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Hamburg, 14.06. 2005 12:33

Interview mit Professor Dr. Stephan Störkel
Neueste Studien geben Hoffnung für eine frühere Diagnosestellung der IC

Nach einem Jahrzehnt intensiver Forschung sieht der renommierte Wuppertaler Pathologe gute Chancen für die Wissenschaft, das Krankheitsbild der Interstitiellen Cystitis klären zu können


Was kann die Pathologie zur Diagnose der IC beitragen? Diese Fragestellung treibt Professor Dr. Stephan Störkel seit Jahren um. Bereits in den 80ern wollte er nicht akzeptieren, dass sich das damals nahezu unbekannte Krankheitsbild nur in den Köpfen der Patienten abspiele. „Seit 1994 versuche ich aktiv, Licht ins Dunkel zu bringen“, so der Direktor des Instituts für Pathologie der Helios-Kliniken in Wuppertal im Gespräch mit der ICA-Pressereferentin Sabine Glimm. „Dass sich Menschen wegen dieser Krankheit umbringen, aber weder Urologen noch Pathologen Genaues über die IC wussten, war meine persönliche Triebfeder.“
Heute sind Pathologen durchaus in der Lage, die pathologisch-anatomische Diagnose einer IC zu stellen. Aufgrund der, von Professor Störkel aufgestellten morphologischen Diagnose-Kriterien ist dies möglich. „Es gilt, eine Vermehrung der Fasern in der Blasenwand, die zur Versteifung und Schrumpfung der Blase führen, nachzuweisen; darüber hinaus geht es bei der Diagnosefindung darum, die Mastzellinfiltration mit schmerzauslösenden Botenstof-fen und gleichzeitig ein Muster zu vieler und zu dichter Nervenfasern zu belegen.“ Diese Merkmale der IC können über verschiedene Antigendarstellungen im Mikroskop sichtbar gemacht werden.
„Um diese Diagnose stellen zu können, ist allerdings eine intensive fachübergreifende Zusammenarbeit notwendig“, erläutert Professor Störkel. „Denn nur wenn der Pathologe weiß, dass der Urologe eine IC ausschließen will, wird er die entsprechenden aufwendigen Zusatzuntersuchen durchführen. Voraussetzung für deren Gelingen wiederum ist, dass der Urologe eine adäquate tiefe Blasenbiopsie vorgenommen hat, die aus unterschiedlichen Blasenarealen stammen und Anteile der Muskelschicht miterfassen sollte. Denn nur in der Muskelschicht der Harnblase lassen sich die Diagnose-Merkmale einer IC finden.“
Dank umfangreicher Vortrags- und Lehrtätigkeit u. a. als Präsident der Akademie des Berufsverbandes der Pathologen und als Vorsitzender des Education Komitees konnte Prof. Störkel sein Diagnosewissen effizient streuen. „Das Wissen um das Krankheitsbild ist bei Pathologen deutlich gewachsen. Inzwischen erkennen 90 Prozent der Teilnehmer von Fort-bildungs-Seminaren zur Pathologie der Harnblase eine IC!“
„Trotz aller Erfolge“, so der Wuppertaler Pathologe, „können wir die IC bisher nicht im Frühstadium diagnostizieren. Die Zusammenschau der verschiedenen Merkmale ist nur bei kompletter Ausprägung der Erkrankung möglich, da sich erst mit zunehmendem Krankheitsverlauf ein morphologisch fassbarer Gestaltswandel der betroffenen anatomischen Strukturen einstellt“. Seine aktuellen Forschungen gelten daher der Frühdiagnostik. Diese würde die Leidenszeit der Patienten verkürzen; die früher einsetzende Behandlung könne gleichzeitig Folgen wie die Schrumpfblase und letztlich die radikal-operative Entfernung der betroffenen Blase verringern.
Basierend auf dem Forschungsansatz, dass bei einer IC ein Defekt in der GAG-Schicht der Blasenwand vorliegt, befasst sich Professor Störkels aktuelle Studie mit spezifischen Veränderungen der Oberflächenmoleküle von Harnblasenzellen. Der Nachweis einer Veränderung der versiegelnden Oberflächenmoleküle bei IC ließe eine frühere Diagnose und einen Schritt in Richtung Ursachenklärung zu. Erste Ergebnisse seien frühestens in zwei Monaten zu erwarten, so der Pathologe.

„Erst wenn wir es schaffen, den Krankheits-Mechanismus zu entschlüsseln, können wir die Ursachen der IC behandeln, bisher verfügen wir lediglich über eine Reihe von symptomatischen Therapien. Insgesamt gesehen aber ist das Wissen um die IC in den letzten zehn Jahren erheblich größer geworden“, resümiert Professor Störkel. „Die Sensibilität für das Krankheitsbild unter Ärzten ist gestiegen, die Bedeutung dieser Erkrankung wächst und deshalb habe ich große Hoffnung, dass es gelingen wird, das Krankheitsbild und seine Ursachen zu klären.“



Kontaktinformationen:
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Förderverein Interstitielle Cystitis
Untere Burg 21, 53881 Euskirchen
Tel. 02697-906 306
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oder

Sabine Martina Glimm - Tel.: 040 – 701 89 17
Bettina-Cathrin Wahlers - Tel.: 040 - 040 - 79 14 03 96