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Berlin (n-t), 13.01.2004 14:35

Praxisgebühren: Fragen und Antworten
>> Vorsorge und Früherkennungsmaßnahmen sind von der Praxisgebühr befreit

Zum 1. Januar 2004 ist für die Patientinnen und Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro eingeführt worden. Sie wird einmal im Quartal beim ersten Hausarzt- und Zahnarztbesuch fällig. Die Praxisgebühr ist Teil der großen Gesundheitsreform, die von Bundesregierung und Opposition gemeinsam beschlossen wurde und trägt dazu bei, Gesundheitskosten und Krankenkassenbeiträge stabil zu halten und die Krankenkassenbeiträge zu senken.

Bei allen weiteren Arztbesuchen im Quartal nach Überweisungen, bei Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, bei Schutzimpfungen und bei Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt entfällt die Gebühr. Auch Kinder bis zum 18. Lebensjahr sind von der Gebühr befreit.

Fragen und Antworten zur neuen Praxisgebühr:

>> Warum eine Praxisgebühr?
>> Wann wird die Praxisgebühr fällig?
>> Wann entfällt die Praxisgebühr?
>> Wie viel muss insgesamt zugezahlt werden?
>> Wer bekommt die Praxisgebühr?
>> Gibt es eine Ermäßigung bei der Praxisgebühr?


Warum eine Praxisgebühr?

Damit die gesetzliche Krankenversicherung auch in Zukunft für alle Versicherten unabhängig von Alter, Einkommen und Vorerkrankungen die notwendige medizinische Versorgung gewährleisten kann, hat die Bundesregierung die Gesundheitsreform beschlossen. Diese Reform, die am 1. Januar 2004 in Kraft getreten ist, verbessert die Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung, stärkt die Eigenverantwortung, die Rechte und die Wahlmöglichkeiten der Patientinnen und Patienten, schafft leistungsfähige Strukturen im Gesundheitswesen, fördert den Wettbewerb und baut Bürokratie ab.

Damit nicht nur die Finanzsituation der GKV stabilisiert wird, sondern die Krankenkassenbeiträge gesenkt werden können, um die Lohnnebenkosten zu entlasten und wieder mehr Beschäftigung zu ermöglichen, wird die gesetzliche Krankenversicherung mit einem Bündel von Maßnahmen entlastet. Für eine gerechte und ausgewogene Lastenverteilung müssen alle Beteiligten im Gesundheitswesen, von den Krankenkassen über die Leistungserbringer bis zu den Versicherten und Patienten, ihren Beitrag leisten. Die Zuzahlungsregelungen sind neu gestaltet, eine Praxisgebühr wird eingeführt.


Wann wird die Praxisgebühr fällig?

Gesetzlich Krankenversicherte müssen seit dem 1. Januar 2004 eine Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal beim ersten Arztbesuch zahlen, ganz gleich, ob es sich um einen Hausarzt, einen Facharzt, einen Psychotherapeuten oder einen Zahnarzt handelt.

Die Praxisgebühr fällt nur einmal pro Quartal an, egal wie oft derselbe Arzt aufgesucht wird oder andere Ärzte, sofern für diese eine Überweisung vorgelegt wird. Der Hausarzt kann an alle Fachärzte überweisen, und jeder Facharzt kann an einen anderen Facharzt überweisen. Dauert eine Behandlung bis in das folgende Quartal, muss die Praxisgebühr noch einmal gezahlt werden. Die Gebühr muss auch zahlen, wer in Notfällen zum Arzt geht oder telefonisch ärztliche Leistungen in Anspruch nimmt.

Beim Zahnarzt muss eine separate Praxisgebühr geleistet werden. Wer also in einem Quartal zum Allgemeinarzt und zum Zahnarzt geht, zahlt 20 Euro Praxisgebühr.


Wann entfällt die Praxisgebühr?

Ein wichtiges Ziel der Gesundheitsreform ist, die Prävention zu stärken und das gesundheitsbewusste Verhalten der Versicherten zu fördern. Deshalb entfällt die Praxisgebühr nicht nur bei allen Überweisungen im Quartal, sondern auch bei Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, bei Schutzimpfungen sowie bei den Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. Zwei Kontrolluntersuchungen pro Jahr beim Zahnarzt sowie die Entfernung von Zahnstein bleiben frei von der Praxisgebühr; ist eine weitergehende Behandlung notwendig, ist die Gebühr zu zahlen.

Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind von allen Zuzahlungen und damit auch von der Praxisgebühr befreit.


Wie viel muss insgesamt zugezahlt werden?

Die Praxisgebühr wird bei der Berechnung der gesamten Zuzahlungen einbezogen. Die jährliche Belastungsgrenze liegt bei zwei Prozent der Bruttoeinkünfte, für chronisch Kranke bei nur bei einem Prozent. Für Familien mit Kindern gibt es besondere Freibeträge.


Wer bekommt die Praxisgebühr?

Die Praxisgebühr ist Teil des ärztlichen Honorars und verbleibt beim Arzt. Ärzte und Krankenkassen haben sich darauf geeinigt, dass die Ärzte die Praxisgebühr einziehen. Die Ärzte erhalten keine Bearbeitungsgebühr. Zahlt ein Patient die Gebühr nicht, muss der Arzt ihm eine Mahnung schicken. Der Patient trägt die Portokosten. Zahlt der Patient anschließend immer noch nicht, wird die zuständige Kassenärztliche Vereinigung ein Mahnverfahren einleiten. Dafür wird für den Patienten zusätzlich eine Gebühr von 4 Euro fällig. Bleibt auch dies erfolglos, trägt die Krankenkasse das Restrisiko.


Gibt es eine Ermäßigung bei der Praxisgebühr?

Die gesetzlichen Krankenkassen sind durch die Gesundheitsreform verpflichtet, ihren Versicherten Tarife für eine Hausarzt-zentrierte Versorgung anzubieten. Dazu können die Kassen mit Hausärzten entsprechende Verträge abschließen.

Versicherte können sich auf freiwilliger Basis dafür entscheiden, an der Hausarzt-zentrierten Versorgung teilzunehmen. Das bedeutet für sie, dass sie sich gegenüber ihrer Krankenkasse verpflichten, zuerst immer einen bestimmten Hausarzt aufzusuchen, den sich die Versicherten selbst aussuchen. Im Gegenzug kann die Krankenkasse eine Ermäßigung bei der Praxisgebühr oder einen anderen Bonus gewähren. Ermäßigungen bzw. Bonusregelungen können die Kassen zudem den Versicherten anbieten, die an den strukturierten Behandlungsprogrammen für chronisch Kranke teilnehmen.

Der Hausarzt wird für die Patienten zum Lotsen im Gesundheitswesen. Die Steuerungsfunktion des Hausarztes gewährleistet einen koordinierten Ablauf der gesamten Behandlung und hilft, überflüssige Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

Wer zuerst zum Hausarzt geht oder sich für ein hausarztzentriertes Versorgungsprogramm seiner Krankenkasse entscheidet, hält seine eigene Belastung durch die Praxisgebühr so gering wie möglich. Jede Patientin und jeder Patient hat es also durch sein eigenes Verhalten und durch die Wahlmöglichkeiten selbst in der Hand, die Höhe seiner Kostenbeteiligung zu beeinflussen und so gering wie möglich zu halten.


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Kontaktinformationen:
Bundespresseamt

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