich jedoch nicht einstellen. Immerhin sahen sich aber mehr als 433.000 Zuschauer die effektgeladene Komödie an. Danach blieb es eine Weile ruhig an der Ralf-König-Filmfront. Bis 2002 Sven Unterwaldt jr. die Realverfilmung des Comics WIE DIE KARNICKEL mit Michael Lott und Sven Walser in den Hauptrollen für Achterbahn Verlag und Eichborn AG realisierte. Constantin brachte den Film ins Kino. Stellare Erfolge blieben aus, doch respektable 355.000 Zuschauer und gute Kritiken waren der Lohn. Nicht im Kino, dafür auf einem attraktiven Sendeplatz auf Sat.1 lief die Serie BEWEGTE MÄNNER, eine Lizenzserie zu DER BEWEGTE MANN. Oliver Berben und Herman Weigel produzierten die erste Staffel für Sat.1, moovie und Constantin Film, Michael Zens führte Regie. Ausgestrahlt wurde die 13teilige Serie ab 25.April 2003. Die Hauptfiguren Axel und Norbert werden von Michael Härle und Oliver Muth gespielt. Die zweite Staffel, ebenfalls 13 Folgen, ist vom gleichen Team 2004 abgedreht worden und befindet sich nun in der Postproduktion. Francesc Bellmunts LYSISTRATA hat gute Chancen sich in die erfolgreiche Liste von Ralf König-Verfilmungen einzureihen. Quelle Zahlen: blickpunkt:film RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 6 Die Darsteller Maribel Verdú (Lysistrata) „Wir, die Frauen von Athen, haben einen Eid geschworen. Niemand, kein Ehemann, kein Liebhaber mit einer Erektion darf sich uns nähern. Ihr werdet brennen im Inneren, aber wir werden eurer Begierde nicht nachgeben.“ (Lysistratas Ansprache von der Akropolis) Die spanische Aktrice Maribel Verdú wurde am 2. Oktober 1970 geboren und dürfte noch in bester Erinnerung sein aus Alfonso Cuaróns Y TU MAMÁ TAMBIÉN (deutscher Start Mai 2002). Sie spielte Luisa, die mit den Teenagern Tenoch und Julio auf eine amouröse Reise geht. Zuvor hatte man sie 1999 in Carlos Sauras GOYA gesehen. Maribel Verdú hatte ihre Schauspielkarriere mit 13 Jahren begonnen und drehte Werbespots, bevor sie zum Fernsehen ging. Filmographie (Auswahl): 2003 JERICHO MANSIONS Regie: Alberto Scammia 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie: Francesc Bellmunt 2001 Y TU MAMÁ TAMBIÉN Regie: Alfonso Cuarón 1999 GOYA Regie: Carlos Saura 1999 EL ENTUSIASMO Regie: Ricardo Larrain 1995 BOCA A BOCA Regie: Manuel Gómez Pereira 1995 DEM HIMMEL SO NAH Regie: Alfonso Arau 1988 VIENTO DE CÓLERA Regie: Pedro de La Sota Juan Luis Galiardo (Hepatitos) „Dieser Krieg ist eine Plage, wie alle Kriege.“ (Hepatitos zu seinen Freunden Hefklos und Sülzos) Juan Luis Galiardo wurde am 2. März 1940 geboren. Seit seinem Filmdebüt 1961 wirkte er in mehr als 130 Spielfilmen mit und ist seit 1987 auch als Produzent tätig. Vor allem im Komödienfach fühlt er sich zu Hause. Juan Luis Galiardo spielte schon mehrfach unter der Regie von Altmeister Carlos Saura. Filmographie (Auswahl): 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie: Francesc Bellmunt 2002 VIVANCOS EL SUCIO III Regie: Albert Saguer 2002 EL CABALLERO DON QUIXOTE Regie: Manuel G. Aragon 1997 TANGO Regie: Carlos Saura 1967 STRESS ZU DRITT Regie: Carlos Saura RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 7 Javier Gurruchaga (Ajax/Ohropax) „Terrine! Was machst du denn da oben? Wurdest du entführt?“ (Ohropax zu seiner Gattin Terrine, als er sie inmitten der aufrührerischen Frauen entdeckt.) Javier Gurruchaga wurde am 12. Februar 1958 geboren. Er kann neben der Schauspielerei auf eine erfolgreiche Popsänger-Karriere zurückblicken. In vielfältigen Projekten stellte er sein komisches Talent unter Beweis und arbeitete mehrfach mit Regisseur Jose Luis Garcia Sanchez. Mit seinem LYSISTRATA-Kollegen Juan Luis Galiardo stand er schon 2002 in der Hitkomödie VIVANCOS EL SUCIO III von Albert Saguer gemeinsam vor der Kamera. Filmographie (Auswahl): 2003 LOS REYES MAGOS (Sprecher) Regie: Antonio Navarro 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie: Francesc Bellmunt 2002 VIVANCOS EL SUCIO III Regie: Albert Saguer 1997 SIEMPRE HAY UN CAMINO A LA DERECHA Regie: Jose Luis Garcia Sanchez 1988 BERLIN BLUES Regie: Ricardo Franco Antonio Belart (Sülzos) Antonio Belart spielt in LYSISTRATA seine erste Kinorolle. Zuvor hatte er als Kostümbildner, Produktionsdesigner und Art Director an verschiedenen Produktionen mitgewirkt, unter anderem 1997 an Francesc Bellmunts Komödie GRACIAS POR LA PROPINA (übersetzt DANKE FÜR DAS TRINKGELD). Auch bei LYSISTRATA zeichnete sich Belart zusätzlich für das Kostümbild verantwortlich. Filmographie (Auswahl): 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie: Francesc Bellmunt 2001 ATOLLERADO (Kostümbild) Regie: Óscar Aibar 1998 GENESIS (Produktionsdesign) Regie: Nacho Cerdà Eduardo Antuña (Hefklos) Eduardo Antuña ist in der Heimat ein populärer Komiker. Allein 2002 wirkte er in fünf Filmen mit. Den Freunden bösen Humors dürfte er noch als verwirrter STAR-WARSFan Charly aus Álex de la Iglesias rabenschwarzer Komödie LA COMMUNIDAD – ALLEIN UNTER NACHBARN in bester Erinnerung sein. Filmographie (Auswahl): 2003 ORO DE MOSCÚ Regie: Jesús Bonilla 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie: Francesc Bellmunt 2002 CARNE DE GALLINA Regie: Javier Maqua 2000 LA COMMUNIDAD Regie: Álex de la Iglesia RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 8 Der Stab Francesc Bellmunt (Regie, Drehbuch, Produktion) Francesc Bellmunt wurde am 1. Februar 1947 in der Nähe von Barcelona geboren. Sein Spielfilmdebüt absolvierte er 1970 mit CATHERINE. 21 weitere Spielfilme folgten, von denen LYSISTRATA als erster in Deutschland eine breite Kinoauswertung erfährt. Die Palette seines Schaffens reicht von Komödien über Thriller zu Dramen und Kurzfilmen. Meist ist Bellmunt auch als Autor beteiligt. Filmographie (Auswahl): 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie, Drehbuch, Produktion 1997 GRACIAS POR LA PROPINA Regie, Buch 1993 CLAVELITOS Regie 1988 UN NEGRO CON UN SAXO Regie, Idee, Buch 1985 RADIO SPEED Regie, Buch Julián Elizalde (Bildgestaltung) Filmographie (Auswahl): 2004 BUSINESS 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA Regie, Drehbuch, Produktion 2002 NINES RUSSES Regie: Pau Freixas RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 9 Gespräch mit Regisseur Francesc Bellmunt Wie kamen Sie auf die Idee, aus einem schwulen, deutschen Comic in Spanien einen Film zu machen? Zuerst muß ich sagen, daß Ralf sehr bekannt ist in Spanien. Zudem erinnere ich mich an die Wirkung, die Ralfs Comic auf mich hatte, als die USA 2001 weltweit eine Kriegsatmosphäre verbreitete. Ich las den Comic wieder und erkannte, daß er eine klare Antikriegs-Botschaft hat. Diese Ideen überdauerten mehr als 2000 Jahre ... Der Comic „Lysistrata” erschien in den 80er Jahren. Warum denken Sie, daß erst so spät eine Verfilmung in Angriff genommen wurde? Eine Filmversion von LYSISTRATA war keine todsichere Sache. Es ist riskant einen Film über die griechische Antike zu machen, vor allem wenn man nicht Brad Pitt in der Besetzungsliste hat. Aber man kennt es ja, das Schicksal sucht sich seine Zeiten. Warum haben Sie Ralf Königs satirische Version bevorzugt und nicht Aristophanes’ Original verfilmt? Um das Drehbuch zu schreiben, nutzte ich beide Vorlagen und auch einige Bücher über Aristophanes und seine Zeit. Es war dann schwer, die Grenzen zwischen beiden Autoren auszumachen. König hat Aristophanes´ Botschaft perfekt aktualisiert. Ich würde nicht grundsätzlich sagen, er hat den Originaltext von „Lysistrata“ ironisiert. Er respektiert den Humor und fügt einen modernen Blickwinkel hinzu, ohne den Kerngedanken zu verlieren. Für das Drehbuch mußten Sie Ralf Königs visuell erzählte Geschichte wieder in Worte umwandeln. War dies schwierig? Königs Erzählstil ist sehr cinematographisch, besonders die Struktur seiner Gags. Gemäß der Maxime „weniger ist mehr“ mußte ich einfach dem folgen, was Aristophanes und König mit so großem Talent geschaffen hatten. LYSISTRATA sieht mit seinen Kostümen und Sets aufwendig aus. Hatten Sie ein großes Budget zur Verfügung? Es ist ein aufwendiger Film, das stimmt. Doch eher aufwendig als teuer. Jeder im Team brachte genügend Enthusiasmus mit, um das Budget zu ergänzen. Haben Sie im Zuge der Vorbereitungen mit Autor Ralf König gesprochen? Wir hatten vor und nach dem Film Gespräche. Zu Beginn schickte er mir einen sehr ermutigenden Brief. Ralf schrieb mir später auch, daß er den fertigen Film mag und akzeptierte die kleinen Veränderungen, die ich gemacht hatte, wie zum Beispiel die Figur des Hepatitos. Im Comic ist er ein wenig Transvestit, im Film wird er zur großen „Transvestit-Mamma“ mit mediterranen Dimensionen. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis? Ja! ich wollte eine Antikriegs-Komödie im antiken Gewand machen, und das ist LYSISTRATA auch geworden. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 10 Wie reagierten Presse und Publikum in Spanien? Die lokalen Kritiker sind eigen. Die Verwendung expliziter Worte und extreme Situationen werden von ihnen immer gleich als kommerzielle Strategie gedeutet. Lesen Sie ein paar spanische Kritiken und Sie werden glauben, ich hätte Aristophanes’ Deppen erfunden. Ich denke, viele haben nicht begriffen, daß die Unterschiede zwischen gutem und schlechtem Geschmack, zwischen richtig und falsch sich heutzutage verändert haben. Und diese haben sich verändert durch Menschen wie Ralf König. Vor 2000 Jahren revolutionierte Aristophanes die Konzepte von Euripides’ Vision und stets kommt jemand Neues. Geschichte und Dialoge sind sehr nahe am Comic, nur im letzten Akt gibt es einige Änderungen, warum? Das Ende von Aristophanes’ „Lysistrata” ist sehr „positiv” und Königs Schluß furchtbar realistisch. Die Wahrheit läßt Lysistratas Pläne scheitern. Selbst Zeus, der Göttervater, ist ein chauvinistischer Macho-Bastard! Ich respektiere diesen Schluß, aber