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Lausanne, 30.05. 2006 10:19

ENS 2006: Europäische Neurologentagung versammelt 2.200 Experten in Lausanne
Neurologische Erkrankungen: Unterschätzte Probleme - viel versprechende neue Therapien

Lausanne, 30. Mai 2006 – Hochaktuelle Forschungsergebnisse, etwa bei der Behandlung von Multipler Sklerose und Parkinson, im Bereich der Schlafforschung, in der Therapie des Schlaganfalls oder in der Sichtbarmachung von Prozessen im Gehirn durch modernste bildgebende Verfahren diskutieren internationale Wissenschafter beim derzeit stattfindenden Europäischen Neurologenkongress in Lausanne (CH).

Wie wichtig diese neuen Erkenntnisse sind, zeigt schon ein Blick auf die Verbreitung neurologischer Erkrankungen: „Neurologische Beschwerden entwickeln sich zu regelrechten Volkskrankheiten“, sagte in Lausanne (CH) auf der offiziellen Pressekonferenz zur 16. Jahrestagung der European Neurological Society (ENS) Prof. Dr. Gerard Said (Paris), Generalsekretär der Organisation. 1,1 Millionen Menschen pro Jahr erleiden in Europa einen Schlaganfall. Von Migräne werden knapp 41 Millionen Menschen geplagt, von Demenz sind fast fünf Millionen Europäerinnen und Europäer betroffen, 1,2 Millionen Menschen leiden an Parkinson. Insgesamt haben Europa weit 51 Millionen Menschen eine neurologische Erkrankung. Trotzdem, kritisieren Experten bei der Tagung, werde neurologischen Erkrankungen in der Öffentlichkeit und seitens der Politik nicht dieselbe Aufmerksamkeit zuteil wie etwa Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen.



ENS-Kongress zeigt den aktuellen Stand der Forschung




Der Europäische Neurologenkongress ENS 2006, zu dem in Lausanne mehr als 2.200 Experten aus aller Welt zusammengekommen sind, trägt den aktuellen Entwicklungen in der Neurologie Rechnung. „Wir diskutieren hier die neuesten diagnostischen, therapeutischen und technologischen Entwicklungen zu allen neurologischen Krankheitsgruppen, von denen viele Menschen betroffen sind, wie Schlaganfall, Demenz, Schlafstörungen, Migräne oder Parkinson“, sagt Prof. Said. Zahlreiche wissenschaftliche Beiträge, Fortbildungskurse und viele hochkarätige Symposien spiegeln den aktuellen Stand der Forschung wider.




Neuroimaging – Bilder zeigen, wie unser Gehirns funktioniert




„Einen wichtigen Höhepunkt auf der Tagung bilden aktuelle Forschungsergebnisse, die sich mit der Abbildung von Gehirnprozessen durch moderne bildgebende Verfahren beschäftigen", berichtet Prof. Said: „Davon erwarten wir wichtige Hinweise für die Fortentwicklung der Hirnforschung und vor allem auch für die Behandlung von Menschen mit Hirnstörungen.“




Funktionelles Magnetresonanz-Imaging (fMRI), radioaktiv markierte Antikörper oder die Magnetresonanz-Spektroskopie ermöglichen völlig neue Wege in der Diagnose und Behandlung gefährlicher Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose oder Hirntumoren. Mit der Magnetresonanz-Spektroskopie etwa können körpereigene "Marker" im Gehirn identifiziert werden, die Hinweise auf ein bestimmtes Krankheitsgeschehen liefern. Eine besondere Entwicklung hat sich durch das funktionelle Magnetresonanz-Imaging (fMRI) ergeben. Prof. Said: "Diese Methode erlaubt zum Beispiel kleinste Änderungen im Sauerstoffgehalt des Blutes festzustellen, wie sie durch Aktivierung von Gehirnregionen erfolgt. Damit eröffnen sich Einblicke, wie das Gehirn funktioniert, aber auch wie es auf Erkrankungen reagiert und welche Möglichkeiten wir haben, durch Training unsere Leistung zu verändern oder Schäden zu überwinden."





Neue Behandlungsoptionen bei Multipler Sklerose




Zahlreiche Vorträge und Diskussionen bei der Tagung sind auch dem zunehmend besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen bei Multipler Sklerose gewidmet. „Ein zentraler Gesichtspunkt wird sein, dass es in der MS-Behandlung einerseits um die Kontrolle der entzündlichen Komponente geht, anderseits aber auch um Repair-Mechanismen und Neuro-Protektion, also darum, die Wiederherstellung geschädigten Nervengewebes zu fördern“, erklärt Prof. Said. „Auf dem ENS werden beeindruckende neue Daten zu neuen MS-Therapien präsentiert.“




Gefäßerkrankungen lassen das Gehirn altern




Risikofaktoren, die einen Schlaganfall verursachen können, stellen auch eine Gefahrenquelle für die intellektuelle Leistungsfähigkeit dar, wie auf dem ENS 2006 Experten zeigen. Dies sei schon wegen der demographischen Situation von Bedeutung, die sich Europa weit ähnlich darstelle, sagt Prof. Said: Seit 1960 ist die Zahl älterer Menschen über 60 Jahren in den 15 „alten“ EU-Mitgliedsstaaten von 49 Millionen oder 15 Prozent der Gesamtbevölkerung auf 82 Millionen oder 22 Prozent der Gesamtbevölkerung gewachsen. Ein weiterer Anstieg auf 124 Millionen bis 2050 ist zu erwarten.




