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  Bernd Möhlmann

Hamburg, 29.06. 2005 16:16

Umfrage: 33% aller Deutschen träumen nachts von ihrem Job. bzw. halten sich im Traum in ihrem Jobumfeld auf. Termindruck, Versagensängste, Büro-Intrigen verarbeiten wir im Schlaf...
Träumst Du schon oder arbeitest Du noch?


Wenn ich – was sehr selten passiert – in der Nacht von der täglichen Arbeit träume, sind die Erlebnisse überwiegend positiver Natur. So sitze ich dann zum Beispiel in einem fetten Ledersessel, mein 1. Assistentin Sabrina



Wenn ich – was sehr selten passiert – in der Nacht von der täglichen Arbeit träume, sind die Erlebnisse überwiegend positiver Natur. So sitze ich dann zum Beispiel in einem fetten Ledersessel, mein 1. Assistentin Sabrina
manükiert mir die Fingernägel und Chantal, eine blutjunge Prokuristin, die ich kürzlich wegen ihres französischen Akzentes eingestellt habe, massiert mir den Nacken. Etwas ungeschickt zwar, aber sie ist ja noch jung, da darf man am Anfang nicht zu viel erwarten. Doch zum Glück wird ja in diesem Moment das uninspirierte Kneten von meiner 2. Assistentin Vivian unterbrochen, die aufgeregt über die langflorige Auslegeware eilt und fast über meine beiden Dobermänner stolpert. Hysterisch erinnert sie mich an einen wichtigen Geschäftstermin auf dem betriebseigenen Golfplatz. Ein Blick in meinen Terminkalender bestätigt das, mit leisem Vorwurf in der Stimme erinnere ich Vivian daran, dass sie wöchentlich mein aktuelles Handicap einzutragen hat. Wie üblich bekommt sie einen Heulkrampf, das tut mir natürlich immer sehr leid, aber ich meine, wozu bezahlt man denn seine Leute?

Ja, das sind meine Träume, aus denen ich gestärkt erwache. Höre ich mich aber in meinem realen Jobumfeld um, so bin ich diesbezüglich eher eine Ausnahme. Insbesondere die jüngeren Kolleginnen in unserer kleinen Agentur nutzen die Nacht ausgiebig, um den beruflichen Stress auf surrealer Ebene zu erleben und im Idealfall zu bewältigen. Nehmen wir Christine, eine Projektleiterin allererster Güte, die bisweilen tagelang Tabellen zu füllen hat. Eine – wie mein Vater sagen würde – "charakterbildende Aufgabe", die Konzentration und Durchhaltevermögen erfordert. (Zum Verständnis, was eine klassische "charakterbildende Aufgabe" ist: Mein Vater pflegte uns Kindern an jedem Samstag ein Küchenmesser in die Hand zu drücken, mit dem wir das Gras zwischen den Gehwegplatten zu entfernen hatten.) Christine gesteht mir, dass sie in solchen Zeiten die Tabellen auch nach dem Einschlafen weiterführt und immer völlig gerädert aufwacht. Sie hat deswegen mehrfach einen Antrag auf Vergütung von Überstunden gestellt, stets aber negativen Bescheid erhalten.

Sandra, eine attraktive Volontärin, die von uns Herren mit gebührendem Respekt umschmeichelt wird, gibt auf Anhieb zu, in mindestens jeder dritten Nacht von reiferen Kolleginnen gemobbt zu werden. Wobei Mobben noch ein milder Ausdruck ist: Die Furien – so die Träume der Ärmsten – binden Sandra an eine Yucca-Palme, zerstören ihr das Make Up und schneiden lange Strähnen ihrer schönen blonden Haare ab. Einmal haben sie Sandra sogar halb ausgezogen, ihren Körper mit Firmenstempeln verziert und ihr Kurierschecks auf die Hüften getackert, das müssen Sie sich mal vorstellen!

Von den männlichen Kollegen habe ich nichts derartiges in Erfahrung bringen können. Viele haben mir freimütig gestanden ("... aber das behältst du für dich ja?"), am liebsten während der Arbeitszeit zu schlafen und von unangenehmem beruflichen Situationen lieber gleich an Ort und Stelle zu träumen. Was dabei vielleicht ganz interessant ist: Überwiegend träumen Männer davon, beim Schlafen während der Arbeitszeit erwischt zu werden.


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