ließ ein wenig CASABLANCA in Lysistratas Text einfließen. Trotzdem erscheint der Schluß sehr hart und macht uns glauben, daß es keinen Ausweg gibt aus dem Patriarchat. LYSISTRATA ist ein Komödie, das Thema jedoch aktuell und ernst … … mit Sicherheit! Patriarchat und Krieg ziehen sich von Beginn an durch die Geschichte des Menschen. Aus welchem Grund haben Sie die Kämpfe so brutal gestaltet? Ich wollte beide Seiten des Geschehens zeigen. Die Ursache des ganzen Konfliktes ist der Krieg, und ich wollte ihn nicht verbergen oder nur über die Dialoge zeigen. Dieser blutige Krieg ist der metaphorische Kuß zwischen den Kriegern von Sparta und Athen. Wie, denken Sie, geht die Geschichte von Lysistrata und Lampito weiter? Das wäre ein schöner Gedanke, daß sie weiter geht, ich weiß nur nicht wie. Eine letzte Frage. Wie haben Sie die überdimensionalen Erektionen hinbekommen? Weniger ist mehr! Mit Vibratoren aus dem Sex-Shop. Gut, robust und billig. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 11 Die Synchronsprecher Lilo Wanders spricht Sülzos Lilo Wanders ist eine landesweit bekannte Kult- und Kunstfigur. Was auf der Bühne des Hamburger Schmidt-Theaters (welches Ernie Reinhard, Lilo Wanders’ bürgerliches Ego, mit ins Leben rief und betreibt) für die „Schmidt-Mitternachtsshow“ begann, entwickelte schnell ein erfreuliches und erfolgreiches Eigenleben. Seit 1994 präsentiert Lilo Wanders ironisch-souverän das VOX-Format „Wa(h)re Liebe“. Demnächst steht Wanders im selbst geschriebenen Stück „Die Mythomanin“ auf der Bühne. Zudem veröffentlichte Lilo Wanders mit „Gern hätt ich den Mann geküßt ...“ ihre erste Single. Filmographie (Auswahl): 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA (Synchro) Regie: Francesc Bellmunt 1995 ALICE UND COLIFRAGOR Regie: Jörg Fockele Gespräch mit Lilo Wanders Warum hast Du Dich entschieden, den Sülzos zu sprechen? Am liebsten hätte ich ja alle Rollen gesprochen, aber das geht nun mal nicht. Die Kollegen wollen auch etwas zu tun haben. Ich kenne den Comic schon seit Jahren, der ist ganz vergilbt und liegt bei mir auf’m Klo im Landhaus, und jeder amüsiert sich, wenn er das Örtchen aufsucht. Ich habe den Film geschaut und find ihn sehr hübsch. Aber natürlich sind die Schwulen nicht ganz so attraktiv, aber die Frauen sind dafür sehr schick und man sieht nackte Busen. Wird LYSISTRATA dem Comic gerecht? Ralf König wäre nicht dabei, wenn er nicht mit dem Ergebnis einverstanden wäre. Also ist das wohl alles in Ordnung. LYSISTRATA spielt mit Klischees des heterosexuellen und homosexuellen Zusammenlebens. Findest Du das Ganze gut getroffen? Das ist einfach eine witzige und Comic-hafte Idee. Aber es wäre ja grauenhaft, sich vorzustellen, es gäbe keine Heteros mehr. Aber LYSISTRATA ist sicher ein gutes Plädoyer für Toleranz und dafür, die Welt einmal durch eine rosafarbene Brille zu betrachten und nicht immer alles so ernst zu nehmen. Wäre doch schön, wenn man Kriege auf diese Art und Weise beenden könnte, aber das ist ja nun mal leider nicht so. Ich hab da politisch nichts dran auszusetzen. Der Film ist amüsant. Zitat Deiner Agentur Charis: „Lilo Wanders ist glamourös, gaga und hin und wieder ganz daneben.“ Wer oder was ist Lilo Wanders? Lilo Wanders ist per Definition eine heterosexuelle, energisch gepflegte Dame ohne Alter, die im Fernsehen „Wa(h)re Liebe“ präsentiert, zumindest noch bis Ende 2004. Ansonsten spielt sie auch Bühnenrollen, synchronisiert, zum Beispiel Dame Edna in den 90ern. Wenn es um’s Private geht, verschwindet sie im Nebel. Glamourös, gaga und ganz daneben – das habe ich vor mittlerweile zwölf Jahren mal aufgeschrieben, das trifft es natürlich nicht mehr. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 12 Ich bin inzwischen eine Figur des öffentlichen Lebens, und ich glaube, daß die Leute mich als jemanden empfinden, der sehr bodenständig, sehr wahrhaftig ist. Sie sehen mich kurioserweise als moralische Instanz, die im prominenten öffentlichen Leben steht und den Menschen sehr zugewandt, sehr zugeneigt ist. Also „ganz daneben“ bezieht sich höchstens darauf, daß ich ab und an mit oder ohne Absicht in eine dicke, große Fettbadewanne trete. Was macht Dich zur Expertin in Sachen Liebe und Sexualität? Diesen Stempel Expertin oder Sexpertin, den habe ich mir nie selber aufgedrückt, der kommt von außen. Ich dilettiere in meinem Leben genauso herum, wie alle anderen Leute, in Sachen Sexualität, Erotik und Liebe. Ich kann nur meinen gesunden Menschenverstand einsetzen, wenn Fragen an mich gerichtet werden. Primär sind wir aber ein Magazin, was über Events berichtet, über Pornodrehs, über Swinger-Clubs und so weiter. Dazu braucht man nicht unbedingt Experte zu sein. Man moderiert das an mit gewissem Abstand, um nicht davon aufgefressen zu werden und hat seinen Spaß dabei. Der Spaß dauert nun schon zehn Jahre. „Wa(h)re Liebe“ ist Kult und hat sich als einzige Sendung auf diesem Sektor so lange gehalten. Wie erklärst Du Dir das? Ich denke mal, daß diese mehr als zehn Jahre Laufzeit auf eine sehr saubere journalistische Arbeit der Redaktion zurückzuführen sind. Ich bekomme mein Briefing, moderiere, und ich glaube beide Aspekte machen den Erfolg aus: Diese etwas schräge Figur Lilo Wanders und eine Berichterstattung, die nie süffisant oder pharisäerhaft ist, sondern journalistisch rein und ordentlich, wenn auch mit gewissem ironischen Abstand. Warum nun ein Finale, wenn der Erfolg so groß ist? Ich habe vor Jahren auch an der Schmidt-Mitternachtsshow mitgearbeitet und da haben wir auch auf dem Höhepunkt nach vier Jahren gesagt: „So, nun laßt uns was anderes machen.