Kein Wunder also, dass neben anderen altersbedingten Veränderungen auch jene massiv zunehmen, die mit der Leistungsfähigkeit des Gehirns zu tun haben. „Der Zusammenhang zwischen Schlaganfall und Demenz lässt sich anhand von Daten mittlerweile deutlich zeigen. Vaskuläre Risikofaktoren, die einen Schlaganfall verursachen können, wirken sich auch ungünstig auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit aus", so Prof. Said. So haben Forscher etwa nachgewiesen, dass mit Kleingefäßerkrankungen einhergehende kleinste Gehirnveränderungen bereits Abbausyndrome verursachen können.




„WMC“ heißt dabei das entscheidende Phänomen. Hinter dem von Experten verwendeten Kürzel steht der Begriff der „white matter changes“ – also Veränderungen der weißen Gehirnmaterie. Bedingt dürften sie durch den Alterungsprozess und vaskuläre Risikofaktoren sein. „Wir wissen heute, dass WMC das Sterblichkeitsrisiko insgesamt und das Risiko von Schlaganfall oder Demenz erhöhen. Offenbar ist dieses Phänomen eine der Hauptursachen dafür, dass ältere Menschen zunehmend hinfällig werden,“ sagt Prof. Said. „Wir sind in der Lage, diese Phänomene zu entdecken und zu verstehen. Das eröffnet jetzt ein weites Feld für die Forschung, durch welche Interventionen wir derartige Prozesse im Gehirn aufhalten oder beeinflussen können.“





Schlaganfall: Jede Stunde zählt




„Schlaganfall ist in Europa heute nicht nur die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen, sondern auch unter den drei verbreitetsten Todesursachen“, so Prof. Said. „Diese Zahlen zeigen uns ganz deutlich, dass Schlaganfall-Prävention und die optimale Versorgung der Patienten auch global gesehen höchste Priorität hat.“ Bei optimaler Versorgung, so schätzen Experten, ließe sich die Sterblichkeit innerhalb von drei Monaten nach dem Schlaganfall von derzeit 25 bis 30 Prozent auf etwa zehn Prozent senken.
Auf der Tagung in Lausanne werden wichtige neue Ansätze zur Therapie präsentiert, berichtet Prof. Said: "Ein wichtiges Ergebnis zur Schlaganfallbehandlung: Bis zu sechs Stunden nach dem Schlaganfall lohnt sich eine Auflösung oder Thrombolyse des Blutgerinnsels mit dem Medikament rTPA . Bislang wird dieses Lyse-Mittel nur bis zu drei Stunden nach dem Auftreten eines Hirninfarkts eingesetzt." Große Hoffnungen setzen die Schlaganfall-Experten auch in den Einsatz moderner bildgebender Verfahren, die die Auswahl von für die Therapie geeigneten Patienten erleichtern und die das Blutungsrisiko reduzieren.





Neue Behandlungsansätze bei Parkinson: Umwandlung von Stammzellen




Interessante Forschungsergebnisse werden auf dem ENS 2006 auch zur Parkinson Krankheit präsentiert: Eine tägliche Dosis des Zusatzmedikaments Rasagilin kann bei Parkinson-Patienten, die bereits mit Levodopa behandelt werden, ihre motorischen Funktionen verbessern, zeigt etwa eine internationale Studie mit knapp 700 Patienten. "Trotz der zahlreichen Therapiemöglichkeiten können gegenwärtige Behandlungen lediglich einige der Krankheitssymptome lindern, sie können jedoch nicht den Fortschritt der Krankheit aufhalten oder deren Heilung bewirken", beschreibt Prof. Said die aktuellen Probleme. "Neue Optionen eröffnet möglicher Weise die Stammzellentherapie, wie Forscher auf dem ENS 2006 zeigen."




Ein israelisches Team hat eine neuartige Methode entwickelt, die aus dem Knochenmark des Kranken entnommene Stammzellen in Dopamin erzeugende Nervenzellen transformiert. Bisher ist es dem Forschungsteam gelungen, die Symptome von Parkinson im Labormodell zu lindern. „Mit dieser Technologie agiert der Patient als sein eigener Spender,“ sagt Prof. Said.




Über ENS




Fort- und Weiterbildung und der internationale Forschungsaustausch gehören zu den Hauptaufgaben der 1988 gegründeten Europäischen Neurologengesellschaft. Im Gegensatz zu anderen europäischen Fachgesellschaften ist sie nicht ein Zusammenschluss nationaler Gesellschaften, sondern beruht auf individueller Mitgliedschaft einzelner Neurologen aus ganz Europa, aber auch den USA, dem Nahen Osten oder Nordafrika.




Information & Kontakt
B&K Medien- und Kommunikationsberatung, Wien, Tel.: 0043 1 319 4378-12; Roland Bettschart (mobil): 0043-6766356775; Elisabeth Bartosch; Tamara Ramach; E-mail: ; Tel. ENS-Press Center: 0041 21 6433320: www.ensinfo.com







Verbreitung und Kosten von neurologischen Erkrankungen




Erkrankung/Anzahl der betroffenen Personen in Europa/Krankheitskosten in Euro


Hirntumor /135.251 /4.586.000.000
Epilepsie/ 2.690.608/15.546.000.000
Migräne/Kopfschmerzen/40.777.009/27.002.000.000
Multiple Sklerose/379.599/8.769.000.000
Parkinson /1.158.990/10.722.000.000
Schlaganfall/1.128.986/21.895.000.000
Demenz/4.886.252/55.176.000.000
GESAMT/51.156.695/143.696.000.000



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Mag. Roland Bettschart
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