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  Nina Grenningloh

Huntington Beach, Kalifornien, 15.07. 2005 23:23

Aus der Reihe: Kalifornische Kolumnen
Alles außer Good Vibrations

Ich habe keine Lust mehr, in Kalifornien an den Strand zu gehen. Es macht doch wirklich keinen Spaß, wenn alles verboten ist. Das ist ja schlimmer als im Knast. Im südkalifornischen Huntington Beach, der US Surf City, wie Einheimische ihren Ort stolz nennen, macht höchstens noch der Ritt auf der Welle Laune. Und selbst der ist reglementiert.

Am Pier in Huntington Beach wissen Ordnungshüter, wie sie den wilden Surfern Einhalt gebieten. „Weg vom Pier!!!“ schreit ein kalifornischer Bademeister in feinster David Hasselhoff Manier über Lautsprecher, wenn ein Wellenreiter dem Pier zu nahe kommt. Und am Strand ist das nicht anders. Überall machen Schilder mit Warnhinweisen und Regeln dem auf Erholung bedachten Strandgänger das Leben schwer. Also, erstmal grundsätzlich, damit sich da keiner falsche Hoffnungen macht, der Strand wird in Kalifornien um 10 Uhr Abends geschlossen. Ja, genau richtig. Natürlich gibt es keine Tore, die abgeschlossen werden und keine Gitter, die den Strand nachts abschotten, aber die Regel lautet: keine Menschen mehr am Strand nach 10pm.

Aber sind nicht die einsamen Nacht und Nebel Aktionen am Strand genau die besten? Wo bleiben romantische Momente zu zweit, wenn man den Wellen lauschend und nach Sternen schauend die Natur ganz intim erlebt? Aber nein, nicht in Kalifornien. Und selbst wenn der Strandgang nachts erlaubt wäre, wie viel Spaß würde es machen, wenn die traute Zweisamkeit auf die mitgebrachte Flasche Rotwein und eine gepflegte Fluppe verzichten müsste? Wir haben doch alle mal dieses besondere Erlebnis gehabt: Erinnern wir uns doch daran, wie sinnlich es sein kann, nachts - mit Zigaretten und Bier ausgestattet - an Mittelmeerstränden abzuhängen. Nicht so in Kalifornien liebe Leute. Dort herrscht am Strand noch puritanische Zucht und Ordnung. „Rauchen am Strand und am Pier ist verboten“ heißt es da fett gedruckt auf dem Schild, dass am Pier aufgestellt ist. Und weiter: „Besitz und/oder Genuss von Drogen oder Alkohol ist verboten.“

Gut, okay, okay, ich finde mich damit ab, auf diese -sagen wir mal- Extras zu verzichten. Ist ja nicht so, dass wir nicht auch ohne Rauschmittel Spaß hätten. Darum geht’s ja auch nicht. Aber es geht ums Prinzip. Und da stellt der kalifornische Staat knallharte Bedingungen: Wellenreiten ist nämlich nur an besonders gekennzeichneten Strandabschnitten erlaubt. Anfänger und Gelegenheitssportler also aufgepasst! Hocherhoben auf ihren Aussichtsplattformen haben die Life Guards das Getümmel im Blick. Die Helden in roter Bademode sind nämlich nicht nur da, um Leben zu retten. Nein, diese Pamela Andersons für Arme sind da, um uns den Tag am Meer so richtig zu vermiesen.

„Hallo, hallo! Dies ist nicht der Hundestrand. An diesem Strandabschnitt sind keine Hunde erlaubt.“ „Junger Mann, das ist das Gebiet für Bodyboards, die Surfer sind 200 Meter weiter südlich, bitte!“ „Meine Liebe, dies ist ein öffentlicher Strand, würden sie sich bitte wieder das Bikini Oberteil anziehen.“ So geht das ständig. Sind wir mal ehrlich, da vergeht einem doch die Lust, an den Strand zu gehen. Oder etwa nicht?

Vielleicht war das zu Zeiten der Beach Boys noch anders. Die haben über „Fun, Fun, Fun“ am Strand gesungen und dass sie dort „Good Vibrations“ spürten. Doch das besungene Glück im Paradies ist wohl schon lange passé. Ich radelte neulich zum Strand und schob mein Fahrrad dann gemächlich über den Pier, um von dort die Surfer in Action zu bestaunen. Da wies mich ein eifriger Ordnungshüter darauf hin, dass Fahrräder (und übrigens auch Skateboards) auf dem Pier nicht erlaubt seien. „Aber ich fahre doch gar nicht, ich schiebe doch nur“, wusste ich mich schlagfertig zu rechtfertigen. „Haben sie nicht das Schild vorne am Pier gelesen, Miss?“ Der Sheriff deutete auf die Tafel, auf der die Strandregeln gelistet sind. Ja, ja, ich habe es schon eingesehen. Ich möchte nicht schon wieder diese Gesetze lesen, bitte. Lasst mich doch in Ruhe mit euren Verboten und Bestimmungen! Ich lege mich jetzt am Pazifik in die Sonne und träume von der Freiheit am Timmendorfer Strand…

Nina Grenningloh







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