“ Gerade jetzt bei dem Feierwahn um zehn Jahre „Wa(h)re Liebe“ kam dann die Frage: „Ja wie lange denn noch?“ Ich habe immer noch Spaß und noch nicht den Punkt erreicht, wo ich sage, „Oh Gott, heute ist Donnerstag.“ Diesen Punkt will ich auch nicht erreichen. Es kamen andere Angebote, und ich habe ein Theaterstück geschrieben, das ich gern spielen möchte. Also kam es zum Gespräch mit dem Sender, und es wurde beschlossen, langsam auszublenden, Fade Out. Sicher albern, beim Thema Sexualität davon zu sprechen, auf dem Höhepunkt aufzuhören, aber so isses. Auch auf Deiner Homepage dreht sich alles um Liebe und Sex. Die Homepage wird von meiner Redaktion betreut. Aber ich habe auch Zugriff, also wenn Fragen an mich direkt kommen, wo steht „Mensch Lilo, wie ist das..?“, dann antworte ich auch selbst. Außerdem habe ich einen Redakteur, der ganz in meinem Sinne arbeitet und sehr witzig ist. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 13 Bei der Synchronisation von LYSISTRATA triffst Du auf Monty Arnold, einen früheren Kollegen aus Zeiten des Hamburger „Schmidt-Theaters“. Monty ist im Schmidt-Theater öfter aufgetreten. Wir treffen uns öfter mal auf der Straße und im Café, und ich freu mich, wenn ich in der Werbung seine Stimme erkenne. Er hat ja einen beachtlichen Facettenreichtum in seiner Arbeit. Vom Theater zum Fernsehen zum Film – welche Ziele hat Lilo Wanders? Es war ja immer alles da. Ich habe eigene Stücke gespielt, bunte Abende mit Kollegen gemacht, Galen veranstaltet, Benefizveranstaltungen. In den letzen zwei Jahren habe ich ein Stück von Moritz Rinke gespielt, „Der graue Engel“. Das hat mir soviel Spaß gemacht, daß ich mir das nächste Stück selbst geschrieben habe. „Der graue Engel“ ist sehr schönes Theater, sehr ernst und die Komik kommt eher aus der Tragik, und jetzt habe ich mal ein wenig auf die Kacke gehauen und „Die Mythomanin“ geschrieben. Ich spiele Evelyn Künecke und singe auch, und es wird sehr witzig. Ich kannte Evelyn gut. Sie war das Vorbild für die Parodie Lilo Wanders. In sofern ist es eine Hommage und sehr witzig und böse. Es wird vier Aufführungen in Bremen geben und dann die Uraufführung in Berlin. Gibt es neue TV-Pläne? Wir entwickeln ein neues Format, wo das aber hinführt, kann ich noch nicht sagen. Ich finde das sehr spannend. Nichts bleibt, wie es ist, alles ändert sich, das Gute wie das Schlechte. Nur Stillstand ist ja wohl langweilig. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 14 Monty Arnold spricht Hefklos Monty Arnold wurde am 26. Juni 1967 in Mönchengladbach geboren. Nach seiner Ausbildung zum Druckformhersteller verdingte er sich als Cartoonist und Coverdesigner für einen Filmproduzenten. Mitte der 80er Jahre machte er mit Radioauftritten und Bühnenprogrammen in der freien Theaterszene Saarbrückens von sich reden. Die Shows „Monty Arnolds Kulturecho“, „Auf zu anderen Ufern“ und das Musical „Die Hölle unter Saarbrücken“ erfreuten sich großer Beliebtheit. Nach musikalischen und kabarettistischen Auftritten (auch am Schmidt-Theater auf der Reeperbahn) trat er erstmals als Filmschauspieler in DER BEWEGTE MANN auf. Seit 1992 gehört er zu den Stammgästen des „Quatsch Comedy Club“ von Thomas Hermanns. Zudem war er festes Mitglied der „Comedy Factory“ auf Pro 7. Zunehmend konnte er als Synchronsprecher Erfolge feiern – als ungelernter Schauspieler ist das in Deutschland nach wie vor eine Seltenheit. Er lieh dem Oberschurken in WERNER, DAS MUSS KESSELN ebenso seine Stimme, wie der Titelfigur im PC-Spiel „Abe’s Odyssee“ und Tinky Winky in der erfolgreichen Kindershow „Tele Tubbies“. Filmographie (Auswahl): 2002 RALF KÖNIGS LYSISTRATA (Synchro) Regie: Francesc Bellmunt 2003 CRAZY RACE Regie: Michael Keusch 1994 DER BEWEGTE MANN Regie: Sönke Wortmann Gespräch mit Monty Arnold Welchen Erfolg erwartest Du für LYSISTRATA? Ich weiß ja nicht, wann Sie, lieber Journalist, dieses Gespräch lesen, aber während wir hier miteinander reden, haben solche Filme doch gerade Konjunktur. Das ist doch genau der richtige Zeitpunkt dafür. Die Leute schauen sich doch andere Sachen als Hollywood-Mainstream an. Sie schauen Dokumentarfilme, sie schauen Komödien ... Also ist alles möglich! Du bist