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  Alexander Dort

Saarbrücken, 26.07. 2005 17:55

Eine Kurzgeschichte für das limbische System.
Princess of the night...

by Alexander Dort



Es war wieder einer dieser Samstage. Doch dieser sollte anders werden als alle zuvor! Diese Nacht sollte Ihre Nacht werden. Die Nacht, auf die sie bereits ein ganzes Leben hingearbeitet hatte, für die sie lebte, für die sie sterben würde!

Sie schloss ihre Augen und stellte sich vor, wie es sein würde. Seit einer kleinen Ewigkeit lag sie bereits im Bad. Das Peeling hatte sie längst hinter sich gebracht und sie spürte durch ihre nun fast jungfräulich wirkende Haut, wie das Wasser langsam seine magische Temperatur verlor.

Es wurde Zeit sich vorzubereiten. Thomy und Heinz, ihre beiden Bühnenkollegen, wollten auch bald da sein und sie war noch nicht einmal trocken. Sie blickte an sich herunter und erschrak. Ein fast knabenhafter, viel zu weißer Körper schien sie fast schon hämisch anzugrinsen. Und dass sie viel zu lange in dem kalten Wasser lag, erkannte sie nicht nur an dem leichten Schauer, der ihr über den gesamten Körper lief.

So konnte sie sich nicht sehen lassen!

Hektisch sah sie auf die überdimensionale Digitaluhr an Ihrer Wand. Es war noch etwas Zeit, doch es musste nun alles sehr schnell gehen. Gut, dass sie nicht alleine war. Eine Freundin startete zuerst Ihre Bräunungseinheit, eine andere half ihr das Bräunungsbad mit diesem Spezialöl zu besteigen, von dem sie wusste, dass der Bräunungseffekt zwar gigantisch ist, man jedoch unglaublich aufpassen musste, nicht zu lange darin zu verweilen. Schwarze Stellen am ganzen Körper und ein Bouquet aus verbrannter Erde wären die Folge. Doch heute musste sie dieses Risiko eingehen.

Knapp zehn Minuten zeigte der Timer und sie konnte beobachten, wie ihre Glieder langsam diesen besonderen goldenen Teint annahmen.

Mit einem Ping erlosch der Brenner und noch immer etwas nervös vor Ihrem großen Auftritt, stieg sie aus dem Bad und sah in den Spiegel. Jetzt war sie sich sicher, sie hatte das Richtige getan.

Goldbraun stand sie sich nun gegenüber und wusste, es war fast vollbracht.

Was sie tragen solle war längst klar. Bereits vor Wochen legte man die notwendigen Utensilien für sie bereit. Ein weisses Outfit sollte es heute sein. Noch vor ein Paar Jahren hätte sie wohl natürliche Stoffe getragen aber die Zeiten haben sich geändert. Polyethylen war nun In, doch sie hatte kein Problem damit, sich zeitgemäß zu kleiden.

Ein wenig Glitter über den gesamten Körper verteilt und sie fühlte sich bereit für ihren großen Auftritt.

Sie dachte gerade darüber nach, ob sie Ihrem Blind-Date nach der Show von ihrer Persönlichkeitsspaltung erzählen solle als ein Klingeln von der Bühne ihr Bescheid gab, dass ihr großer Moment gekommen sei.

Noch nie warf sie sich derart schnell aber doch professionell in Schale. Sie wusste, sie war heiß und es schien alles glatt zu laufen. Ein letzter Blick im Vorbeigehen in eine hochglanz-polierte Schrankwand aus Edelstahl bestätigte Ihr, dass sie niemals zuvor besser aussah.

Dann betrat sie ihre Bühne. Das Publikum schien den Atem anzuhalten, zumindest hörte sie kaum einen Ton durch die von Scheinwerfern und Rauch zum Leben erweckte Bühnenlandschaft.

In heißer Erregung lag sie da. Nackt auf ihrem weißen Gewandt. Die monumentale Leere der Bühne wurde lediglich durch einen ebenfalls weissen Dreizack gebrochen, der in kurzer Entfernung von ihr auf einem weissen Teppich lag.

Absolute Ruhe war nun eingekehrt und die Show begann.

Während das Orchester in einen längst vergessen geglaubten Hit des Rat Packs einstimmte lag, wie aus dem Nichts gekommen, Thomy in elfenbeinfarbener Maske vor ihr und begann sofort sich um ihre Beine zu schlingen. Die Luft schien elektrisiert und sie war sich nicht mehr ganz sicher, ob der Nebel um sie herum wirklich nur aus der Maschine kam.
Hoch konzentriert versuchte sie keinerlei Regung zu zeigen. Dies war Teil des Stückes, das über Generationen so aufgeführt wurde und in dem sie heute erstmalig die Hauptrolle bekam. Doch es war schwerer als sie dachte und auch Heinz, der plötzlich in blutrotem Kostüm neben ihr lag und langsam ihre Glieder umschlang, machte es ihr nicht leichter.

Die Zeit für den Höhepunkt war gekommen. Sie spürte, wie ihr Körper allmählich an Spannung verlor und ihre Arme und Beine weich zu werden schienen. Nie hätte sie gedacht, dass sie so schnell feucht werden könne und auch die Hitze schien langsam einer prickelnden Vorfreude zu weichen. Jetzt... jetzt sollte es endlich so weit sein.
Sie musste nur noch, bebend vor Erregung, auf ihren Einsatz warten.

Dann war es so weit!

Aus dem Off hörte sie das Kommando des Regisseurs, auf das sie ihr ganzes Leben bereits wartete:

"Pommes Rot-Weiss, für wen waren die Pommes Rot-Weiss!"


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