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  Nina Grenningloh

Huntington Beach, Kalifornien, 26.08. 2005 02:41

Aus der Reihe: Kalifornische Kolumnen
Tankstelle des Grauens

Selbst der allerdümmste Kalifornier hat bemerkt, dass die Benzinpreise unaufhörlich steigen. An den Tankstellen prangt dem motorisierten Kalifornier der Preiswucher auf nicht zu übersehenden, monströsen Schildern entgegen: 3 Dollar pro Gallone! So kostspielig war der Sprit in den USA schon lange nicht mehr, und ein Ende des Wuchers an den Zapfsäulen ist nicht in Sicht. Da sind die amerikanischen Automobilverehrer nun allerorts am Meckern.

Ein bestürzter Autofahrer schrieb in einem Leserbrief an die Zeitung Indianapolis Star: „Eine Tankstelle anzufahren, ist grauenhafter als jeder Horrorfilm, den Hollywood in diesen Sommer rausgebracht hat.“ In einer Nachrichtensendung eines lokalen TV-Senders sah man jüngst einen breitschultrigen Surfer Typen, der vor seinem auf Hochglanz polierten Hummer stand, auf die immens gestiegenen Spritpreise schimpfen. Also, ehrlich gesagt, Mitleid empfinde ich mit den amerikanischen Mitbürgern nicht. Müssen die Typen denn solche Mordskarren fahren, die nicht selten 18 Liter auf 100 Kilometer schlucken?

Überhaupt könnte der umweltbewusste Kritiker unter diesen Umständen Weinkrämpfe bekommen, denn große spritfressende Autos sind in den USA ja gang und gäbe. Insbesondere die Straßen Südkaliforniens werden von Pickups, Minivans und den so genannten SUVs, den Sport Utility Vehicles - zu Deutsch: Geländewagen - verstopft. Dabei ist es egal, ob die Fahrer diese schweren Karren auch benötigen, was zählt ist das Statussymbol. Immer noch steht das Auto in Nordamerika für ein ganz individuelles Freiheitsgefühl. Vergessen wird dabei wohl, dass sich diese Freiheit auch in kleineren, weniger Sprit saugenden Vehikeln erleben lässt. Aber soweit denkt selbst ein ansonsten umweltbewusster Kalifornier nicht. Da wird die Karre lieber munter aufgemotzt und übers teure Fahrvergnügen gemeckert. Autofahren und Umweltschutz stehen in den USA ja sowieso auf zwei verschiedenen Blättern.

Dennoch gibt es inzwischen so eine Art Trend zum Umweltschutz, der neben Recycling und Stromsparen eben auch das Spritsparen zum Thema hat. Jüngste Presseberichte sprechen von Vorschlägen der Regulierungsbehörde, neue Normen zu erlassen, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Insbesondere die durstigen SUVs, Pickups und Minivans sind den Behörden ein Dorn im Auge. Bedenkt man jedoch, dass U.S. Konsumenten um die 380 Millionen Gallonen Gasolin pro Tag verbrauchen, sind solche Maßnahmen wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Da erscheinen andere Vorschläge wie das Nutzen von Fahrzeugen, die mit alternativen Kraftstoffen wie Biodiesel angetrieben werden, schon sinnvoller.

Doch solche Ideen stoßen bei vielen Autofahrern noch auf taube Ohren. Zuerst müssen wir dem Amerikaner wohl das Umdenken in Sachen Umweltschutz anerziehen, ansonsten bleibt es bei kurzsichtigen Lösungen. Amerikas wohl größte Zeitung, USA Today, hat Reaktionen von Pendlern auf die hohen Benzinpreise gesammelt. Darunter Alicia, eine furchtbar pfiffige Frau aus New Jersey, die ihren Spritausgaben von 100 Dollar pro Woche für ihren SUV ganz clever entgegenwirkt, indem sie sich ein eigenes Lunch Packet mit ins Büro nimmt. Da sie täglich 130 Meilen pendelt, glaubt die kluge Alicia, mit ihrer Aktion soviel zu sparen, dass sie mit dem Ersparten dann wieder ein Drittel ihrer Benzinrechnung finanzieren kann. Ein anderes Fahrzeug, das niedriger im Verbrauch ist, täte es wohl auch, liebe Alicia.

Um Menschen wie Alicia aufzuklären, veröffentlicht das „Department of Energy“ tolle Tipps, wie man den Benzinverbrauch reduzieren kann. Ganz genial ist da zum Beispiel der Vorschlag, die Golftasche aus dem Kofferraum zu nehmen. Ja, das ist mal neu. Andere Empfehlungen: Langsamer Fahren. Wie soll ich denn im Stau noch langsamer fahren bitte? Mal öfter auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Ja, dann schafft erstmal welche! In Südkalifornien gibt’s keinen ÖPNV. Ein weiterer schöner Tipp: Vermeide Staus. Wer jemals die Freeways rund um Los Angeles benutzt hat, weiß, es ist überall Stau. Wohin also noch ausweichen?

Ein Leser der kalifornischen Ausgabe der Visalia Times-Delta hat es in einem Leserbrief auf den Punkt gebracht: „Die Benzinpreise sind wie das Wetter. Alle reden drüber, aber keiner tut was. Es wäre doch schön, wenn unsere Staatsoberhäupter die Vision hätten, eine neue Energiepolitik anzustreben. Aber diese Vision haben sie nicht.” Ja, wenn die Vorbilder fehlen, wo sollen die Kalifornier und ihre amerikanischen Mitbürger in den übrigen Staaten denn die guten Ideen hernehmen…

Nina Grenningloh


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