ein Allroundtalent, hast auf der Bühne begonnen. Musik und Comedy führten ins Fernsehen und zum Film. In welchem Medium fühlst Du Dich am wohlsten? Es war mir natürlich wichtig, deshalb habe ich ja den Beruf des auftretenden Komikers, Kabarettisten, wie man damals noch sagte, ergriffen, weil ich mich produzieren wollte und nicht privat, wie viele meiner Verwandten und Bekannten auf Festen und bei Busreisen. Ich wollte das anders loswerden und stieg lieber gleich auf die Bühne. Privat bin ich dann auch eher zurückhaltend, wie viele Komiker. Ich habe früher immer davon geträumt, Radio zu machen. Wobei es das Radio, wie ich es von damals kenne, gar nicht mehr gibt. Ich fühle mich sehr wohl im Tonstudio, im Atelier, ich arbeite sehr gerne mit dem Mikrophon, das macht mir tatsächlich viel Spaß. Da gibt es natürlich verschiedene Felder. Ob man nun Synchro macht oder Hörspiel, Werbung oder PC-Spiel. Und ich bin sehr gerne Synchronsprecher. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 15 In deiner Biographie fällt auf, daß Du häufig gemeinsam mit anderen Künstlern auftrittst und agierst. Bist du ein Team-Komiker? Sowohl als auch. Ich finde es ziemlich wichtig, daß klar ist, wer was zu tun hat. Ich bin ganz lange solistisch mit jeweils einem Pianisten unterwegs gewesen und war für alles verantwortlich. Ich habe alles selber geschrieben, hatte nie einen Regisseur und habe auch die Bookings selber gemacht. Ich habe sogar die Gästewohnungen organisiert. Das fand ich auch gut, weil das, was ich damals schrieb, funktionierte erst, wenn es vor dem Publikum war. Da war es wichtig, solistisch zu arbeiten. Das habe ich aber auch sehr lange gemacht und bin froh, jetzt in eine Produktion hineinzukommen und nur eine Aufgabe zu erfüllen und mir keine Sorgen machen zu müssen. Das finde ich auch sehr spannend. Das einzige, was ich schrecklich finde – und solche Produktionen hatte es in meinem Leben auch gegeben – wenn es heißt „Macht mal!“. Dann schwirren alle wie die kopflose Hühner durcheinander und schauten, welches am lautesten gackert. Ansonsten find ich Teamarbeit großartig, eine Arbeit, in der jeder seine Aufgabe hat – phantastisch. Kein Problem mit der Umsetzung fremder Ideen? Natürlich nicht. Ich kann ja nun nicht jeden Tag eine Oper schreiben. Ich bin auch Handwerker. Ich komme ins Studio, chinesischer Mandarin, 106 Jahre alt, in einem Opiumkeller, morgens um vier, dann mach ich das. Genau so. Und ich finde es wunderbar, Regieanweisungen zu befolgen, die Hand und Fuß haben. Bei Werbespots ist es oft gewünscht, daß ich mich einbringe in die Formulierungen. Bei PC-Spielen ist es häufig so, daß ich alles noch einmal auf die Sprechbarkeit redigiere. Ich kann mich aber auch zurückhalten. Du hast vielen Figuren Deine Stimme geliehen. Die bekannteste dürfte wohl Tinky Winky von den Tele-Tubbies sein, aber auch Vladimir in „Elviras Haunted Hills“. Was macht den Unterschied zu Deinen anderen Arbeiten aus? Worin liegt der Reiz, mit der Stimme zu arbeiten? Ich bin einer der Menschen, die vorrangig über die Ohren funktionieren. Ich kann mir Wege nicht merken, Gesichter vergesse ich sehr schnell, selbst wenn ich sie schön finde. Mit den Augen ist bei mir nicht viel los. Synchronsprechen ist auch ein Gesellschaftsspiel, dieses take-weise Arbeiten, mit Kollegen zusammen. Ganz kleine Dosen, von dem, was man den Tag über tut, fügen sich am Ende zusammen. Es tun sich natürlich andere Spannungen auf, als bei der Bühnenarbeit. Hier muß man es in kleinen Häppchen machen. Doch es ist ein sehr witziges Arbeiten, und man kommt ganz anders mit den Kollegen in Berührung als sonst. Das ist eine eigene Welt, die dort im Atelier entsteht. Ralf König ist für Dich kein Unbekannter. Du hast Deine Stimme für das Puppenstück „Das Kondom des Grauens“ geliehen, spieltest Deine erste größere Filmrolle in DER BEWEGTE MANN. Wir sind lange befreundet und sind beide unentwegt sehr fleißig. Daß wir beruflich zusammenkommen, ist nur sehr selten der Fall. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 16 Bei LYSISTRATA triffst Du auch auf Lilo Wanders, eine Kollegin aus Deiner Zeit am „Schmidt-Theater“ Hamburg. Wir kennen uns jetzt knapp 16 Jahre. Ich lernte Ernie also kennen, bevor es die Figur Lilo Wanders gab. Sie wurde dann für ein Theaterstück entwickelt, für die „Blauen Jungs“ damals zum 800. Hafengeburtstag. Ich bedauere es sehr, daß es damals nicht mitgeschnitten wurde. Da ist etwas Großartiges unwiederbringlich verlorengegangen. Für die Zuschauer wäre das natürlich wahnsinnig interessant, die Geburtsstunde von Lilo zu sehen. Für die gemeinsamen Synchronszenen mußten wir uns jetzt erst einmal in der Technik „zurechtfriemeln“, aber dann haben wir eigentlich nach kürzester Zeit wieder angefangen, zusammenzuspielen. Über die Technik hinweg haben wir zusammen geblödelt, wie damals auf der Schmidt-Bühne. Das war schon skurril. Bully Herbig, Ralf König, Thomas Hermanns – ist deutsche Comedy schwul? Oder sind deutsche Schwule komisch? Das waren jetzt gerade mal drei Namen, und einer von den dreien ist noch nicht einmal schwul, soweit ich weiß. Aber man weiß ja nie ... Es gibt über die Zeitspanne gerechnet, über die wir und die genannten dabei sind, schätzungsweise 60 oder 70 Comedians, die reüssiert haben, und da sind drei doch recht wenig, oder? Nein, die Comedy-Szene ist nicht schwul. Aber es ist bezeichnend, daß die wenigen Schwulen in dieser großen Szene so prägnant sind, daß diese Frage überhaupt aufkommt. Ich find die Frage schon interessant, aber ich muß sie verneinen. Gott sei Dank ist das Schwulsein mittlerweile zu einer alltäglichen Sache geworden. Natürlich ist nicht jeder schwul, nur Geduld, wir arbeiten dran. (lacht) Aber es ist nicht mehr das Reizthema, das es früher einmal war. Aber toll ist doch: Schwule sind parodiefähig geworden. Wir können und wollen uns nicht jedesmal aufregen, wenn man uns verarscht, weil wir mittlerweile wie Mantafahrer, Blondinen, Beamte und Ostfriesen zum Instrumentarium der Leute gehören, über die man sich im Entertainment-Alltag lustig macht. Zur Zeit sind wir einfach bißchen deutlicher zu sehen. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 17 Der Autor Ralf Königs Neuinterpretation von Aristophanes’ Komödie „Lysistrata“ erschien 1987 im Rowohlt Taschenbuch Verlag und liegt 2004 bereits in der 15. Auflage vor. Ralf König wurde 1960 in Soest geboren und machte nach der Schule zunächst eine Schreinerlehre. 1979 erlebte Ralf König sein Coming Out. Seit dieser Zeit zeichnete er auch kurze Schwulencomics für diverse Publikationen („Magnus“, „Siegessäule“, „Kowalski“). Von 1981 bis 1986 studierte er „Freie Grafik“ an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 1987 erschien dann im Rowohlt-Verlag sein erster Langcomic „Der bewegte Mann“. Zahlreiche Comics folgten zum Beispiel „Pretty Baby“, „Kondom des Grauens“ und „Bullenklöten“. Die außerordentliche Schaffensfreude, der Fleiß und vor allem Ralf Königs Humor brachten ihm zahlreiche Bestseller und Comic-Preise ein. Derzeit arbeitet er an seinem neuen Projekt mit orientalischer Thematik. Ein Gespräch mit Ralf König Du hast zur Version von Aristophanes neue Elemente hinzugefügt, die schwule und lesbische Community von Athen. Wie kamst Du auf diese Idee? Ich hatte das Stück „Lysistrata“ von Aristophanes vor Urzeiten in einem Dortmunder Schülertheater gesehen. Ich fand es klasse, aber fragte mich: Was passiert denn wirklich, wenn sich die Frauen den Männern sexuell verweigern, damit diese Frieden schließen? Und an sich: Was passiert in einer Gesellschaft ohne Frauen, weil die ja auf der Akropolis sind? Und mir fiel ein, daß Aristophanes die Schwulen und die Lesben vergessen hat. Mir kam, noch während ich das Stück sah, die Idee. Ich wußte sofort, daß es ein klasse Comic wäre. Ich habe begonnen, es zu zeichnen, brauchte mehrere Anläufe. Das war noch längst vor dem „Bewegten Mann“, und ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nie eine lange Geschichte gezeichnet, immer nur kurze Comics von ein, zwei Seiten. Ich mußte hier aber den Spannungsbogen über eine lange Geschichte halten. Also begann ich immer wieder, legte die Idee wieder in eine Schublade. Dann zeichnete ich den „Bewegten Mann“, das war ein großer Comic-Erfolg, und Rowohlt bat mich 1987, ein weiteres Buch zu machen. Also holte ich „Lysistrata“ aus der Schublade, und diesmal ging es schnell. Es hat mir richtig Spaß gemacht, ich habe es in einem Monat runtergedonnert. Ich hab nicht mehr meine Bude aufgeräumt, nichts mehr gegessen, nicht mehr geduscht. Ich setzte mich morgen an den Schreibtisch und habe erst abends aufgehört. Nun ist die Verhinderung von Kriegen als künstlerisches Thema aktueller als je zuvor. Hättest Du den Stoff heute anders bearbeitet? Das ist schon immer ein aktuelles Thema gewesen, nicht nur heute. Ich denke, daß Aristophanes seine Komödie auch nicht in der Hoffnung schrieb, daß sich an den Zuständen etwas ändert. Es ist halt ´ne Geschichte, die ganz lustig ist, aber auch einen ernsten Hintergrund hat. Wenn Männer sich bekriegen, leiden halt alle drunter. Trotzdem macht es keinen Sinn, zeitpolitische Bezüge heranzuziehen. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 18 Es bleibt eine Komödie. Klar: Sie sagt ziemlich viel über die Geschlechterverhältnisse aus. Frauen sind ja in der Regel nicht diejenigen, die Krieg führen, sondern Männer. Wenn sich Frauen mehr ihrer Macht bewußt wären, könnten sie wahrscheinlich einiges ausrichten. Aber das ist Science Fiction, weil die Welt nicht so ist. Wie hast du vom Filmprojekt „Lysistrata“ erfahren? Meine Bücher gehen in Spanien ganz gut. Die Filmemacher kamen auf die Idee, einen Film daraus zu machen. Sie fragten nach den Rechten, ob das ginge, und natürlich ging es. Und dann hörte ich ziemlich lange nichts mehr, ich wußte, sie müßten Geld auftreiben. Und irgendwann nach drei, vier Jahren hatte ich Geld auf meinem Konto, und es hieß, der Film sei fertig. Das fand ich ganz traurig, weil ich gern zugesehen hätte. Aber möglicherweise ist ja so ein „kritischer“ Autor am Set auch nicht ganz so einfach. Vielleicht haben sie mir deshalb einfach nicht Bescheid gesagt ... Wie hättest Du denn gern Einfluß genommen? Ich hätte inhaltlich an der Geschichte auch nicht viel mehr geändert, als es getan wurde. Der Film ist sehr nah an der Comicvorlage. Da gibt es nur ganz wenige Szenen, die nicht im Comic genommen waren. Das find ich auch sehr schön so, ist ja in meinem Sinne. Ich hätte nur gern zugesehen, wie so eine Schlachtszene gedreht wird. Ich glaube, daß es sehr lustige Dreharbeiten waren. Zumindest meine ich beim „Making Of“ rauszulesen, daß die viel Spaß beim Drehen hatten. Es hätte mir gefallen, in Spanien zu sein und zuzusehen. Ich bin auch ein bißchen stolz drauf, daß das alles auf meinem Buch basiert. Ich hätte vielleicht beim Cast hier und da gesagt: die Frau könnte doch etwas schräger sein. Es ist ja immer so, wenn Heteros casten, werden die Frauen sehr attraktiv und die Schwulen sehr schwuchtelig. Das ist alles ein wenig Schablonendenken, wo man dem Zuschauer nicht viel zutraut. Ich denke, man könnte auch hier auf Zwischentöne achten. Aber es ist ein feiner Film geworden, an dem ich viel Spaß habe. Du hast für die deutsche Fassung einen neuen Schluß geschrieben. Warum? Ach, das ist nicht wirklich ein neuer Schluß. Am Ende donnert Göttervater Zeus vom Himmel, und der sagt im Film ein bißchen was anderes, als er es im Comic tut. Ich hatte halt jetzt einen Geistesblitz, den ich 1987 noch nicht hatte. Als ich die Rohübersetzung auf dem Tisch hatte, fiel mir eben auf, daß es noch witziger geht. Nach Kompilationen Deiner Comics erschien 1987 Dein erster Langcomic „Der bewegte Mann“. Was hat sich aus Deiner Sicht seitdem an Stil und Themen verändert? Ich ziele nicht mehr so drauf ab, daß die Geschichten ausschließlich witzig sind. Die sollen natürlich komisch sein, so komisch wie geht, ganz klar. Aber ich habe Lust, mehr vom Leben und von den unkomischen Sachen zu erzählen. Das geht nämlich mit Comic. Ich habe einen Comic gemacht über eine HIV-Infektion, in dem die Hauptfigur erfährt, daß sie HIV-positiv ist. Ich habe gedacht: Kann ich das machen? Folgen mir die Leser da, wollen sie das überhaupt lesen? Über Seiten gibt es keinen wirklichen Lacher, die Geschichte ist traurig. Und die Erfahrung hat gezeigt, daß es angenommen wird. Das erweitert die Inhalte meiner Comics, wenn ich solche Themen angehen kann. Das hätte ich früher noch nicht gekonnt. Was sicher auch damit zusammen hängt, daß ich älter werde und auch in meinem eigenen Erleben mehr Vielfalt habe. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 19 Vier Spielfilme und eine Fernsehserie ist die bisherige Bilanz der fertigen Verfilmungen Deiner Comics. Bist Du zufrieden? Ich schiele nicht auf Verfilmungen. Wenn ich einen Comic mache, dann mach ich eben den Comic. Und wenn jemand denkt, das könnte ein guter Film sein, soll er sich melden. LYSISTRATA ist ein Film, den ich total mag, der sehr nah an dem ist, was ich mir vorgestellt habe. Der macht mir am meisten Spaß. Vielleicht gehen die Spanier da unbefangener ran. In Deutschland wird wahnsinnig viel überlegt: „Wenn wir die Frauen jetzt so darstellen, werden die Frauen den Film im Kino vielleicht nicht mögen ... und die Schwulen sind zu normal, wir müßten die tuntiger darstellen, damit man auch versteht, daß die schwul sind.“ Das kommt einer Komödie zugute, wenn man nicht so viel vorher überlegt. Die Verfilmung DAS KONDOM DES GRAUENS von 1996 taucht nicht auf Deiner Homepage in der Filmographie auf. Zufall? Dann hab ich den weggehüstelt, keine Ahnung (lacht). Nein, den fand ich nicht gelungen. Den fand ich überhaupt nicht gelungen. Das sind wahnsinnig gehetzte Dreharbeiten gewesen, wo keiner so richtigen Plan hatte. Das mußte superschnell gehen. Das ist schlecht. Es geht immer etwas verloren. Schon allein wegen der Übernahme von Zeichnungen auf reales Geschehen. Die Zeichnungen sind immer Knollnasen, die mag man einfach. Für mich funktionieren auch die Asterix-Verfilmungen nicht. Man muß eine Vision haben, wie man die Komik wieder einfängt. LYSISTRATA schafft das. Für die Synchronisation wurden Ikonen gewonnen, unter anderem Lilo Wanders und auch ihr früherer Kollege Monty Arnold. Hast Du Dich dafür stark gemacht? „Stark gemacht“ wäre zuviel gesagt. Ich wurde gefragt, ob ich Ideen hätte und habe eben diese beiden Namen genannt. Ich bin jemand, der im Kino überhaupt nicht hört, welche Stimme das gerade ist. Das find ich auch gut so. Manchmal sitz ich im Kino mit einem Freund und er stößt mich an: „Du, das ist doch die Stimme von Robert de Niro!