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Münster, 10.11. 2004 11:40

ICA kämpft für Kostenübernahme
Berlin ignoriert eine halbe Million chronisch Kranke

Münster. Die Hilfeschreie verhallen ungehört: Seit Monaten kämpft der gemeinnützige För-derverein Interstitielle Zystitis (ICA) um die Aufmerksamkeit von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Doch die Briefe, die auch an die Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel und den gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen gesandt wurden, sind noch immer unbeantwortet. „An uns ist man auf höherer Ebene nicht interessiert“, sagt Bärbel Mündner-Hensen, die Vorsitzende der ICA, verbittert. Sie selbst leidet seit einem Jahrzehnt an Interstitieller Zystitis (IC), einer chronischen Entzündung der Harnblasenwand, die die Urologen weltweit noch vor Rätsel stellt.

Dabei will die ICA nur erreichen, dass ihre Krankheit ernst genommen und entsprechend eingestuft wird. „Interstitielle Zystitis lässt die Patienten bis zu 60 Mal pro Tag zur Toilette rennen, auch wenn die Blase fast leer ist“, bestätigt Dr. Arndt van Ophoven von der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universität Münster. In den schlimmsten Fällen trauten sich die Patenten kaum noch, das Haus zu verlassen, weil sie ständig eine Toilette in
erreichbarer Nähe haben müssen. Oftmals kämen Depressionen hinzu – und Schmerzen, die nicht selten mit Morphium gedämpft werden müssten.
„Wir fordern die Einstufung als schwer chronisch Kranke“, sagt Mündner-Hensen. Aufgrund der Gesundheitsreform müssten die meisten Präparate, die den IC-Kranken zumindest eine gewisse Linderung verschafften, aus eigener Tasche gezahlt werden – eine unerträgliche finanzielle Belastung für die chronisch Kranken. Die ICA fordert deshalb eine Übernahme der Kosten für Medikamente, Katheter und Erfolg versprechende Therapien durch die Krankenkassen. Viele Betroffene seien zudem so schwer erkrankt, dass sie kaum noch in der Lage seien, einen Beruf auszuüben. „Wer um die behördliche Anerkennung seines Behinderungs- beziehungsweise Berufsunfähigkeitsgrades kämpft, wird meist mit einem Behinderungsgrad von 30 diffamiert“, betont Mündner-Hensen. „Dabei hat das Sozialgericht Münster in einem Urteil einen Behinderungsgrad durch IC von 60 Prozent festgelegt.“
Auf diese Missstände hat die ICA deshalb mehrfach in ihren Briefen an die Entscheidungs-träger in der Regierung hingewiesen. Doch allmählich rechnen sie nicht mehr damit, mehr als ein Achselzucken zu erreichen. „Eine halbe Million Kranke, so viele Patienten leiden in Deutschland nach der Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Urologie an IC, sind anscheinend nicht ausreichend, um die Gesundheitsministerin und die Krankenkassen zu
interessieren“, stellt Mündner-Hensen resigniert fest. Das zeige sich auch an der mangelnden Unterstützung für die IC-Forschung. So musste beispielsweise Dr. van Ophoven, der nach eigenem Bekunden „an jede Menge Türen angeklopft“ hat, schließlich einzig und allein mit Fördermitteln, die er persönlich in den USA eingeworben hatte, eine vielversprechende
Patientenstudie finanzieren. Van Ophoven setzt dabei auf die Hyperbare Sauerstofftherapie, bei der die Patienten in einer Druckkammer reinen Sauerstoff einatmen. Der Sauerstoff wird dadurch freier verfügbar und kann besser in sonst schlechter versorgte Geweberegionen vordringen und so Entzündungen stoppen. Den meisten seiner Studienpatienten habe er so beträchtliche Linderung verschaffen können, betont van Ophoven, der zum medizinischen Beirat der ICA gehört und im kommenden Jahr die offizielle Auswertung seiner Studie vorstellen wird. Die ICA (www.ica-ev.de ) sieht dem mit gemischten Gefühlen entgegen: Der Begeisterung über eine so erfolgreiche Studie stehen ihre Erfahrungen mit Gesundheitsministerium und Krankenkassen gegenüber: „Wer kann eine solche Behandlung bezahlen?“


Kontaktinformationen:
Bärbel Mündner-Hensen
Tel.: 02697 - 90 63 06
Email:

Bettina-Cathrin Wahlers
Tel.: 040 - 79 14 03 96
Email: