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  Prof. Dr. Alfred Gebert

48161 Münster, 24.11. 2005 11:06

Hörgeräte
Hast Du das gehört?

„Hörgeräte sind besser als ihr Image“
Über 10 Millionen Deutschen könnte mit einem modernem Hörgerät geholfen werden, glücklicher am Leben teilzunehmen.


Prof. Dr. Alfred Gebert
„Hörgeräte sind besser als ihr Image“
Über 10 Millionen Deutschen könnte mit einem modernem Hörgerät geholfen werden, glücklicher am Leben teilzunehmen.

Nur etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland besitzen ein Hörgerät. Weitere 1o Millionen sollten sich sofort ein Hörgerät kaufen und nicht in der Schublade verschwinden lassen. Schon Immanuel Kant hatte erkannt, dass Hören wichtiger als Sehen ist: „Nicht sehen trennt den Menschen von den Dingen. Nicht hören trennt den Menschen vom Menschen.“ Unser Ohr ermöglicht uns die Kommunikation mit unserer Umwelt, insbesondere den Dialog mit unseren Mitmenschen. Das Gehör macht uns zum sozialen Wesen.

Eine Brille ist heute ein Schmuckstück und mancher wirkt damit auch intelligenter. Aber ein Hörgerät? Warum ist das Image so schlecht? Das negative Vorurteil ist nicht mit einer Kolumne auszurotten. Früher waren die Hörgeräte auffällig. Die Betroffenen drehten dauern an irgendwelchen Rädchen und hörten dennoch schlecht. Wer schlecht hört, zieht sich zurück und nimmt nicht mehr so aktiv am Leben teil. Heute kann mit den modernen digitalen Hörgeräten jedem, der Verstehensprobleme hat, geholfen werden.

Lärm als Hauptursache
Am Arbeitsplatz ist der Lärm für mich erträglich, aber bei Schiessübungen verzichte ich schon mal auf den Gehörschutz und bin dabei fälschlicherweise noch stolz, da ich ja für lebensgefährliche „Echtsituationen“ üben möchte. Sowohl beim Militär als auch im Berufsleben werden seit Jahren An-strengungen unternommen, gefährlichen Lärms zu reduzieren. In der Freizeit setzen sich vor allem Jugendliche immer stärkeren Lärmbelastungen aus. Sie schaden ihrem Gehör bei Rock- und Pop-konzerten oder bei Besuchen in Discos in fahrlässiger Art und Weise. Junge Menschen unterschät-zen dabei die Tatsache, dass die Lärmbelastungen des Gehörs eine kumulative Wirkung haben – das heißt dass sich mehrere kleinere Belastungen zu einer gefährlichgen Schädigung aufsummieren kön-nen. Wer also häufig Motorrad fährt, Discos besucht, zu Hause laute Musik hört und gar noch am Arbeitsplatz mit erheblichem Lärm konfrontiert ist, hat seinen Hörschaden selbst dann vorprogram-miert, wenn die kritische Grenze nur leicht und kurzfristig überschritten wurde.

Gefahren für das Gehör werden unterschätzt.
Leider werden die Probleme der Überbeanspruchung des Gehörs durch Unterhaltungs- und anderen Lärm vielfach noch zu wenig beachtet. Es muss deshalb mehr getan werden, um Jugendliche vor le-benslangen Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und vor drohender gesellschaftlicher Isolation im fortgeschrittenen Alter zu bewahren. Aber auch, um unser Sozialwesen vor den immensen Kosten zu schützen, die solche Schäden zwangsläufig nach sich ziehen. Schäden, die bei besserer Aufklärung und wirksamerer gesellschaftlicher Kontrolle vermeidbar wären. Mal abgesehen vor dem Verlust an Lebensqualität nach vielen Jahren.

