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Lausanne, 30.05. 2006 10:25

ENS 2006: Europäische Neurologentagung versammelt 2.200 Experten in Lausanne
Experten fordern: Intravenöse Immunglobuline Neurologie-Patienten nicht vorenthalten Neue viel versprechende Therapie bei Polyneuropathien

Lausanne, 30. Mai 2006 – Intravenös angewendete Immunglobuline (IVIG) sollten Patienten mit neurologischen Erkrankungen nicht vorenthalten werden, besonders, wenn es keine gleich wirksamen Alternativen gibt. Das forderte Professor Andreas J. Steck, Leiter der Neurologie am Universitätsspital Basel (CH), auf der Jahrestagung der Europäischen Neurologengesellschaft.

In Lausanne (CH) findet derzeit der 16. Jahreskongress der European Neurological Society (ENS) statt. Bei dieser wichtigsten europäischen Tagung aus dem Bereich der Neurologie werden aktuelle Trends und Highlights der neurologischen Forschung und Therapie präsentiert.
Intravenöse Immunglobuline (IVIG) sind aufwändig aus Spenderplasma hergestellte Medikamente, die auf viele unterschiedliche Komponenten des Immunsystems einwirken.


Gute Studienergebnisse bei Neuropathien


Zugelassen sind sie in vielen europäischen Ländern für die Behandlung von lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Immundefekten, AIDS im Kindesalter oder bei Knochenmarktransplantationen, bei neurologischen Erkrankungen allerdings nur beim so genannten Guillain-Barre Syndrom. Dieses Syndrom ist eine entzündliche Nervenerkrankung mit Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen bis hin zur Atemlähmung.


Es zeigt sich aber, dass wegen ihres vielfältigen Wirkspektrums viele Ärzte IVIG auch in anderen Bereich einsetzen - einer Untersuchung der US-Arzneimittelbehörde FDA zufolge sind sogar 52 Prozent der Anwendungen "off-lable", also außerhalb der behördlich zugelassenen Indikationen.


Das verwundert wenig: "Zu verschiedenen neurologischen Autoimmunerkrankungen gibt es für hochdosierte intravenöse Immunglobuline inzwischen sehr überzeugende Ergebnisse aus großen Therapiestudien", berichtet Prof. Steck. "Es muss daher ein gezielter Einsatz von intravenösen Immunglobulinen gefordert werden, wobei eine wirksame Therapie dem Patienten nicht vorenthalten werden darf, insbesondere wenn sie nicht durch gleichwertige Alternativen ersetzt werden können." Die Plasma-basierte Therapie wird von vielen Behandlern auch deshalb geschätzt, weil die intravenösen Immunglobuline ein äußerst günstiges Nebenwirkungsprofil aufweisen. Allerdings ist die Therapie relativ teuer, möglicher Weise ein Grund für die zurückhaltenden Richtlinien von Gesundheitsbehörden.


Vor allem bei bestimmten Formen von Neuropathien haben sich IVIG als wirksam erwiesen. So etwa bei der so genannten multifokalen motorischen Neuropathie (MMN), einer Erkrankung der motorischen Nerven, die auf eine fehl geleitete Immunreaktion zurückgeht, oder bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP), einer chronisch entzündlichen Erkrankung des peripheren Nervensystems."Es gibt hier keine therapeutischen Alternativen mit ähnlich gesicherter Wirksamkeit", sagt Prof. Steck. Auch in der Akutbehandlung der chronischen, immunvermittelten Polyneuritis gelten IVIG den sonst verwendeten Kortisonbehandlungen als zumindest gleichwertig.



Rituximab gegen Neuropathien


Auch eine andere Substanz ist laut Prof. Steck viel versprechend in der Behandlung bestimmter Typen von Neuropathien. Rituximab in hoher Dosierung führte im Rahmen einer Studie bei der Hälfte der Patienten, die unter einer so genannten Anti-MAG-Polyneuropathie litten, zu einer deutlichen Verbesserung der Nervenleitfähigkeit. Bei dieser Form der Neuropathie richten sich körpereigene Antikörper gegen ein spezielles Glykoprotein. "Die Therapiesituation bei Patienten mit einer Anti-MAG-Polyneuropathie war bisher sehr unbefriedigend", so Prof. Steck. "Mit Rituximab steht uns nun eine viel versprechende neue Therapieoption zur Verfügung."


Rituximab ist ein therapeutischer Antikörper, der selektiv auf die B-Zellen des Immunsystems abzielt.


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