Wirtschaft, Handel
Düsseldorf, 03.06. 2005 10:15
„Stahlharter“ Mörtel – Elektrohämmer bissen sich die Zähne aus
Leuchtturm Norderney wird Instand gesetzt
Die Sanierungsarbeiten am Leuchtturm Norderney werden noch bis in den Herbst 2005 andauern. Die Arbeiten beinhalten die Sanierung des gesamten Außenmauerwerks, der Fenster und der Eingangstür, Ausbesserung des Innenmauerwerks, Instandsetzung des Daches und Brandschutzmaßnahmen. „Mitte der 70-er Jahre wurden zum letzten Mal Sanierungsarbeiten am Leuchtturm ausgeführt, “ erklärt Siebelt Noormann von der „Beekmann Bautenschutz - Anstrichtechnik“. Das in Riepe Ostfriesland ansässige Unternehmen hatte den Sanierungsauftrag von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erhalten. Das auf Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten spezialisierte Unternehmen verfügt über entsprechende Fachnachweise. Der 54 m hohe Leuchtturm (63,5 m über N.N.) wurde 1872-74 in Ziegelbauweise erstellt.
Das achteckige Turmbauwerk steht auf einem viereckigen Sockel. Obwohl das Mauerwerk beim Sockel rund 70 cm stark ist, konnte bei lang anhaltenden Niederschlägen Feuchtigkeit bis ins Innere des Leuchtturms eindringen. Vom Mauerwerk des 14 m hohen Sockels sollte deshalb das Mauerwerk 18 cm tief abgestemmt und eine Verblendmauer mit Hohlschicht vorgesetzt werden. Mit den zunächst eingesetzten Elektrohämmern gab es schnell große Probleme, denn beim Bau des Leuchtturms hatte man einen ungewöhnlich festen und sehr hart bindenden Mörtel verwendet, den die E-Hämmer nur sehr schwer abstemmen konnten. Mit dem von Peter Gay Baumaschinen in Bremen gelieferten CompAir Kompressor C 95-12 kamen dann leistungsstarke Lufthämmer bei 7 bar zum Einsatz. Mit einem Volumenstrom von 9,5 m³/min bei 12 bar gehört der C 95-12 Kompressor schon in die obere Leistungsklasse unter den Baukompressoren. Dieser Kompressor mit 12 bar wurde unter anderem deshalb ausgewählt um weitere Einsätze wie Trockeneisstrahlen und Sandstrahlen mit höheren Drücken durchzuführen. Der Kompressor ist mit der Option „integrierte Druckluftaufbereitung“, bestehend aus einem integr. Nachkühler, Kondensatabscheider, automatischen Kondensatablass über Schwimmer und bei Abschalten des Kompressors ausgestattet. Weitere bemerkenswerte Ausstattungsmerkmale sind der entlastete Motoranlauf, separate Luftfilter für Motor und Verdichter sowie die großen seitlichen Flügeltüren (zusätzlich eine Wartungsklappe stirnseitig und leicht lösbare Kunststoffteile rückseitig) für einen schnellen Zugang zu allen Aggregaten und Wartungspositionen. Mit bis zu 4 gleichzeitig eingesetzten Hämmern waren die Stemmarbeiten am Mauerwerk des Sockels nach kurzer Zeit erledigt. Der ungewöhnlich harte Mörtel führt außerdem zu einem sehr steifen Gesamtbauwerk. Die heftigen Herbst- und Frühjahrsstürme hatten deshalb zu diversen Rissen im gesamten Mauerwerk des Turms geführt. Diese Bereiche wurden ebenfalls aufgestemmt und neu ausgemauert. Für die Verblendarbeiten und zur Ausmauerung der aufgestemmten Risse wurde ein „elastischer“ Spezialmörtel verwendet, den das Mörtelwerk eigens dazu hergestellt hat. Putzschicht am Turmkern komplett abgestemmt.
Die Putzschicht des ebenfalls gemauerten Turmkerns, der als Säule zentral bis in die Spitze des Baus reicht, musste ebenfalls vollständig abgestemmt werden. Damit der Neuputz besser haftet, wurde zunächst Haftgrund mittels Spritzbewurf aufgebracht und dann der Turmkern händisch neu geputzt. Die Sanierungsarbeiten sahen auch eine Reinigung der Leuchtturmoberflächen innen und außen vor. Mit dem Turbosoftverfahren war eine geeignete Technik gefunden. Hierbei wird mit geringem Druck und einem feinen Strahlmittel gearbeitet. Rund 1100 m² Außenfläche und 650 m² im Innern des Leuchtturmes wurden behandelt. Die Sanierung des Laternendaches in der Turmspitze und Blitzschutzmaßnahmen runden die Instandsetzungsarbeiten ab.
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