Unsere Ohren können nicht abschalten.
Das Gehör ist unser heikelstes Sinnesorgan – und zugleich besonders aktiv. Während des Schlafens können die Augen geschlossen werden, aber die Ohren bleiben stets offen, um für akustische Wahr-nehmungen aufnahmebereit zu bleiben. Ein gesundes Ohr nimmt die kleinste akustische Verände-rung wahr, ermüdet nicht und warnt uns Tag und Nacht vor Gefahren. Auch wenn wir schlafen sind wir hellhörig, was besonders ärgerlich ist, wenn wir nachts unnötige Geräusche hören, z.B. das Telefon, oder Flugzeuge oder Kneipenmusik oder gar das Schnarchen des Partners.

Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) wird geleugnet.
Obwohl Hörverluste bei allen Altersgruppen vorkommen, sind die meisten schwerhörigen Menschen über 60 Jahre alt, das heißt sie leiden unter Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis). Grundsätzlich ist die altersbedingte Abnahme der Hörfähigkeit schmerzlos und wird deshalb von den Betroffenen nicht ernst genommen und abgestritten. Meist registrieren Freunde und Verwandte als erste das Hörproblem, weil sie sich durch das häufige Nachfragen genervt fühlen. Auch merkt der Betroffene nichts von seinem Hörproblem, weil er Radio und Fernseher einfach lauter stellt. Die anderen ziehen sich dann eher zurück, als dass sie das Problem ansprechen. Wer schlecht hört, sucht den Fehler nicht bei sich sondern bei den anderen: „Nuschle nicht so, spreche deutlicher.“ Achtet man allerdings in einer solchen Situation auf die Reaktionen von Sprecher und Zuhörer, so stellt man erstaunlicherweise fest, dass durch lautere Sprache die Verständlichkeit für den Schwerhörigen nicht zunimmt.

Selbstbeobachtung
Wer dem Gespräch mit mehreren Gesprächspartnern oder im Stimmengewirr nicht mehr problemlos folgen kann, am Telefon oder auch in einer Fremdsprache kaum etwas versteht, vermeidet solche Situationen, statt sich ein Hörgerät zu kaufen.
Warum vermeiden viele Menschen, sich das Vorliegen eines Hör- und Verstehensproblem einzuges-tehen? Andere Alterserscheinungen werden doch auch klaglos akzeptiert. Wer sich zu spät zum Kauf eines Hörgeräts entscheidet, kann sich daran kaum noch gewöhnen. Deshalb schlummern auch heute noch von fast 40 Prozent Hörgeräteträgern die teuren Geräte unbenutzt in irgendeiner Schubla-de. Dass fast die Hälfte aller Hörgeräte nicht benutzt werden, mag manchmal an der schlechten Einstellung durch die Fachleute, die Hörgeräteakustiker, liegen. Fast immer liegt es aber an den Betrof-fenen selbst, die resignieren. Ein vernünftiges Ergebnis ist häufig erst nach genügend Übung möglich. Die Geräte können nicht wie eine Brille eindeutig geprüft werden, sondern der Hörgeräteträger muss in realen Lebenssituationen sein Gerät ausprobieren.

Moderne Hörgeräte steigern die Lebensqualität.
Man darf sich nicht von entsprechenden Werbeaussagen der Hersteller täuschen lassen. Objektiv sind die neuen digitalen Hörgeräte wahre Wunderwerke der Technik. Rudi Carell hat eins, Bill Clinton hat eins, Helmut Schmidt hat sogar mehrere! Viele Menschen tragen Hörgeräte, ohne dass man diese auf Anhieb sieht. Aber die Lebensqualität steigt, weil man wieder die Kontakte pflegen kann, die sonst verkümmert wären. Die Hörgeräte pfeifen nicht mehr wie die früheren Analoggeräte, die Rückkopplung zwischen Mikrophon und Lautsprecher wird heute erfolgreich unterdrückt: Moderne Hörgeräte enthalten einen leistungsstarken MiniComputer, der sich praktisch “von selbst“ auf die jeweilige Situation einstellt, so dass der Träger nicht an winzigen Rädchen am Ohr herumtasten muss. Auch wenn die Störgeräusche ebenfalls etwas verstärkt werden, so wird die Sprache deutlich herausgefiltert. Wer sein Gerät täglich trägt, übt natürlich für schwierige Situationen und findet sich dann auch gut zurecht. Wer sein Gerät in der Schublade ruhen läßt, ist natürlich überfordert, wenn er es ausnahmsweise mal nutzen möchte.