“ Das interessiert mich in dem Moment nicht. Eine gute Synchronisation ist doch, wenn man genau das nicht merkt. Ich hoffe, das klappt auch bei LYSISTRATA. Deine Comics sind oft sehr freizügig. Das schlägt sich nun auch in der Filmversion von „Lysistrata“ nieder. Gibt es für die Freizügigkeit Gründe? Ich habe dieses Problem nie gesehen. Dahinter steckt ja nun irgendwie die Frage nach Pornographie. Da gibt es einen großen Unterschied zwischen Zeichnungen und Film. Vieles, was ich zeichne, wäre als Film nicht mehr jugendfrei. Den Männchen mit den Knollnasen nimmt man das nicht übel. Da ist die Nase größer als der Pimmel, und das kann ich einfach nicht Pornographie nennen, auch wenn es da schon Streitfälle gab. Ich zeichne das nicht, um Leute aufzugeilen. Das wäre ja auch schwierig bei den Knollnasen. Ich zeichne es einfach, weil ich keinen Bock habe, das auszublenden. Erst recht nicht, wenn es für die Handlung einen Witz hergibt oder etwas passiert, was ich in einer Vögelszene unterbringen kann. Ich scheue mich dann nicht, das zu tun. Warum auch? Es ist vielleicht auch so, daß Schwule weniger Berührungsängste mit Pornographie haben. Das ist so eine These von mir. Im heterosexuellen Bereich klingt da sofort das Thema Frauenfeindlichkeit mit. Kaum ein Hetero hat offen Pornos im Regal stehen. Denn wenn die Freundin zu Besuch ist, könnte das nicht so gut kommen. RALF KÖNIGS LYSISTRATA www.kinowelt.de 20 (T)RAUMSCHIFF SURPRISE, LYSISTRATA, SIX FEET UNDER – derzeit fällt ein prägnantes und klischiertes Medienbild der schwulen Kultur auf, aber auch deren zunehmende Liberalisierung. Wie stehst Du dazu? Für mich ist Homosexualität heutzutage kein Thema mehr, und ich denke, wegen ein paar Leuten, die da peinlich berührt sein könnten, lohnt es nicht, eins draus zu machen. Das Medienbild ist eine andere Sache, da wird immer wieder die gleiche Schiene bedient. Wenn jemand schwul ist, muß er rumschwuchteln. Das ist auch mit Bully so oder in der Iglu-Werbung mit Holger und Max. Ich sitze doch auch nur einfach hier und erzähle. Ich würde mich freuen, wenn schwuler Humor nicht so einseitig wäre. Deine Homepage ist zweisprachig, deine Comics werden weltweit aufgelegt. Wie ist das Feedback aus dem Ausland zu deinem Schaffen? Gut! Trotzdem warte ich immer noch auf eine richtig schöne englischsprachige oder amerikanische Version. In den amerikanischen Comic-Markt kommt man schwer rein. Meine Comics sind eben sehr deutsch. Da sitzen die Tunten auf einem Sofa und unterhalten sich, und irgend etwas verstehen die Amerikaner da nicht. Was mich immer wundert: Wir verstehen ja auch, was die Amerikaner machen. In Skandinavien, Spanien, Frankreich, Finnland werden meine Bücher gut verkauft. Woher nimmst Du Deine Ideen. Beobachtest Du viel? Fließt Autobiographisches ein? Beides. Ich habe einen ziemlich lustigen Freundeskreis, und wenn wir in Fahrt kommen, werden sich da die Pointen schon zugeballert. Daraus ziehe ich sehr viel Ideen und Anstöße. Ich zeichne nicht 1 zu 1. Ich zeichne nicht meine Freunde, da hätte ich sicher bald keine mehr. Ich nehme viel Inspiration aus dem, was ich sehe, was ich auch an mir sehe. Es ist ein Mix aus allem, meistens überhöht, damit es komisch wird. Es ist nicht alles mir passiert, natürlich nicht. Wie sind deine Zukunftspläne? Wirst Du weitere historische Stoffe neu bearbeiten? Nun ist auch ein Science Fiction-Comic angekündigt. LYSISTRATA war das erste Mal, daß ich eine fremde Idee aufgegriffen hab, um sie zu entstauben und meine Version draus zu machen. Das war ein einfaches Arbeiten, die Geschichte war da, ich mußte nur füllen. Das hat Spaß gemacht. Später habe ich für „Jago“ einige Shakespeare-Charaktere in ein Buch gepackt. Quasi Shakespeares Dramen in den Quirl gesteckt und was Neues draus gemacht. Wenn ich von etwas fasziniert bin, setze ich es um. Im Moment lese ich die Märchen aus 1001 Nacht, und da geht bei mir sofort ein Film ab. Die nächste Geschichte wird also in die Richtung des Orientalischen gehen, eine Mischung aus 1001 Nacht und dem, was heute mit dem Orient verbunden wird. Nämlich Terror, Blut und Wahnsinn. Ich wage mich einfach an andere Themen, weil nur ablachen über lustige Tunten mir bissl wenig ist. Ja, auch eine Science Fiction Geschichte ist in meinem Kopf. Welches Feedback erwartest Du auf LYSISTRATA? Ich bin in Sachen Film ein wenig ratlos. Das hängt von so vielen Faktoren ab, ob es ein Erfolg wird. Der Film hat es auf jeden Fall verdient, ein Erfolg zu sein, aber ich kann da keine Prognose abgeben. Gespräche: Roman Klink Kontaktinformationen: Pressebetreuung: cut – FilmPresse & MovieEvents Michael Eckhardt Körnerstr. 56, 04107 Leipzig Tel. 0341 303 76 90, Fax. 0341 303 76 914 cut.filmpresse@playerweb.de Pressematerial: www.kinowelt.de Kinowelt Filmverleih GmbH, Karl-Tauchnitz-Str. 10, 04107 Leipzig Telefon: 0341-355 96 300, Telefax: 0341 355 96 309, Email: filmverleih@kinowelt.de
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