Beide Ohren versorgen
Aus Kostengründen kaufen sich einige Betroffene nur ein Hörgerät. Das ist gefährlich im Straßenverkehr, weil die Richtung nicht bestimmt werden kann. Aber wer nicht beide Ohren versorgt, versteht bei Störgeräuschen, Hintergrundmusik oder kritischen Gesprächssituationen so wenig, dass das einzel-ne Gerät mit Sicherheit in irgendeiner Schublade verschwindet.

Wer gut hören will, braucht in der Regel nicht nur ein Hörgerät, sondern derer zwei – für jedes Ohr eines. Denn erst mit einer stereofonen Versorgung beider Ohren kann der Schwerhörige „räumlich hören“.
Wie viel ein Hörgerät kosten darf, ist leider für Laien nicht herauszufinden. Wer in die Schaufenster der Hörgeräteakustiker schaut, findet kaum Geräte, die mit einem Preis ausgezeichnet sind. Nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes werden die gleichen Geräte in Deutschland mit Preisunterschieden von bis zu 2.000 Euro verkauft. Der Grund: Hörgeräteakustiker dürfen bei der Zu-zahlung durch die Patienten weitgehend frei kalkulieren. Die kostenlosen Kassengeräte (allerdings 10 Euro Praxisgebühr) genügen bescheidenen Ansprüchen, aber schon mit 300 bis 500 Euro Zuzahlung sind mehrere sinnvolle Verbesserungen günstig zu erhalten. Wer es sich leisten kann, sollte bis zu 3.000 Euro für ein hochleistungsfähiges Gerät zuzahlen, denn der Betrag ist ja auf 5 bis 6 Jahre zu verteilen; so lange hält ein Hörgerät.

Schützen sie sich vor Lärm und kontrollieren Sie Ihr Hörvermögen möglichst oft. Wenn Sie bemerken, das Sie schlechter hören, kaufen Sie sich schnell digitale Hörsysteme. Denn wenn das Gehirn durch die akustische „Unterversorgung„ erst einmal aufhört, Sprache und Signale zu verarbeiten, bildet sich das Sprachverstehen langfristig und dauerhaft zurück. Je eher Sie lernen, mit einem Hörgerät zu le-ben, desto besser sind Sie in der Lage, Ihre Lebensqualität zu halten. Die beste Lebensqualität erreicht ein Hörgeräteträger nur, wenn er seinem Arzt und Hörgeräteakustiker seine Vorlieben und Lebensgewohnheiten schildert, ob er ins Theater und Konzert geht, gerne Sport treibt oder mit Kindern rumtollt. Moderne Hörgeräte können alles, aber nur, wenn sie nicht in der Schublade verschwinden. Wer sich Hörgeräte für beide Ohren anschafft, sollte sie möglichst täglich länger tragen, selbst wenn man alleine im Haus ist. Lediglich beim Waschen, Schwimmen, Baden und Schlafen legt man die Geräte ab. Wer nur selten und in schwierigen Gesprächssituationen wie Familienfeiern, Restaurantbesuchen und Reisen seine Hörgeräte trägt, wird enttäuscht, weil das Gehirn die seltenen Situationen nicht richtig lernen kann. Auch Telefonieren muss man mit den neuen Hörgeräten erst mal üben. Nicht nur die Natur mit Vogelgezwitscher oder die Musik erhöht unsere Lebensfreude, auch das Klin-geln an der Tür oder des Weckers ist für uns notwendig. Selbst wenn die inzwischen unbekannten Geräusche teilweise als störend empfunden werden, denken Sie daran, auch der normal Hörende kann sein Gehör nicht abschalten und fühlt sich durch Geräusche gestört.
Leider warten aber heute viele potentielle Hörgeräteträger über 10 Jahre, ehe Sie sich zum Kauf durchringen. Dann ist schon viel von der Lernfähigkeit verloren, aber letztlich ist es nie zu spät.




Kontaktinformationen:
Prof. Dr. Alfred Gebert
Gescherweg 100
48161 Münster


Vertragsbedingungen und Honorare:
Keine